Im Vorgehen gegen internationalen Cyber-Anlagebetrug haben Ermittlerinnen und Ermittler innerhalb von drei Monaten nahezu 10.000 Telefonnummern stillgelegt, die von Kriminellen genutzt worden sein sollen. Nach Angaben der Behörden wurde damit ein wichtiger Teil der Infrastruktur der mutmaßlichen Täter deutlich geschwächt.
An der Aktion beteiligt waren das Cybercrime-Zentrum (CCZ) bei der Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe und das Landeskriminalamt Baden-Württemberg. Unterstützt wurden sie vom Bundeskriminalamt, der Finanzaufsicht Bafin, der Bundesnetzagentur sowie dem österreichischen Bundeskriminalamt.
Teil der „Operation Herakles“
Die Maßnahmen sind den Angaben zufolge Teil der „Operation Herakles“, die in eine umfassende Strategie gegen Betrugsdelikte eingebettet ist. Seit dem Start der Aktion wurden demnach insgesamt 13.888 Rufnummern deaktiviert, darunter 13.397 in Deutschland und 491 in Österreich.
Im Mittelpunkt steht die Betrugsform „Cybertrading-Fraud“. Dabei werden Verbraucherinnen und Verbraucher mit angeblich gewinnbringenden Anlagemöglichkeiten auf betrügerische Online-Plattformen gelockt. Dort investieren sie teils hohe Summen im Glauben an seriöse Finanzgeschäfte. Tatsächlich verfügen die Betreiber jedoch über keine Erlaubnis der Bafin für Bank-, Finanz- oder Wertpapierdienstleistungen.
Zusätzlich kontaktieren vermeintliche Broker aus ausländischen Callcentern die Betroffenen telefonisch und drängen sie dazu, weiteres Geld einzuzahlen. Nach Einschätzung der Behörden wirkt dieses Vorgehen oft so professionell, dass viele Opfer den Betrug über längere Zeit nicht erkennen. In den meisten Fällen ist das eingezahlte Geld vollständig verloren.

Die Täter agieren laut früheren Erkenntnissen international und arbeitsteilig. Die Behörden sprechen in diesem Zusammenhang von „Crime as a Service“, also kriminellen Dienstleistungen aus einem arbeitsteiligen Netzwerk. Sie betonen, dass die eingezahlten Beträge nie tatsächlich in eine Kapitalanlage fließen.
Telekommunikationsanbieter unter Druck
Wie aus der Mitteilung hervorgeht, hat die Bundesnetzagentur aufsichtsrechtliche Schritte gegen die verantwortlichen Telekommunikationsunternehmen eingeleitet. Ziel sei gewesen, die missbräuchliche Registrierung und Nutzung von Telefonnummern zu unterbinden. Die Anbieter mussten Nummern abschalten und ihre Verfahren zur Registrierung überarbeiten.
Darüber hinaus wurden sie verpflichtet, die Compliance-Prüfungen bei Vertriebspartnern und Händlern zu verschärfen und diese intensiver zu kontrollieren, um künftigen Missbrauch zu verhindern.
Auch tausende illegale Internetadressen abgeschaltet
Neben den Telefonnummern haben die Cyber-Ermittler aus Baden-Württemberg gemeinsam mit Europol und Strafverfolgern anderer Länder in den vergangenen Monaten auch mehr als 2.000 illegale Domains vom Netz genommen. Über diese Seiten sollten Nutzerinnen und Nutzer auf manipulierte Handelsplattformen geführt und zu vermeintlichen Investitionen verleitet werden.
Beschlagnahmte Internetadressen werden auf eine vom LKA betriebene Sicherstellungsseite umgeleitet. Wer eine solche Domain aufruft, erhält dort einen entsprechenden Hinweis der Behörden.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber