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Britisches Tabakverbot: WHO spricht von einem starken Zeichen

Großbritannien setzt darauf, dass eine Generation ohne Tabakkonsum heranwächst. Auch andere Staaten versuchen, Zigaretten stärker aus dem Alltag zu verdrängen - nach Einschätzung der WHO reichen die bisherigen Maßnahmen jedoch noch nicht aus.

22.04.2026, 13:31 Uhr

WHO lobt britisches Tabakgesetz als Vorbild

Die Weltgesundheitsorganisation bewertet das in Großbritannien verabschiedete Tabakgesetz positiv. Aus Sicht der WHO sei die Entscheidung ein deutliches Zeichen dafür, dass Tabakpolitik langfristig gedacht werden könne und nicht an kurzfristigen politischen Interessen scheitern müsse. WHO-Experte Rüdiger Krech sagte der Deutschen Presse-Agentur, auch in Deutschland könnten viele Leben gerettet werden, wenn sich die Politik bei der Tabakkontrolle stärker an Großbritannien orientieren würde.

Im britischen Parlament hat das Gesetz am Dienstag die letzte parlamentarische Hürde genommen. Es muss nun nur noch formell vom König bestätigt werden. Vorgesehen ist, das Mindestalter für den legalen Kauf von Tabak schrittweise anzuheben. Menschen, die nach dem 1. Januar 2009 geboren wurden, sollen damit niemals legal Zigaretten oder ähnliche Produkte erwerben können. Das Rauchen an sich bleibt jedoch erlaubt.

Entwicklungen in anderen Ländern

Die Malediven sind seit dem 1. November 2025 das erste Land, das ein solches Modell bereits umgesetzt hat. Dort dürfen Menschen, die seit dem 1. Januar 2007 geboren wurden, keine Tabakprodukte mehr legal kaufen. In Neuseeland war ein vergleichbares Gesetz beschlossen worden, wurde aber noch vor der vollständigen Einführung im Jahr 2024 wieder zurückgenommen.

Auch Schweden wird häufig als Beispiel für eine weitgehend rauchfreie Gesellschaft genannt. Dort ist der tägliche Tabakkonsum stark gesunken. Im Jahr 2024 gaben nur noch 5 Prozent der Menschen ab 16 Jahren an, täglich zu rauchen. Gleichzeitig greifen viele Schweden jedoch zu anderen Nikotinprodukten. Snus wird insbesondere von Männern häufig konsumiert: Fast jeder vierte Mann nutzt ihn täglich, bei den Frauen war es 2024 etwa jede Zehnte. Zudem ist auch der Gebrauch von E-Zigaretten gestiegen.

Streit um neue Nikotinprodukte

Innerhalb der EU ist der Verkauf von Snus fast überall untersagt, Schweden bildet die Ausnahme. Vor allem tabakfreie Nikotinbeutel, oft als weißer Snus bezeichnet, haben sich zu einem wichtigen schwedischen Exportprodukt entwickelt. Entsprechend kritisch sieht die schwedische Regierung nationale Verbote in anderen Ländern.

Eine Untersuchung der EU-Kommission kam zuletzt zu dem Schluss, dass neuere Tabak- und Nikotinprodukte wie Tabakerhitzer, E-Zigaretten und Nikotinbeutel die Gesundheitssysteme vor neue Probleme stellen. Neben unmittelbaren Gesundheitsrisiken könnten sie auch den Einstieg in die Nikotinabhängigkeit erleichtern und letztlich zum Konsum klassischer Tabakprodukte führen.

Die Kommission verwies zudem auf sehr unterschiedliche nationale Regeln, etwa bei Aromastoffen in Einweg-E-Zigaretten und anderen E-Zigaretten. Als besonders problematisch gilt Werbung über soziale Medien, häufig verbreitet durch Influencer. Nach Einschätzung der Prüfer reichen die bisherigen gesetzlichen Vorgaben dafür nicht aus.

WHO sieht Deutschland im Rückstand

Die WHO überprüft regelmäßig, wie weit Staaten bei der Umsetzung von Maßnahmen gegen den Tabakkonsum sind. Deutschland lag nach dem Stand von 2024 in mehreren Bereichen zurück. Das gilt unter anderem für die Besteuerung von Tabak. Nach Empfehlung der WHO sollten Steuern mindestens 75 Prozent des Verkaufspreises ausmachen. Auch bei Werbebeschränkungen und Angeboten zur Rauchentwöhnung sieht die Organisation in Deutschland Nachholbedarf.

Die Bundesregierung plant derzeit noch in diesem Jahr eine weitere Erhöhung der Tabaksteuer. Die zusätzlichen Einnahmen sollen nach den Vorstellungen der Koalition allerdings nicht in Prävention oder Gesundheitsversorgung fließen, sondern die Steuerfreiheit einer geplanten Prämie für Beschäftigte finanzieren. Eine vom Bundesgesundheitsministerium eingesetzte Expertenkommission zur Stabilisierung der Krankenkassen hatte zuletzt ebenfalls höhere Abgaben auf Zigaretten empfohlen. Dem Vorschlag zufolge sollte die durchschnittliche Steuerbelastung für Fabrikzigaretten von 2027 bis 2031 Jahr für Jahr steigen.

Millionen Tote durch Tabakkonsum

Die WHO bezeichnet die Tabakepidemie als eine der größten Gefahren für die öffentliche Gesundheit weltweit. Nach ihren Angaben sterben jedes Jahr mehr als sieben Millionen Menschen an den Folgen des Tabakkonsums. Rund 80.000 Todesfälle gehen dabei auf Passivrauchen zurück. Für die Europäische Union schätzt die WHO die Zahl der tabakbedingten Todesfälle auf etwa eine halbe Million pro Jahr.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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