Die italienische Großbank Unicredit ist deutlich besser als erwartet in das neue Jahr gestartet und treibt zugleich ihre Pläne bei der Commerzbank voran.
Wie das im EuroStoxx 50 gelistete Institut in Mailand mitteilte, stieg der Nettogewinn im ersten Quartal um 16 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro. Das war der höchste Quartalsgewinn der Unternehmensgeschichte. Auch bei den Einnahmen übertraf die Bank die Erwartungen: Die Erträge kletterten um 5 Prozent auf 6,9 Milliarden Euro. Den Ausblick für das laufende Jahr bestätigte Unicredit.
Bereits am Montag hatten die Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung einer Kapitalerhöhung von bis zu 6,7 Milliarden Euro zugestimmt. Nun hat die Mailänder Bank ihr angekündigtes öffentliches Kaufangebot für die Commerzbank offiziell vorgelegt.
Tauschangebot bis Mitte Juni – Verlängerung möglich
Unicredit, die nach eigenen Angaben bereits 29,99 Prozent der Commerzbank-Anteile direkt über Aktien und indirekt über Finanzinstrumente kontrolliert, will sich bis zum 16. Juni weitere Anteile an dem Frankfurter Dax-Konzern sichern. Die Annahmefrist kann nach Angaben der Bank bis zum 3. Juli verlängert werden.
Ein Barangebot gibt es nicht: Für jede Commerzbank-Aktie bietet Unicredit 0,485 neue Unicredit-Aktien. Auf Basis des Schlusskurses vom 13. März entspreche dies 30,80 Euro je Commerzbank-Aktie und damit einem Aufschlag von 4 Prozent. Insgesamt bewertet Unicredit die Commerzbank damit mit knapp 35 Milliarden Euro. Auf Grundlage des Drei-Monats-Durchschnittskurses beziffert die italienische Bank den Wert der neuen Aktien auf 34,35 Euro.
Keine Mehrheit erwartet
Trotz der Offerte dämpft Unicredit selbst die Erwartungen an eine schnelle Übernahme. Das Institut geht nicht davon aus, mit dem Tauschangebot eine Kontrollmehrheit an der Commerzbank zu erreichen. Ein Grund ist der aktuelle Börsenkurs: Eine Commerzbank-Aktie kostet derzeit rund 35 Euro, weshalb es als eher unwahrscheinlich gilt, dass viele Anleger das Angebot annehmen.
Hinzu kommt, dass der deutsche Staat seine verbliebenen gut 12 Prozent an der Commerzbank nach bisherigem Stand nicht verkaufen will und sich für die Eigenständigkeit des Instituts ausspricht.
Widerstand bei der Commerzbank
Bei der Commerzbank stößt das Vorgehen der Italiener weiter auf heftige Ablehnung. Management, Betriebsrat und Belegschaft wehren sich seit Monaten gegen das aus ihrer Sicht feindliche Vorgehen von Unicredit-Chef Andrea Orcel.
Unicredit war im September 2024 über einen Aktienverkauf des Bundes bei der Commerzbank eingestiegen. Zusätzlich hat sich die Bank für weitere 2,65 Prozent der Anteile zwar bereits den Kaufpreis gesichert, aber noch nicht das Kaufrecht selbst.
Orcel hatte zuletzt nicht nur ein offizielles Angebot angekündigt, sondern auch einen Integrationsplan für den Fall einer Übernahme vorgestellt. Demnach könnten in Deutschland rund 7.000 Vollzeitstellen wegfallen. Unicredit verspricht sich von einem Zusammenschluss vor allem Vorteile im Privatkunden- und Mittelstandsgeschäft. Über die Tochter Hypovereinsbank (HVB) ist die Bank hier bereits vertreten, was aus ihrer Sicht Synergien und Einsparungen ermöglichen würde.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion