Nahe dem indonesischen Vulkan Anak Krakatau werden seit mehreren Tagen acht Menschen vermisst, darunter fünf Journalisten. Nach Angaben der Behörden war die Gruppe am Montag von der Küste der Provinz Banten auf Java aus gestartet, um die jüngste Aktivität des Vulkans zu dokumentieren.
Der Vulkan war bereits am Freitag der Vorwoche ausgebrochen und hatte den Flugverkehr in Indonesien massiv beeinträchtigt. Die Eruption sorgte auch international für große Aufmerksamkeit.
Bei den vermissten Reportern handelt es sich um Indonesier. Einer von ihnen arbeitete laut Behörden für die türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Ebenfalls an Bord des Boots waren der Kapitän, ein weiteres Crewmitglied sowie ein Guide.
Nach Angaben der Rettungsbehörde Basarnas bestand zuletzt am Montagnachmittag Ortszeit Kontakt zu der Gruppe. Lokale Medien berichteten, der Guide habe zuvor noch ein Foto aus der Nähe des Vulkans verschickt. Kurz darauf sei die Verbindung zu dem Boot abgerissen.
Suche durch Wetter und Asche erschwert
An der Suche beteiligen sich neben Rettungskräften auch Militär, Polizei und Fischer aus der Region. Die Einsätze mussten jedoch zeitweise unterbrochen werden, weil das Wetter schlecht war und hoher Wellengang herrschte.
Da wegen der noch immer in der Luft befindlichen Vulkanasche weder Hubschrauber noch Flugzeuge sicher eingesetzt werden können, sollen laut Einsatzkoordinator Rizky Dwianto zwei Wärmebild-Drohnen bei der Suche helfen.
Weshalb das Boot verschwunden ist, ist bislang unklar. Die Lage rund um den Vulkan bleibt angespannt: Der jüngste Ausbruch dauerte etwa 25 Stunden, und auch danach schleudert der Anak Krakatau weiterhin regelmäßig Asche und Lava aus.
Die indonesische Vulkanologiebehörde PVMBG hält deshalb die Warnstufe 3 aufrecht, die zweithöchste Stufe. Rund um den Krater gilt eine Sperrzone von drei Kilometern.
Die Eruption hatte zwischenzeitlich zur Schließung mehrerer wichtiger Flughäfen auf Java und Sumatra geführt. Zu Wochenbeginn waren davon mehr als 170.000 Passagiere betroffen.
Vulkan mit historischer Bedeutung
Der Name Anak Krakatau bedeutet auf Deutsch „Kind des Krakatau“. Der Vulkan liegt zwischen Java und Sumatra und entstand nach dem verheerenden Ausbruch des Krakatau im Jahr 1883 in dessen Caldera, also der großen Einsturzmulde des alten Vulkans. Erst 1929 ragte der neue Feuerberg über die Meeresoberfläche hinaus.
Die Katastrophe von 1883 zählt zu den schlimmsten Vulkanausbrüchen der Neuzeit. Damals starben mehr als 36.000 Menschen. Die Explosion gilt zudem als das lauteste jemals dokumentierte Geräusch.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber