Rewe: Eigenmarken legen weiter zu, Markenartikel verlieren an Bedeutung
Ob Schokolade oder Kaffee: Für Rewe sind klassische Markenprodukte heute weniger wichtig als noch vor einigen Jahren. Nach Angaben von Konzernchef Lionel Souque verlieren sie insgesamt an Gewicht, weil Absatz und Umsatz im Vergleich zu den Eigenmarken des Handels zurückgehen.
Treiber dieser Entwicklung sind vor allem die gestiegenen Lebensmittelpreise. Viele Kundinnen und Kunden greifen deshalb häufiger zu den günstigeren Handelsmarken. In den Rewe-Supermärkten stieg der Umsatz mit Eigenmarken 2025 im Vergleich zum Vorjahr um sechs Prozent und damit überdurchschnittlich stark. Ihr Anteil am Gesamtumsatz wächst laut Souque seit Jahren und liegt inzwischen bei fast 30 Prozent.
Souque erklärte, immer mehr Verbraucher seien von der Qualität der Eigenmarken überzeugt. Gleichzeitig werde der Preisabstand zu bekannten Markenprodukten größer. Deshalb würden viele Markenartikel nur noch gekauft, wenn sie im Angebot seien. Als Beispiel nannte er Schokolade: Rewe habe Hersteller davor gewarnt, die Preise zu stark anzuheben. Trotzdem seien Produkte unter anderem von Lindt und Mondelez erneut teurer geworden. Die Folge sei ein Absatzrückgang. Manche Kunden könnten sich solche Produkte nicht regelmäßig leisten, so Souque.
Rewe sieht sich preislich auf einer Stufe mit Discountern
Laut einer aktuellen YouGov-Umfrage kaufen knapp 30 Prozent der Verbraucher in Deutschland wegen der höheren Lebensmittelpreise häufiger beim Discounter ein als noch vor ein oder zwei Jahren. Souque sieht darin auch ein Wahrnehmungsproblem: Viele Menschen hielten Rewe weiterhin für teurer als Aldi oder Lidl, obwohl das aus seiner Sicht nicht zutreffe. Deshalb müsse Rewe seine Preise besser kommunizieren.
Auch eine Auswertung der Vergleichsapp Smhaggle kommt zu dem Ergebnis, dass die Produkte im Kernsortiment von Supermärkten und Discountern bis auf wenige Ausnahmen gleich viel kosten. Nach eigenen Angaben prüft Rewe die Preise jede Woche und zieht nach, wenn Wettbewerber günstiger werden. Einen Vorteil gegenüber Discountern sieht Souque vor allem in der größeren Auswahl.
Bislang keine Preisanstiege durch den Iran-Krieg
Nach Einschätzung des Rewe-Chefs sind Auswirkungen des Iran-Kriegs auf die Preise bislang nicht spürbar. Weder gebe es derzeit Preisanstiege noch Anfragen aus der Industrie. Anders als im Fall des Ukraine-Kriegs stammten aus den betroffenen Ländern keine Rohstoffe, die für Hersteller besonders wichtig seien.
Sollte der Konflikt länger andauern, könnten sich allerdings Verpackungen verteuern. In der Folge könnten später auch Lebensmittelpreise steigen. Zwischen März 2025 und März 2026 seien die Preise in den Rewe-Märkten jedoch nur um ein Prozent gestiegen, sagte Souque.
Rewe-Gruppe wächst, Dertour legt erneut kräftig zu
Die Rewe-Gruppe steigerte ihren Gesamtumsatz im In- und Ausland 2025 auf 100,4 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Supermarktkette Rewe wuchs dabei mit drei Prozent etwas stärker als die Discounter-Tochter Penny, die auf ein Plus von 0,7 Prozent kam. Die selbstständigen Rewe-Kaufleute erhöhten ihre Erlöse um gut sieben Prozent.
Besonders stark entwickelte sich erneut die Touristiksparte Dertour. Sie profitierte von der anhaltend hohen Reiselust und verzeichnete ein Umsatzplus von 18 Prozent.
Der Jahresüberschuss des Konzerns lag bei 525 Millionen Euro und fiel damit nahezu auf die Hälfte des Vorjahreswerts. Nicht berücksichtigt sind dabei die Ergebnisse selbstständiger Rewe-Händler und Beteiligungsunternehmen. Als Grund für den Rückgang nennt das Unternehmen unter anderem Investitionen in die Rabatt-Apps von Rewe und Penny. Diese werden nach Konzernangaben von 18 Millionen Menschen genutzt.
Rabatt-Apps sorgen nicht automatisch für mehr Bindung
Nach einer Analyse des IFH Köln führen solche Apps häufig nicht zu einer engeren Kundenbindung. Viele Verbraucher nutzen mehrere Anwendungen parallel und wechseln je nach Rabatt zwischen den Anbietern. Souque bewertet die Entwicklung dennoch positiv. Aus seiner Sicht seien viele ohnehin treue Kunden durch die Apps noch treuer geworden.
In den Rewe-Supermärkten wurden im vergangenen Jahr zwei Milliarden Kundenkontakte gezählt. Das waren 48 Millionen mehr als 2024.
Rewe betreibt in Deutschland rund 3.800 Filialen, Penny kommt auf gut 2.100 Standorte. Insgesamt beschäftigt der Handelskonzern hierzulande 272.000 Menschen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion