Wer auf Reisen erst abends in die Landesküche eintaucht, lässt oft einen besonders spannenden Teil aus: das Frühstück. Denn schon am Morgen zeigt sich, wie unterschiedlich Essgewohnheiten weltweit sind. Mal gibt es Suppe oder Dim Sum, mal Churros oder zerdrückte Avocado auf Toast. Ob im Stehen an der Bar, auf einem Plastikstuhl am Straßenrand oder im trendigen Café – die erste Mahlzeit des Tages verrät oft mehr über ein Land als jeder Reiseführer.
Thailand
Noch vor Sonnenaufgang erwachen in Thailand die Garküchen. Von Bangkok bis Phuket klirren Woks und Kellen, während der Duft von Knoblauch, Koriander, Fleisch und frisch gekochtem Reis durch die Straßen zieht. Angestellte, Mönche und Schulkinder holen sich dort ihr Frühstück: beliebt sind Reisbrei namens Jok, würzige Reisnudelsuppen, marinierte Schweinespieße oder gebratener Reis mit Spiegelei.
Gegessen wird häufig direkt am Straßenrand auf kleinen Plastikhockern – schnell, heiß und deftig, bevor die tropische Wärme den Tag voll im Griff hat. Dazu trinken viele einen starken Eiskaffee oder süßen Thai-Milchtee.
Das Frühstück ist hier weniger ein ruhiger Start am Küchentisch als ein lebendiger Teil des Straßenalltags: laut, aromatisch und voller Bewegung. Wer Thailand wirklich erleben will, sollte früh aufstehen und sich unter die Gäste an den Streetfood-Ständen mischen.
Australien
In Australien beginnt der Tag für viele mit Bewegung. Ob in Sydney oder Perth, erst wird gejoggt oder Rad gefahren, danach zieht es die Menschen in eines der zahllosen modernen Cafés. Dort fauchen die Espressomaschinen, Baristas verzieren den Milchschaum kunstvoll, und der Geruch von Kaffee trifft auf frisch gebackenes Sauerteigbrot.

Serviert werden oft aufwendig angerichtete Frühstücke wie Smashed Avo mit pochierten Eiern und Feta oder Ricotta-Pfannkuchen mit Banane und Ahornsirup. Fast immer gehört dazu ein Flat White, der längst zu Australiens kulinarischen Aushängeschildern zählt.
Wer es ganz typisch mag, probiert außerdem Vegemite. Der salzige Hefeaustrich kommt nur hauchdünn aufs Toast und ist für viele Australier ein Muss. Besucher aus dem Ausland reagieren darauf allerdings oft eher irritiert.
Italien
In vielen Teilen Italiens fällt das Frühstück eher knapp aus. Ein schneller Kaffee, ein süßes Gebäck – und dann geht es weiter. Nicht wenige frühstücken gar nicht zu Hause, sondern in einer Bar, oft direkt am Tresen. Das ist meist günstiger, als sich an einen Tisch zu setzen.
Typisch sind ein kräftiger Espresso oder ein Cappuccino zusammen mit einem süßen Gebäckstück, etwa einem noch warmen Cornetto, das mit Creme, Marmelade oder Schokolade gefüllt sein kann.
Je nach Region sieht der Morgen jedoch unterschiedlich aus. In Südtirol wird häufiger Herzhaftes gegessen. In Rom sind Maritozzi beliebt, luftige Hefebrötchen mit reichlich Sahnefüllung. Auf Sizilien wiederum gönnt man sich im Sommer auch schon früh eine Brioche mit Granita, einer halbgefrorenen, erfrischenden Süßspeise.
Türkei
In der Türkei ist das Frühstück oft ein kleines Fest. Auf dem Tisch stehen zahlreiche Schälchen und Teller mit Oliven, Käse, Gurken, Honig, Rahm und würzigen Pasten. Eier werden gerne als Menemen serviert, also mit Tomaten und grüner Paprika zubereitet. Dazu gibt es frisches Weißbrot und Simit, den typischen Sesamring.
Getrunken wird dazu meist schwarzer Tee aus den charakteristischen kleinen Gläsern. Je nach Region variieren Backwaren, Käsesorten und Aufstriche. In Gaziantep dürfen diese gern schärfer sein, an der Ägäis landet im Sommer auch Wassermelone auf dem Frühstückstisch. Besonders bekannt ist landesweit das Frühstück aus Van im Osten des Landes, zu dem unter anderem ein spezieller Kräuter-Schafskäse gehört.
China
In China beginnt der Morgen vielerorts mit aufsteigendem Dampf aus großen Metallbehältern. Darin liegen Baozi, weiche gedämpfte Teigtaschen mit Füllungen aus Fleisch, Gemüse oder Ei. Im Norden gehören sie ebenso zum Frühstück wie Youtiao, längliche frittierte Teigstangen, die gern in warme Sojamilch getunkt werden.
Unter der Woche muss es oft schnell gehen: Man kauft das Frühstück an kleinen Straßenständen und isst es direkt dort oder unterwegs. Baozi wechseln dabei nicht selten direkt aus der Hand des Verkäufers in die Tüte der Kundschaft.
Rund um Shanghai sind Shengjianbao beliebt – saftige Teigtaschen mit knusprig gebratener Unterseite. In Guangzhou und Shenzhen greifen viele zu Changfen, gedämpften Reisnudelrollen mit Ei, Fleisch oder Gemüse und Sojasoße. Auch Dim Sum mit Tee ist in Südchina und Hongkong weit verbreitet, wobei man sich dafür vor allem am Wochenende gern mehr Zeit mit Familie oder Freunden nimmt.
Äthiopien
In Addis Abeba liegt am Morgen der Duft von gedünsteten Zwiebeln und der scharfen Gewürzmischung Berbere in der Luft. In belebten Straßenlokalen sitzen Menschen an einfachen Tischen und essen Fir-Fir.
Dieses Gericht besteht aus zerkleinertem Injera, dem typischen säuerlichen Fladenbrot Äthiopiens. Vermischt wird es mit gewürztem Butterschmalz, Chili-Paste und oft auch mit Resten von Gemüse- oder Fleischeintöpfen. Gegessen wird traditionell mit der Hand: Stücke von Injera dienen dabei gleichzeitig als Besteck.
Dazu passt frisch aufgebrühter äthiopischer Kaffee, tiefschwarz und intensiv im Aroma. Vielerorts kommt noch der Duft von Weihrauch hinzu, der dem Morgen eine ganz eigene Atmosphäre verleiht.
Peru
In Peru darf das Frühstück durchaus kräftig ausfallen. Sehr beliebt ist Pan con chicharrón: knusprig gebratenes Schweinefleisch wird zusammen mit Süßkartoffeln und scharfer Zwiebelsalsa in ein Brötchen gepackt. Dazu gibt es oft Kaffee oder Saft. Auch Tamales, gefüllte Maisteigtaschen, die in Blättern gedämpft werden, gehören zu den traditionellen Frühstücksgerichten.
Das Frühstück spiegelt zugleich die Vielfalt des Landes wider. An der Küste werden etwa Fischsandwiches wie Pan con pejerrey gegessen. In den Anden spielen Quinoa und Mais eine größere Rolle, im Amazonasgebiet eher Zutaten wie Kochbananen und Yuca.
Ein weiterer Klassiker sind Haferflocken, die häufig auch mit Quinoa kombiniert werden.
England
In England und anderen Teilen Großbritanniens riecht es am Morgen oft eher nach einem herzhaften Mittagessen. Das berühmte Full English Breakfast ist alles andere als leicht und soll vor allem lange satt halten.
Auf dem Teller liegen typischerweise gebratener Speck, Würstchen und Eier, meist als Spiegelei. Hinzu kommen Baked Beans in Tomatensoße, gegrillte Tomaten, Pilze und je nach Geschmack Black Pudding, also Blutwurst. Serviert wird das Ganze mit Toast oder gebratenem Brot sowie starkem Tee oder Kaffee.
Seinen Ursprung hat dieses üppige Frühstück wohl schon vor Jahrhunderten, seinen Durchbruch erlebte es aber mit der Industrialisierung. Wer früh aufstehen und körperlich hart arbeiten musste, brauchte eine solide Grundlage. Heute gilt es als britischer Klassiker und ist für viele Reisende fester Teil eines Besuchs im Vereinigten Königreich.
Spanien
In Spanien beginnt der Tag für viele eher schlicht: mit einem Kaffee und etwas Toast oder Baguette, oft beträufelt mit gutem Olivenöl und belegt mit geriebener frischer Tomate. Weil das Mittagessen meist erst am frühen Nachmittag stattfindet, folgt später häufig noch ein zweites Frühstück.
Dann stehen etwa Bocadillos, Tortilla oder Gebäck auf dem Programm. Wer es süß mag, greift zu Churros con Chocolate. Die frittierten Teigstangen werden in dicke heiße Schokolade getunkt und sind sowohl zum Frühstück als auch nach einer langen Nacht oder zwischendurch beliebt.
Vor allem in der kühleren Jahreszeit und rund um Weihnachten sind Churrerías schon früh gut besucht. Für viele spanische Familien gehören Churros mit Schokolade fest zum Wochenendritual.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber