Nach zahlreichen Fällen manipulierte Halloween-Süßigkeiten in Deutschland sind inzwischen auch mehrere Vorfälle aus dem europäischen Ausland bekannt geworden. In Österreich wurden in mehreren Bundesländern Süßigkeiten mit kleinen Metallobjekten entdeckt, ein Mädchen wurde nach Behördenangaben leicht verletzt. Beim Bundeskriminalamt in Wien wurde eine eigene Ermittlungseinheit eingerichtet, die mit Europol sowie mit deutschen Behörden in Kontakt steht.
Österreichs Innenminister Gerhard Karner sagte bei einer Pressekonferenz, man werde alles Menschenmögliche tun, um dieses „feige und hinterhältige Verbrechen“ aufzuklären. Nach Angaben des österreichischen Bundeskriminalamts ist ein enger Austausch mit anderen Staaten in solchen Fällen üblich, auch mit Deutschland. Details zu möglichen gemeinsamen Ermittlungen wurden zunächst nicht genannt. Laut Karner ist auch Ungarn von manipulierten Süßigkeiten betroffen.
Fälle in Deutschland und Europa
In Deutschland hatten die Behörden seit der Halloween-Nacht bundesweit zahlreiche Fälle gemeldet. In gesammelten Süßigkeiten wurden unter anderem Nadeln, Nägel, Schrauben und weitere Metallteile gefunden. In Neustadt-Glewe im Kreis Ludwigslust-Parchim erlitt ein Kind nach Polizeiangaben leichte Verletzungen im Mundbereich durch eine versteckte Nadel. Bereits zuvor war in Niedersachsen ein neunjähriges Mädchen durch einen manipulierten Schokoriegel an der Zunge verletzt worden. Die Polizei appellierte an Eltern, die gesammelten Süßigkeiten ihrer Kinder vor dem Verzehr sorgfältig zu kontrollieren.
Auch aus anderen europäischen Ländern wurden ähnliche Vorfälle bekannt. Berichte über manipulierte Halloween-Süßigkeiten kamen unter anderem aus Irland, Dänemark und Norwegen. In Norwegen wurden in zwei Fällen Nadeln in Süßigkeiten entdeckt. In einem Fall fand ein 13-jähriges Mädchen eine Nadel in einer Lakritzstange erst, als sie darauf biss. In einem weiteren Fall bemerkte ein Mädchen eine Nadel in einem Schokoriegel. Auch im Großraum Kopenhagen wurden einzelne Fälle gemeldet.
In Irland untersuchen Ermittler Medienberichten zufolge einen Vorfall in den benachbarten Kleinstädten Ballybofey und Stranorlar in der Grafschaft Donegal. Dort sollen kleine Metallnadeln in Halloween-Süßigkeiten gefunden worden sein.
Mögliche Verbindung der Täter im Internet
Ob die vielen Fälle in unterschiedlichen Regionen miteinander zusammenhängen, ist weiterhin unklar. Die Herkunft einzelner Süßigkeiten lässt sich nur schwer nachvollziehen. Zwar gab es ähnliche Funde auch in früheren Jahren, die aktuelle Häufung der Fälle in Deutschland gilt jedoch als besonders auffällig.
Der Leiter des österreichischen Bundeskriminalamts, Gerald Tatzgern, sagte, es könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Täter über das Internet, soziale Netzwerke oder Online-Foren miteinander in Kontakt standen. Ob tatsächlich ein Trend in sozialen Medien hinter den Taten steckt, ist bislang aber offen.
Auch deutsche Behörden prüfen mögliche Zusammenhänge. Das Innenministerium in Mainz erklärte, neben der Aufklärung der einzelnen Fälle werde ebenfalls untersucht, ob es Verbindungen zwischen den Vorfällen gebe. Bislang gebe es jedoch keine gesicherten Erkenntnisse, die auf ein systematisches oder bundesweit koordiniertes Vorgehen schließen ließen.
Europol unterstützt bestehende Ermittlungen
Europol teilte auf Anfrage mit, dass das Phänomen vergifteter oder mit Gegenständen präparierter Süßigkeiten grundsätzlich bekannt sei. Eine neue Taskforce werde dafür aber nicht eingerichtet. Stattdessen unterstütze die Behörde Anfragen nationaler Ermittler im Rahmen eines bereits bestehenden Projekts.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber