Wirtschaft

Unicredit sprengt Rekorde – Commerzbank-Deal naht

Paukenschlag bei Unicredit: Rekordgewinn – und das Milliardenangebot für die Commerzbank könnte jeden Moment folgen.

05.05.2026, 07:33 Uhr

Die italienische Großbank Unicredit treibt ihre Pläne bei der Commerzbank weiter voran und ist zugleich mit Rekordzahlen ins neue Jahr gestartet.

Wie das im EuroStoxx 50 notierte Institut in Mailand mitteilte, stieg der Nettogewinn im ersten Quartal um 16 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro. Das war der höchste Quartalsgewinn in der Geschichte der Bank. Auch bei den Einnahmen übertraf Unicredit die Erwartungen: Die Erträge legten um 5 Prozent auf 6,9 Milliarden Euro zu. Den Ausblick für das laufende Jahr bestätigte das Institut.

Parallel dazu hat Unicredit ihr angekündigtes öffentliches Übernahmeangebot für sämtliche Commerzbank-Aktien nun offiziell vorgelegt – einen Tag nachdem die eigenen Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung einer Kapitalerhöhung von bis zu 6,7 Milliarden Euro zugestimmt hatten.

Unicredit-Chef Andrea Orcel sagte in Frankfurt, das Angebot solle helfen, den Prozess voranzubringen. Zugleich betonte er, man sei offen für jeden Dialog, verwies aber darauf, dass Fristen und Verfahren gesetzlich vorgegeben seien.

Tauschangebot läuft bis 16. Juni

Die Unicredit, die nach eigenen Angaben bereits 29,99 Prozent der Commerzbank-Anteile direkt über Aktien und indirekt über Finanzinstrumente kontrolliert, will sich bis zum 16. Juni weitere Anteile an dem Frankfurter Dax-Konzern sichern. Die Angebotsfrist kann laut Bank bis zum 3. Juli verlängert werden.

Ein Barangebot gibt es nicht: Für jede Commerzbank-Aktie bietet Unicredit 0,485 neue Unicredit-Aktien. Das hatte die Bank bereits im März angekündigt. Auf Basis des Schlusskurses vom 13. März entsprach das 30,80 Euro je Commerzbank-Aktie und damit einem Aufschlag von 4 Prozent. Insgesamt bewertet Unicredit die Commerzbank damit mit knapp 35 Milliarden Euro. Auf Grundlage des Drei-Monats-Durchschnittskurses beziffert die italienische Bank den Wert der neuen Aktien nun auf 34,35 Euro.

Die Commerzbank erklärte, sie nehme die Angebotsunterlage im Rahmen des aus ihrer Sicht unabgestimmten Übernahmeangebots zur Kenntnis. Vorstand und Aufsichtsrat wollen die Offerte nun sorgfältig prüfen und innerhalb der gesetzlichen Frist eine begründete Stellungnahme vorlegen. Das Übernahmerecht verlangt dies unverzüglich; in der Praxis gilt meist ein Zeitraum von rund zwei Wochen.

Unicredit erwartet keine Kontrollmehrheit

Trotz der Offerte dämpft Unicredit selbst die Erwartungen an eine schnelle Übernahme. Die Bank geht nicht davon aus, mit dem Tauschangebot eine Kontrollmehrheit an der Commerzbank zu erreichen.

Ein Grund ist der aktuelle Börsenkurs: Eine Commerzbank-Aktie kostet derzeit rund 35 Euro. Deshalb gilt es als eher unwahrscheinlich, dass viele Aktionäre ihre Papiere in das Angebot einliefern.

Orcel sagte, das wahrscheinlichste Szenario sei, dass Unicredit unter der Schwelle von 50 Prozent bleibe. Das Angebot bleibe sechs Wochen gültig, danach liege es an den Aktionären, wie es weitergehe. Zugleich hob er hervor, Unicredit wolle Wert schaffen – nicht nur für Aktionäre, sondern auch für Beschäftigte und Kunden in Deutschland.

Der Manager betonte zudem, Unicredit habe derzeit kein Interesse an zusätzlichem Mitspracherecht. Im Vordergrund stehe vielmehr, dass die Commerzbank ihr volles Potenzial ausschöpft und sich verändert.

Auch der deutsche Staat will seine verbliebenen gut zwölf Prozent an der Commerzbank nach bisherigem Stand nicht verkaufen und spricht sich für die Eigenständigkeit der Bank aus. Orcel sagte dazu, Regierungen könnten ihre Haltung ebenso weiterentwickeln wie Unternehmensführungen. Falls der Bund nicht verkaufe, habe Unicredit in Deutschland eben einen starken Partner: die Bundesregierung.

Widerstand bei der Commerzbank

Bei der Commerzbank stößt das Vorgehen der Italiener weiterhin auf heftige Ablehnung. Management, Betriebsrat und Belegschaft wehren sich seit Monaten gegen das aus ihrer Sicht feindliche Vorgehen von Unicredit-Chef Andrea Orcel.

Unicredit war im September 2024 über einen Aktienverkauf des Bundes bei der Commerzbank eingestiegen. Für weitere 2,65 Prozent der Anteile hat sich die Bank inzwischen zwar bereits den Kaufpreis gesichert, aber noch nicht das Kaufrecht selbst.

Orcel sagte nun, Unicredit habe seit Herbst 2024 versucht, mit verschiedenen Interessengruppen einen gemeinsamen Plan zu entwickeln. Das sei bislang nicht gelungen. Zugleich zeigte er sich überzeugt, dass sich mit der Zeit mehr Sachlichkeit durchsetzen und manche Fehlinformation über die Absichten der Bank durch Fakten widerlegt werde.

Der Manager kritisierte außerdem die abwehrende Haltung der Commerzbank-Führung. Unternehmen gehörten nicht nur dem Management, sondern Aktionären, Mitarbeitern und weiteren Stakeholdern, argumentierte Orcel. Bessere Möglichkeiten zumindest zu prüfen, sei aus Sicht der Unicredit sinnvoll. Man sei offen für Gespräche gewesen – und wolle das auch bleiben.

Synergien, Stellenabbau und scharfe Kritik

Unicredit verspricht sich von einem Zusammenschluss vor allem Vorteile im Privatkunden- und Mittelstandsgeschäft in Deutschland. Über die Tochter Hypovereinsbank (HVB) ist die Bank hier bereits vertreten, was aus ihrer Sicht Synergien und Einsparungen ermöglichen würde. Gewerkschaften warnen dagegen vor einem möglichen Kahlschlag wie einst bei der HVB.

Orcel hatte zuletzt zudem einen Integrations- und Umbauplan für den Fall einer Übernahme vorgestellt. Demnach könnten in Deutschland rund 7.000 Vollzeitstellen wegfallen. Das Auslandsnetz der Commerzbank hält Unicredit für überdimensioniert und ineffizient. Orcels Fazit fiel entsprechend scharf aus: Der derzeitige Kurs der Commerzbank könne mittelfristig ihr Überleben gefährden.

Den Vorwurf, Unicredit rede die Commerzbank öffentlich schlecht, um den Preis für weitere Anteile zu drücken, wies Orcel zurück. Die italienische Bank wolle die Commerzbank nicht schlechtreden, sondern dazu beitragen, dass sie den aus ihrer Sicht möglichen Wert auch tatsächlich realisiert.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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