Eine seit Jahren schwelende Affäre um Korruption und mutmaßliche Einflussnahme im Fürstentum Monaco weitet sich weiter aus. Im Zusammenhang mit Ermittlungen zu einem gescheiterten Großprojekt im Immobilienbereich wurde der Anwalt Thierry Lacoste, einst Schulfreund und Berater von Fürst Albert II., vorübergehend in Polizeigewahrsam genommen. Das bestätigte seine Kanzlei nach Medienberichten.
Nach Angaben der Kanzlei sagte Lacoste bei der Polizei zu Vorwürfen eines Immobilienunternehmers aus. Dieser sei verärgert darüber, dass ihm bestimmte Bauvorhaben in Monaco nicht zugesprochen worden seien. Zudem hieß es, der Unternehmer versuche, die monegassische Justiz für seine eigenen Interessen einzuspannen. Ausgerechnet jene Personen, die über Jahre gegen Korruption vorgegangen seien und sich nicht hätten mundtot machen lassen, sähen sich nun selbst mit Vorwürfen der Korruption und Einflussnahme konfrontiert.
Gescheitertes Großprojekt als Auslöser
Im Zentrum steht das Projekt „Esplanade des Pêcheurs“, das Wohneigentum, ein Museum sowie Flächen im Umfeld der Formel 1 verbinden sollte. Zwischen dem Staat Monaco und dem privaten Projektentwickler entbrannte darüber ein langwieriger Rechtsstreit. Selbst in verkleinerter Form wurde das Vorhaben bislang nicht realisiert.
Seit 2021, als ein Dossier mit anonymen Anschuldigungen gegen frühere Vertraute des Fürsten veröffentlicht wurde, wird Monaco von einer juristischen und medialen Auseinandersetzung erschüttert. In der Folge kam es zu zahlreichen Ermittlungsverfahren. Vier ehemalige Vertraute des Fürsten, die als „G4“ bekannt sind, stehen unter Verdacht, Gelder veruntreut und versucht zu haben, das Fürstentum unter ihre Kontrolle zu bringen. Sie wiederum werfen einem prominenten Immobilienmagnaten vor, Entscheidungen in Monaco unzulässig zu beeinflussen. Gleichzeitig wird ihnen eine zu enge Verbindung zu dessen Konkurrenten nachgesagt.
Früherer Vertrauter des Fürsten unter Aufsicht
Bereits im Juni des vergangenen Jahres war Didier Linotte, ehemaliger Präsident des Obersten Gerichtshofs von Monaco und früher enger Vertrauter des Fürsten, unter Justizaufsicht gestellt worden. Gegen ihn stehen Vorwürfe wegen mutmaßlicher Korruption, Geldwäsche und Einflussnahme im Raum.
Die Spannungen hinter den Kulissen hatten im Sommer 2025 sogar politische Folgen: Der neu ernannte Regierungschef Monacos sagte seinen Amtsantritt nur eine Woche vorher ab. Der französische Spitzenbeamte erklärte diesen Schritt damit, dass bereits im Vorfeld versucht worden sei, ihn an einer erfolgreichen Amtsführung zu hindern. Schließlich übernahm ein früherer Präfekt aus Südfrankreich den Posten.
Kritik an Monaco im Kampf gegen Finanzkriminalität
Monaco gilt mit seinem Finanzplatz seit langem als Anziehungspunkt für Vermögende und Superreiche und hatte über viele Jahre den Ruf eines Steuerparadieses. Zugleich steht das Fürstentum seit geraumer Zeit in der Kritik, nicht entschlossen genug gegen Geldwäsche und andere Formen der Finanzkriminalität vorzugehen. Im vergangenen Jahr setzte die Europäische Kommission Monaco deshalb auf eine Liste von Staaten mit strategischen Defiziten in diesem Bereich.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber