Allgemein

Rätsel um Wal: Schleppverband steuert Nordsee an

Wochenlang war sein Schicksal ungewiss – jetzt nimmt der in der Ostsee gestrandete Buckelwal Kurs auf die Nordsee. Doch die gefährlichste Etappe könnte dem Tier noch bevorstehen.

29.04.2026, 06:05 Uhr

Buckelwal in Barge weiter Richtung Nordsee – Sonnensegel montiert, Experten warnen weiter vor geringen Überlebenschancen

Der Transport des vor der Insel Poel geborgenen Buckelwals in Richtung Nordsee läuft weiter. Nach Angaben der privaten Rettungsinitiative befand sich der Schleppverband am Vormittag nördlich von Fehmarn, zwischen der schleswig-holsteinischen Insel und der dänischen Insel Lolland. Geplant ist demnach, das Tier in einer mehrtägigen Aktion um die Nordspitze Dänemarks herum durch das Skagerrak in die Nordsee zu bringen und dort freizulassen. Der genaue Ort steht weiterhin nicht fest.

Gezogen wird die mit Wasser gefüllte Barge inzwischen vom Mehrzweckschiff „Fortuna B“. Der Schlepper „Robin Hood“, der den Lastkahn zuvor bis südöstlich von Fehmarn gezogen hatte, wird laut Initiative nun als eine Art Shuttle eingesetzt, um Helfer zwischen der „Fortuna B“ und der Barge hin und her zu bringen.

Wal liegt auf Sandbett in geflutetem Lastkahn

Nach Angaben des Umweltministeriums in Schwerin liegt der Buckelwal während des Transports in dem gefluteten Lastkahn auf einem Sandbett. Das Tier sei nicht angebunden, sondern gewissermaßen „sein eigener Anker“, hieß es aus dem Ministerium.

Zusätzlich wurde nach Angaben eines Mitglieds der Initiative am Vormittag ein Sonnensegel über der Barge angebracht, um den Wal zu schützen. Demnach wurde das Tier außerdem bewässert. Es soll im Wasser treiben und die Flipper bewegen. Gefüttert werden solle der Wal hingegen nicht.

Zustand des Tieres weiter schwer einzuschätzen

Die Angaben zum aktuellen Zustand des Wals ließen sich zunächst nicht unabhängig verifizieren. In den vergangenen Tagen stammten Informationen dazu häufig von Beteiligten der Rettung, die nicht als ausgewiesene Experten für Großwale gelten.

Unabhängige Fachleute, darunter die Wal- und Delfinschutzorganisation WDC, mahnen zur Vorsicht bei der Bewertung des Verhaltens des Tieres. Eine vermeintliche Ruhe des Wals dürfe nicht vorschnell vermenschlicht werden. Zugleich halten Experten den Lebendtransport für riskant und die längerfristigen Überlebenschancen für gering.

Kamera an der Barge geplant

Nach Angaben der Initiative soll zudem versucht werden, eine Kamera an der Barge zu befestigen, damit der Wal auch von der „Fortuna B“ aus beobachtet werden kann. Ob das technisch wie geplant gelingt, war zunächst offen.

Bereits zuvor hatte die Initiative angekündigt, das Tier zusätzlich mit einem Sender auszustatten. Das war zunächst aber noch nicht erfolgt. Auch wer später Zugriff auf die gewonnenen Daten erhalten soll, blieb vorerst unklar.

Rettung war am Dienstag in die entscheidende Phase gegangen

Mit dem Umlagern des Buckelwals auf die Barge hatte die Rettungsaktion am Dienstag ihre wohl wichtigste Etappe erreicht. Helfer bewegten das Tier über Stunden durch eine eigens ausgebaggerte Rinne und zogen es mit Gurten bis an den abgesenkten Lastkahn. Am Nachmittag befand sich der Wal schließlich an Bord.

Anschließend spannten Einsatzkräfte ein Netz über die Öffnung der Barge, damit das Tier nicht wieder hinausschwimmen konnte. Kleinere Boote drückten den Lastkahn danach aus der Kirchsee in die Wismarbucht, wo zunächst die „Robin Hood“ übernahm. Später ging der Schlepp auf die größere „Fortuna B“ über.

Große Erleichterung bei den Helfern

Nach dem gelungenen Verladen war die Erleichterung bei der privaten Rettungsinitiative groß. Viele Helfer fielen sich im Hafen in die Arme, einige weinten. Auch Zuschauer reagierten mit Applaus und Jubel. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus sprach ebenfalls von großer Erleichterung. Für den Mittag war auf Poel ein weiterer Bericht zum Stand der Aktion angekündigt.

Experten sehen kaum Überlebenschancen

Trotz des Transporterfolgs bleibt nach Einschätzung von Fachleuten offen, ob der Buckelwal die lange Reise überhaupt überstehen kann. Auch ob er später in der Nordsee oder im Atlantik wieder dauerhaft frei leben kann, gilt als ungewiss.

Besonders deutlich äußerte sich das Strandungs-Expertengremium der Internationalen Walfangkommission (IWC). Demnach wirke das Tier schwer geschädigt und dürfte selbst bei einer Verbringung in tieferes Wasser kaum überleben. Die Experten warnen, die gut gemeinten Maßnahmen bedeuteten für ein bereits schwer krankes Tier eine erhebliche zusätzliche Belastung und brächten am Ende womöglich nur wenig Nutzen.

Zugleich betonte das IWC-Gremium, der Wal müsse unbedingt mit einem Sender versehen werden. Ohne Ortungsdaten lasse sich weder der Verlauf der Rettungsaktion verlässlich überwachen noch ein erneutes Stranden rechtzeitig erkennen. Auch eine spätere Bewertung des Eingriffs wäre ohne diese Daten kaum belastbar.

Rund zwölf Meter lang und etwa zwölf Tonnen schwer

Der Meeressäuger ist nach Behördenangaben rund zwölf Meter lang und wiegt etwa zwölf Tonnen. Er hatte vier Wochen in der Bucht bei der Insel Poel festgesteckt. Trotz des Rats vieler Wissenschaftler versucht eine private Initiative seit Mitte April, den gestrandeten Wal zu bergen und lebend in die Nordsee oder den Atlantik zu bringen.

Seit Anfang März in Küstennähe unterwegs

Nach Behördenangaben war der Buckelwal bereits Anfang März erstmals in Küstennähe gesichtet worden, zunächst im Hafen von Wismar. In der Nacht zum 23. März strandete das Tier dann auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein.

Zwar gelang es später, den Wal durch eine ausgehobene Rinne wieder aus dem flachen Wasser zu lotsen. Statt ins offene Meer nach Norden zu schwimmen, kehrte er jedoch erneut in Richtung Wismar zurück.

Schließlich gelangte der Buckelwal in die flache Bucht vor der Insel Poel, die Kirchsee. Dort saß er erneut fest, konnte sich zwischenzeitlich zwar befreien, strandete jedoch kurz darauf wieder am Ausgang der Bucht. Daraus entstand die nun laufende Rettungsaktion.

Quelle: dpa/bearbeitet

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen