Wirtschaft

Fernzüge bleiben erschreckend unpünktlich

Fast jeder zweite ICE zu spät: Warum die Bahn auch im September im Verspätungschaos stecken blieb

02.10.2026, 14:45 Uhr

Im September erreichte die Deutsche Bahn im Fernverkehr erneut nur eine schwache Pünktlichkeitsquote. Nach Angaben des Konzerns kamen lediglich 52,4 Prozent der Fernzüge ohne erhebliche Verzögerung ans Ziel. Damit war es der zweitschlechteste Monatswert des laufenden Jahres.

Als Hauptgrund nannte die Bahn – wie schon im August – erneut eine hohe Zahl von Anlagenstörungen. Besonders auf der Strecke zwischen Berlin und Wolfsburg mussten ICE-Züge wegen des schlechten Zustands der Strecke vielerorts langsamer fahren.

Der betroffene Abschnitt gehört zum Korridor Hannover–Berlin, der seit Freitag gesperrt ist und umfassend modernisiert werden soll. Die Sanierungsarbeiten sollen nach aktueller Planung bis Mitte Dezember 2027 dauern. Währenddessen werden die Züge über Braunschweig und Magdeburg umgeleitet, wodurch sich die Fahrzeit zwischen Berlin und Hannover um rund 80 Minuten verlängert.

Bei der Bahn gilt ein Zug ab sechs Minuten Verspätung als unpünktlich. Zugausfälle werden in dieser Statistik allerdings nicht erfasst. Sie fließen stattdessen in die sogenannte Reisendenpünktlichkeit ein. Diese misst den Anteil der Fahrgäste, die mit höchstens 14 Minuten und 59 Sekunden Verspätung ihr Ziel erreichen. Auch dieser Wert blieb im September mit 58,6 Prozent auf äußerst niedrigem Niveau.

Bahnchefin Evelyn Palla hatte für das laufende Jahr eigentlich eine Pünktlichkeit von mindestens 60 Prozent im Fernverkehr als Ziel ausgegeben. Schon jetzt zeichnet sich jedoch ab, dass dieses Ziel verfehlt wird. Palla betont immer wieder, dass sich die Probleme nicht kurzfristig lösen lassen.

Der bundeseigene Konzern investiert derzeit mit Unterstützung des Bundes Milliarden in die Erneuerung zahlreicher stark belasteter Strecken. Diese sogenannten Generalsanierungen sollen sich noch bis weit in die 2030er Jahre hinziehen. Langfristig soll das Schienennetz dadurch robuster werden – und der Zugverkehr wieder verlässlicher und pünktlicher laufen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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