Ebola-Ausbruch im Kongo größer als gedacht: Hinweise auf frühere Infektionen
In der Demokratischen Republik Kongo steigt die Zahl der Ebola-Fälle und Todesopfer weiter an. Nach Angaben der Regierung wurden seit Beginn des Ausbruchs 867 Verdachtsfälle registriert. 204 Menschen sind demnach bereits gestorben. Das sind mehr als 100 Infektionen und gut 30 Todesfälle mehr als noch am Vortag.
Im Labor bestätigt wurden bislang 91 Ebola-Infektionen, darunter zehn tödliche Verläufe. Auch im Nachbarland Uganda wurden inzwischen fünf bestätigte Fälle gemeldet, die mit dem Ausbruch im Osten des Kongos in Verbindung stehen. Angaben zu Verdachtsfällen veröffentlicht Uganda bisher nicht.
Zahl der Fälle wahrscheinlich deutlich höher
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass das tatsächliche Ausmaß des Ausbruchs deutlich größer ist. Nach Einschätzung der Behörde blieb die Krankheit im Ostkongo über Wochen unbemerkt, zudem werden offenbar nicht alle Fälle gemeldet. Zuvor waren bereits Häufungen ungeklärter Todesfälle untersucht worden.
Nach Angaben der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC) könnten sich drei freiwillige Rotkreuz-Helfer schon am 27. März in der Provinz Ituri infiziert haben. Sie sollen damals bei einem anderen humanitären Einsatz mit Verstorbenen in Kontakt gekommen sein – also noch bevor bekannt war, dass Ebola in der Region zirkuliert. Die Helfer starben demnach am 5., 15. und 16. Mai.
Ein Grund für die späte Entdeckung ist offenbar auch der seltene Bundibugyo-Typ des Ebolavirus. Da herkömmliche Tests diese Variante zunächst nicht eindeutig erfassten, wurde der Erreger anfangs nicht bestätigt.
Ausbruch blieb wochenlang unentdeckt
Bislang galt ein Mann aus dem Kongo als frühester bekannter Fall des aktuellen Ausbruchs. Er war am 24. April mit Symptomen behandelt worden und starb drei Tage später. Die ersten Ebola-Infektionen wurden erst am 15. Mai im Labor bestätigt. Am 17. Mai rief die WHO wegen der Lage eine gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite aus. Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits mehr als 240 bekannte mutmaßliche Infektionen.
Der Ausbruch nahm nach Angaben der afrikanischen Gesundheitsbehörde Africa CDC in der nordöstlichen Provinz Ituri seinen Anfang. Die Region liegt mehr als 1.500 Kilometer Luftlinie von der Hauptstadt Kinshasa entfernt und grenzt an Uganda sowie den Südsudan. Dort leben nach UN-Angaben schätzungsweise acht Millionen Menschen, darunter fast eine Million Binnenflüchtlinge. Die Lage wird zusätzlich durch Gewalt mehrerer Milizen sowie einen regen Grenzverkehr von Arbeitern und Händlern in dem rohstoffreichen Gebiet erschwert.
Seltener Virus-Typ erschwert den Kampf gegen die Krankheit
Ebola ist eine schwere und lebensbedrohliche Infektionskrankheit. Der aktuelle Ausbruch ist besonders schwierig einzudämmen, weil es gegen den seltenen Bundibugyo-Typ bislang weder einen Impfstoff noch eine gezielte Therapie gibt.
Die WHO stuft das Risiko einer Ansteckung im Kongo als sehr hoch ein, in der Region als hoch und weltweit als gering. Anders als etwa Atemwegsviren wird Ebola nicht durch Tröpfchen in der Luft übertragen, sondern vor allem durch engen Kontakt mit Körperflüssigkeiten infizierter Menschen.
Bei der großen Ebola-Epidemie in Westafrika starben 2014 und 2015 mehr als 11.000 Menschen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion