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Genial einfach: Ottolenghis Rezept gegen Alltagsstress

Warum jetzt alle über Ottolenghis neues Kochbuch reden – seine simple Idee könnte weit mehr als nur das Kochen verändern.

14.09.2026, 05:12 Uhr

Yotam Ottolenghi wirbt für einfaches Kochen als Gegenmittel zum Alltagslärm

Yotam Ottolenghi erscheint mit leichter Verspätung zum Interview in seinem Londoner Restaurant – ein passendes Detail, denn genau aus einem solchen Alltag voller Termine, Hektik und Zeitdruck ist die Idee zu seinem neuen Kochbuch entstanden. Der auch in Deutschland populäre Spitzenkoch knüpft mit „Simple Too“ an seinen Erfolgstitel „Simple“ an.

Im Gespräch beschreibt der 57-Jährige das Buch als Antwort auf eine laute und komplizierte Gegenwart. Viele Menschen sehnten sich nach Ruhe, Entlastung und einem Ort, an dem sie abschalten könnten. Für Ottolenghi kann unkompliziertes Kochen genau das leisten.

Kochen gehöre seit jeher zum Menschsein, sagt der Gastronom. Diese Überzeugung stützt er auf viel Erfahrung: Vor 18 Jahren veröffentlichte er sein erstes Kochbuch, inzwischen sind mehr als zehn Werke erschienen, darunter zahlreiche Bestseller und ausgezeichnete Titel. Parallel baute er seine Restaurant- und Delikatessenmarke auf – zunächst in London, zuletzt auch mit einem Standort in Amsterdam. Besonders in Deutschland ist Ottolenghi für seine Fähigkeit bekannt, schlichte Gerichte mit wenigen Kniffen aufzuwerten.

Dabei müsse Kochen nicht immer aufwendig sein. Ottolenghi betont, dass es ebenso legitim sei, Abkürzungen zu nehmen: etwa eine hochwertige Fertigsoße zu kaufen, Fisch kurz zu grillen und dazu vorbereiteten Reis zu servieren. Für ihn sei auch das eine vollkommen akzeptable Form des Kochens.

Bestellen gehört dazu – aber nicht nur

Sein Restaurant „Rovi“ liegt in London in der Nähe des British Museum, umgeben von einer Gegend mit großem kulinarischem Angebot. Wer nicht selbst kochen möchte, findet dort reichlich Liefermöglichkeiten. Laut einer YouGov-Umfrage nutzt in Großbritannien fast ein Drittel der Befragten Essensbestellungen als Belohnung, knapp 30 Prozent greifen darauf zurück, weil sie keine Lust zum Kochen haben. Ottolenghi kann das nachvollziehen – auch er bestellt gelegentlich.

Yotam Ottolenghi
Yotam Ottolenghi kann den Wunsch, Essen zu bestellen, nachvollziehen. (Archivbild) Quelle: Jens Kalaene/dpa

In London greift er nach eigenen Worten gern zu chinesischem Essen, auch die afghanische Küche schätzt er. Problematisch werde es aus seiner Sicht erst, wenn der Lieferservice zur ständigen Gewohnheit werde, weil er so bequem sei und Ablenkung den Alltag dominiere. Wer sich nie mehr Zeit fürs Kochen nehme, verpasse eine Erfahrung, die weit über bloße Nahrungsaufnahme hinausgehe.

Für Ottolenghi ist entscheidend, den Bezug zu Zutaten nicht zu verlieren. Wenn Essen nur noch geliefert oder aufgewärmt werde, gehe die Verbindung zu dem verloren, was man eigentlich zu sich nehme. Das hält er für bedenklich, weil damit auch eine grundlegende menschliche Erfahrung verloren gehe.

Im November kommt der Koch für ausgewählte Live-Termine nach München und Köln. Dort wolle er auch diese Botschaft vermitteln: das Handy bewusst beiseitelegen, Ablenkung ausblenden, ein gutes Kochbuch aufschlagen und sich auf das Kochen als wohltuende, nährende Tätigkeit einlassen.

Auch deutsche Küche prägte ihn früh

Sein neues, gemeinsam mit Verena Lochmuller verfasstes Kochbuch umfasst etwas mehr als 300 Seiten und setzt auf zugängliche Rezepte ohne große Hürden. Auf dem Speiseplan stehen etwa Hähnchenbällchen mit Pistazien und Spinat oder Ofenkartoffeln mit Tahini und Soja. Viele Gerichte lassen sich zügig vorbereiten und kochen. Nicht ohne Grund entstand vor Jahren der Begriff „Ottolenghify“ – gemeint ist damit, alltägliche Gerichte mit zusätzlichen Aromen und Zutaten raffiniert zu veredeln.

Geprägt wurde Ottolenghi auf diesem Weg auch von der deutschen Küche. Der 1968 in Jerusalem geborene Koch ist Sohn einer Deutschen und eines Italieners. Er erzählt, dass er bei seiner Mutter mit typisch deutschen Gerichten aufgewachsen sei – darunter Kohl, Kartoffeln und Schweinefleisch. Besonders angetan haben es ihm bis heute Knödel.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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