Nach schweren Vorwürfen wegen Gewalt und Erniedrigungen gegenüber mehr als 30 ehemaligen Beschäftigten nimmt das weltbekannte Spitzenrestaurant Noma in Kopenhagen heute dauerhaft wieder den Betrieb auf. Trotz des Skandals behält Mitgründer, Eigentümer und Ex-Küchenchef René Redzepi weiterhin erheblichen Einfluss. Ihm wird vorgeworfen, Mitarbeitende geschlagen, mit Küchenwerkzeugen verletzt und gegen Wände gestoßen zu haben.
Rund drei Dutzend frühere Angestellte hatten Redzepi und weiteren Führungskräften in der "New York Times" vorgeworfen, ihnen zwischen 2009 und 2017 wiederholt körperliche und seelische Gewalt zugefügt zu haben. Außerdem soll Redzepi damit gedroht haben, seinen Einfluss zu nutzen, um Betroffene international in der Gastronomiebranche auf schwarze Listen setzen zu lassen, ihre Familien abschieben zu lassen oder Partner aus anderen Arbeitsverhältnissen drängen zu können. Nach Veröffentlichung der Anschuldigungen legte er sein Amt als Chefkoch nieder. In einem Interview bezeichnete er sich selbst als "Idioten", bestritt jedoch, besonders extreme Taten begangen zu haben.
Neue Doppelspitze in der Küche
Künftig arbeitet Redzepi beim Noma als Kreativdirektor weiter und bleibt Mehrheitsinhaber. Die operative Verantwortung in der Küche übernehmen jedoch die Dänin Mette Brink Søberg und der Mexikaner Pablo Soto. Søberg sagte der Agentur Ritzau, Redzepi werde nicht in das Tagesgeschäft eingebunden sein. Man wolle aber regelmäßig mit ihm sprechen, um seine Vorstellungen für die Zukunft des Restaurants umzusetzen.

Zugleich betonte sie, dass es nun vor allem darauf angekommen sei, Führungspersonal mit der richtigen Haltung zu haben. Wenn jemand Grenzen überschreite, werde man sofort eingreifen.
Søberg ist nach eigenen Angaben seit 13 Jahren im Noma tätig. In dieser Zeit habe sie erlebt, dass große Leidenschaft dazu führen könne, dass Menschen ihre Emotionen nicht mehr kontrollierten, sagte sie, ohne konkrete Situationen zu nennen. Inzwischen seien im Restaurant unter anderem eine Personalabteilung und strukturierte Mitarbeitergespräche eingeführt worden.
Das Noma wurde 2003 gegründet und trug maßgeblich dazu bei, Kopenhagen international als Ziel für nordische Spitzenküche bekannt zu machen. Das Restaurant wurde mehrfach vom "Restaurant Magazine" zum besten Restaurant der Welt gewählt. 2024 war der reguläre Betrieb eingestellt worden. Zuletzt trug das Noma drei Michelin-Sterne. Nach der Wiedereröffnung soll dieses Niveau nun wieder erreicht werden. Laut Søberg ist das ein wichtiger Antrieb — auch, weil diese Auszeichnung für viele Gäste eine große Bedeutung habe.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber