Waldbrand am Gardasee: Rund 250 Menschen mussten zeitweise ihre Unterkünfte verlassen
Ein Waldbrand am Westufer des Gardasees hat am Wochenende einen größeren Einsatz ausgelöst. In der Gemeinde Tignale mussten etwa 250 Menschen vorsorglich evakuiert werden, darunter Anwohner und Urlauber. Auch am Sonntag brannte es in dem Gebiet noch, die Lage entspannte sich im Verlauf des Wochenendes jedoch. Inzwischen konnten alle Betroffenen zurückkehren. Wie es zu dem Feuer kam, ist weiterhin nicht geklärt.
Der Brand war am Freitagabend gegen 21 Uhr in den Bergen oberhalb des Seeufers ausgebrochen. Nach Angaben der Feuerwehr breitete sich das Feuer wegen der anhaltenden Trockenheit und starker Windböen besonders schnell aus. Zunächst bestand die Sorge, dass die Flammen auch den Ort selbst erreichen könnten. Dazu kam es aber nicht. Mit Löschflugzeugen und Hubschraubern, die Wasser aus dem Gardasee aufnahmen und über dem Wald abwarfen, gelang es den Einsatzkräften, den Brand unter Kontrolle zu bringen.
Sorge und Unsicherheit bei Urlaubern
Die Flammen sorgten in der Nacht für weithin sichtbare Bilder über dem See, teils spiegelte sich das Feuer auf der Wasseroberfläche. Auch am gegenüberliegenden Ufer beobachteten zahlreiche Menschen das Geschehen. Eine Ferienanlage wurde ebenfalls geräumt. Deutsche Urlauber berichteten von großer Verunsicherung in den ersten Stunden. Ein Tourist schilderte, das Feuer habe heftig gewütet, während es kaum Informationen darüber gegeben habe, wie man sich verhalten solle.

Der Gardasee zählt zu den beliebtesten Reisezielen Italiens, gerade im Sommer sind dort viele Gäste aus Deutschland. In den Bergen rund um den See gibt es viel Nadelwald, der unter der wochenlangen Dürre stark leidet. Feuerwehr-Kommandant Vito Cristino erklärte im Sender Rai, die Bedingungen für die Löscharbeiten seien schwierig, weil die extreme Trockenheit die Ausbreitung der Flammen zusätzlich fördere.
Weitere Brandherde möglich
In der Nacht zum Sonntag lebten einzelne Glutnester und Feuerstellen erneut auf. Ein Grund dafür war, dass Löschflugzeuge und Hubschrauber nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr eingesetzt werden konnten. Am Sonntag wurden die Luftlöscharbeiten fortgesetzt. Cristino geht davon aus, dass der Einsatz noch einige Zeit andauern wird, zeigte sich aber zuversichtlich, das Feuer in den kommenden Tagen vollständig eindämmen zu können.
Für die Löscharbeiten wird sehr viel Wasser benötigt. Dieses stammt nicht nur aus dem See, sondern teilweise auch aus privaten Swimmingpools.
Region bereits mehrfach betroffen
Laut der Regionalzeitung Giornale di Brescia war es in dieser Gegend bereits in den vergangenen Jahren wiederholt zu größeren Bränden gekommen. Tignales Bürgermeister Daniele Bonassi betonte, die lange Trockenperiode habe die Lage zusätzlich verschärft und die Ausbreitung des Feuers begünstigt. Die Gemeinde reagierte zudem mit einer Verordnung, nach der Wasser vorübergehend ausschließlich als Trinkwasser genutzt werden darf.
Hitzewelle in Italien hält an
Ganz Italien leidet seit Wochen unter einer intensiven Hitzewelle. Von Nord bis Süd werden teils Temperaturen von mehr als 40 Grad gemessen. Auch in anderen Regionen des Landes kam es zuletzt zu Waldbränden, wenn auch nicht in der Größenordnung wie in Frankreich, Spanien oder Griechenland. In fast allen größeren italienischen Städten gilt derzeit wegen gesundheitlicher Risiken die höchste Warnstufe. Zudem führt der Po, Italiens längster Fluss, nur noch wenig Wasser. Nach den Prognosen sollen die hohen Temperaturen mindestens bis zur Monatsmitte anhalten.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber