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Buckelwal vor Poel weiterhin im flachen Wasser

Livestreams zeigen den Wal nah an der Insel Poel – er bewegt seine Flipper, kommt aber nicht los.

21.04.2026, 07:49 Uhr

Rettungsteam arbeitet erneut am Buckelwal vor Poel – Tier bleibt trotz Einsatz im Flachwasser fest

Vor der Insel Poel läuft ein weiterer Versuch, den erneut festsitzenden Buckelwal zu befreien. Zwar herrschte am Dienstag rund um das Tier viel Betrieb, der Wal selbst verließ seine Position im flachen Wasser aber nicht.

In Livestreams war am Vormittag zu sehen, wie mehrere Helfer hüfthoch im Wasser direkt am Tier arbeiteten. Dabei hielt ein Teammitglied wiederholt ein rohrähnliches Teil an einem Schlauch ins Wasser neben den Wal. Offenbar sollte das Tier auf diese Weise freigespült werden.

Wegen des gesunkenen Wasserstands ragt der mehrere Tonnen schwere Meeressäuger inzwischen weiter aus dem Wasser. Dadurch lastet sein Eigengewicht stärker auf den inneren Organen.

Neue Hilfsaktion mit Saug- und Spültechnik

Nach dem gescheiterten Versuch vom Montag wird erneut mit technischem Gerät gearbeitet. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) hatte nach einer Lagebesprechung im Hafen von Kirchdorf angekündigt, Saug- und Spültechnik einzusetzen, um den Wal zu entlasten.

Aus dem Umfeld der privaten Initiative hieß es, mit Saugrobotern sei bereits eine Kuhle geschaffen worden. Eine Seite des Wals werde blockiert. Ziel sei es, das Tier später in tieferes Wasser zu lenken – also „raus aus dem Nadelöhr“.

Arbeitsplattform rückt näher an den Wal heran

Am frühen Nachmittag war in den Livestreams zudem zu sehen, wie eine schwimmende Arbeitsplattform mit Bagger dichter an den Wal heranfuhr. Von dort führte ein dicker Schlauch direkt ins Wasser beim Tier. Auf der anderen Seite wurden augenscheinlich Wasser und auch Schlick herausgespült.

Wal soll Nahrung angeboten werden

Nach Angaben von Backhaus soll dem rund zwölf Meter langen Buckelwal auch Nahrung angeboten werden. Vorgesehen sind Heringe und Shrimps. Der Minister betonte, der Wal befinde sich zwar in einem kritischen Zustand, wirke aber weiterhin vital und habe noch eine Chance.

Experte: Lage eher schlechter als am Montag

Der Berliner Walforscher und Meeresbiologe Fabian Ritter bewertet die Situation inzwischen pessimistischer. Nach seiner Einschätzung hat sich die Lage des Tieres seit Montag eher verschlechtert.

Der Wal rage inzwischen deutlich weiter aus dem Wasser, was keine gute Entwicklung sei. Der gesunkene Wasserstand verschärfe die Lage zusätzlich. Jeder weitere Zentimeter könne dazu führen, dass das Tier stärker unter seinem eigenen Gewicht leide. Ritter geht davon aus, dass der Wal nun auf Grund liegt und sich nicht aus eigener Kraft befreien kann.

Am Dienstagmorgen waren außerdem die Brustflossen, die sogenannten Flipper, deutlicher zu sehen als zuvor. Der Wal bewegte sie wiederholt. Ritter zufolge lässt sich das unterschiedlich deuten: entweder als Folge davon, dass der Wal weiter aus dem Wasser ragt, oder als Zeichen dafür, dass er noch eine gewisse Bewegungsfreiheit hat.

Experte rät zu Ruhe für das Tier

Wie bedrohlich die aktuelle Lage tatsächlich ist, hängt laut Ritter von mehreren Faktoren ab – etwa vom Untergrund, von der Liegeposition, von der Strömung und von möglichen inneren Verletzungen. Grundsätzlich aber gelte: Ein liegender Wal habe ein Problem mit seinem eigenen Gewicht.

Deshalb sprach sich Ritter erneut dafür aus, das Tier möglichst in Ruhe zu lassen, um zusätzlichen Stress zu vermeiden.

Niedriger Pegel bleibt ein Problem

Die Bedingungen vor Poel bleiben schwierig. Der Wasserstand in der Region lag niedriger als am Vortag. Nach Prognosen des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) werden auch in den kommenden Tagen niedrigere Pegel erwartet als zu Beginn der Woche.

Rückschlag nach Hoffnung am Montag

Am Montagmorgen hatte sich der Wal nach rund drei Wochen an derselben Stelle bei steigendem Wasserstand plötzlich in Bewegung gesetzt. Von Booten aus wurde versucht, ihn in Richtung Ostsee zu treiben. Nach rund zwei Stunden stoppte das womöglich stark erschöpfte Tier jedoch erneut – am Übergang der Kirchsee-Bucht in die übrige Wismarbucht, in der Nähe eines deutlich tieferen Fahrwassers Richtung Ostsee.

Seitdem hat der Buckelwal diese Position nicht mehr verlassen.

Unruhe im Helferteam

Parallel zur Rettungsaktion gibt es weiter Probleme innerhalb der privaten Initiative. Nach dem fehlgeschlagenen Einsatz vom Vortag verließen mehrere Teammitglieder die Gruppe, teils zunächst nur vorübergehend.

Die bisherige Pressesprecherin Christiane Freifrau von Gregory hatte zunächst ihren Rückzug angekündigt. Unter den aktuellen Rahmenbedingungen sei eine konstruktive und professionelle Zusammenarbeit „für uns“ nicht mehr möglich. Später erklärte sie jedoch ihre Rückkehr. Unklarheiten seien inzwischen geklärt worden.

Auch bei den Tierärzten gibt es Ausfälle: Die leitende Tierärztin Janine Bahr-van Gemmert wurde nach Angaben von Backhaus am Montag per Hubschrauber in ein Krankenhaus gebracht. Eine weitere Tierärztin steht demnach ebenfalls vorerst nicht zur Verfügung.

Zugleich bestätigte Backhaus mit Sorge, dass die aus Hawaii eingeflogene Tierärztin Jenna Wallace abgereist ist. Zuvor hatte es Berichte über Differenzen im Team gegeben. Neu beteiligt sich nach Angaben der Initiative nun die Tierärztin Kirsten Tönnies.

Wal seit Anfang März unterwegs und mehrfach gestrandet

Erste Sichtungen des Buckelwals gab es bereits Anfang März, also vor rund sieben Wochen. Am 3. März tauchte das Tier im Hafen von Wismar auf und lockte zahlreiche Schaulustige an die Kaikante. Später wurde es vor den Küsten Schleswig-Holsteins und Mecklenburg-Vorpommerns beobachtet.

Nach Einschätzung von Experten hatte sich der Wal wiederholt in Netzen verfangen. Einsatzkräfte und Meeresschützer von Sea Shepherd befreiten ihn von Teilen des Materials.

Am 23. März strandete der Wal erstmals auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand in der Lübecker Bucht. Nach umfangreichen Rettungsversuchen schwamm er damals selbst wieder los. Wenige Tage später strandete er erneut in der Wismarbucht. Bei steigendem Wasserstand kam er zwischenzeitlich kurz frei, lief aber wenig später wieder auf.

Seit dem 31. März saß das Tier dann erneut in der Kirchsee-Bucht fest. Die Strandung am Montag war bereits die fünfte.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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