Messerattacken an polnischen Schulen sorgen für große Besorgnis
Mehrere Messerangriffe an Schulen haben in Polen in kurzer Zeit Angst und Diskussionen ausgelöst. Auch die Regierung befasst sich inzwischen intensiv mit der Lage. Nach Angaben der Behörden wurden in den vergangenen Tagen 117 Menschen festgenommen. Fachleute für Cyberkriminalität prüfen zudem, ob hinter den Vorfällen möglicherweise ein Trend oder eine sogenannte Challenge in sozialen Netzwerken steckt.
Bislang gibt es dafür jedoch keine Belege. Ministerpräsident Donald Tusk sagte vor einer Sondersitzung mit dem Innenministerium sowie Vertretern von Polizei und Geheimdiensten, derzeit spreche nichts für ein koordiniertes Vorgehen einer organisierten Gruppe. Vielmehr sehe es nach Einzeltaten aus, die mit einer zunehmenden Faszination junger Menschen für Gewalt zusammenhängen könnten.
Angriff in Warschauer Berufsschule
Der jüngste Vorfall ereignete sich am Samstag in einer privaten Berufsschule im Warschauer Stadtteil Praga. Dort griff eine 21-jährige Frau im Schulsekretariat drei junge Frauen mit einem Messer an, als diese Unterlagen abgeben wollten.
Eine 17-Jährige musste mit Schnittverletzungen an den Armen ins Krankenhaus gebracht werden. Zwei weitere Betroffene im Alter von 17 und 24 Jahren wurden noch am Ort des Geschehens behandelt.
Nach Angaben der Polizei trafen Einsatzkräfte nur vier Minuten nach dem Notruf ein. Ein Mitarbeiter der Schule habe der mutmaßlichen Täterin zuvor das Messer abgenommen und sie anschließend der Polizei übergeben. Warum die Frau die Tat beging, ist bislang unklar. Laut bisherigen Erkenntnissen kannten sich Angreiferin und Opfer nicht. Eine Sprecherin des privaten Schulträgers erklärte dem Portal Onet, die Frau sei erst seit rund einem Monat an der Einrichtung eingeschrieben gewesen.

Bereits die dritte Attacke binnen weniger Tage
Der Angriff in Warschau ist bereits der dritte Messerzwischenfall an einer Schule in Polen innerhalb kurzer Zeit. Am Donnerstag hatte ein 15-Jähriger in einer Schule in Leszczydol-Nowiny, nordöstlich von Warschau, die Hausmeisterin getötet und zwei weitere Menschen verletzt. Einen Tag zuvor verletzte ein 19-Jähriger an einer Berufsschule in Ostroleka neun Menschen mit einem Messer, zwei davon schwer.
Nach Angaben eines Polizeisprechers gibt es derzeit keine Hinweise darauf, dass die jüngste Tat mit den anderen Angriffen direkt zusammenhängt.
Behörden beobachten besorgniserregende Entwicklungen
Innenminister Marcin Kierwinski sagte, die Polizei habe landesweit rund 67.000 Schulen überprüft. Die 117 Festgenommenen seien überwiegend Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 13 und 19 Jahren, die in sozialen Netzwerken aufgefallen seien.
Der Minister sprach von drei Gruppen, die den Behörden besonders Sorgen bereiten. Zur ersten zählten Personen, die sich offen für Gewalt und nationalsozialistische Ideologie begeisterten. Die zweite Gruppe bestehe aus Jugendlichen, die nach Einschätzung der Polizei durch Computerspiele zu Gewalt angeregt würden. Die dritte Gruppe umfasse junge Menschen, die durch die große öffentliche Aufmerksamkeit rund um die Messerangriffe zusätzlich motiviert würden. Manche erschienen später sogar mit ihren Eltern auf der Wache und behaupteten, alles sei nur als Scherz gemeint gewesen.
Tusk kündigte an, dass die verstärkten Polizeikontrollen an Schulen auch in der kommenden Woche fortgesetzt werden sollen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber