Wirtschaft

Standortschock: Bürokratie schlägt alle mit Abstand

Nicht Energie, nicht Löhne: Was deutsche Firmen laut Ifo wirklich ausbremst, überrascht – und kostet mehr als viele denken.

21.09.2026, 09:09 Uhr

Ifo-Umfrage: Bürokratie gilt als größtes Hemmnis für deutsche Unternehmen

Für viele Firmen in Deutschland ist nicht zuerst der hohe Energiepreis oder der Mangel an Personal das drängendste Problem, sondern die Bürokratie. Das geht aus einer Umfrage des Münchner Ifo-Instituts hervor. Demnach nannten 50 Prozent der Unternehmen bürokratische Belastungen als ihr größtes Hindernis. Dahinter folgen mit deutlichem Abstand die Energiekosten mit 27 Prozent und die Arbeitskosten mit 22 Prozent.

Nach Einschätzung von Ifo-Experte Klaus Wohlrabe trifft Bürokratie Unternehmen auf zwei Ebenen. Zum einen werde Personal durch Verwaltungsaufgaben gebunden und fehle dadurch an anderer Stelle. Zum anderen würden Investitionen ausgebremst, wenn sich Vorhaben wegen umfangreicher Genehmigungs- und Dokumentationspflichten wirtschaftlich nicht mehr lohnen. Gerade dieser zweite Effekt sei besonders teuer, tauche aber in keiner Statistik auf, weil Projekte oft gar nicht erst begonnen würden.

Größere Unternehmen fühlen sich stärker belastet

Wie stark Bürokratie als Problem empfunden wird, hängt der Umfrage zufolge auch von der Unternehmensgröße ab. Besonders häufig nennen große Unternehmen und Mittelständler diesen Punkt, nämlich in 59 beziehungsweise 58 Prozent der Fälle. Bei Solo-Selbstständigen liegt der Wert dagegen bei 33 Prozent, bei Kleinstunternehmen bei 41 Prozent.

Wohlrabe erklärt diesen Unterschied damit, dass größere Betriebe meist gleichzeitig mit mehreren Regelwerken konfrontiert seien — etwa im Arbeitsrecht, bei Berichtspflichten oder beim Datenschutz. Kleinere Unternehmen und Selbstständige seien von manchen Vorgaben noch ausgenommen. Mit zunehmender Unternehmensgröße kämen jedoch viele Pflichten auf einmal hinzu.

Weitere Probleme: Fachkräftemangel, Politik und Steuern

Neben der Bürokratie wurden in der Befragung noch weitere Belastungen genannt, wobei Mehrfachantworten möglich waren. 17 Prozent verwiesen auf den Fachkräftemangel, 16 Prozent auf die politischen Rahmenbedingungen. Steuern und Abgaben sowie mangelnde Planungssicherheit wurden jeweils von 13 Prozent der Unternehmen genannt.

Bürokratie in allen Branchen auf Platz eins

Dass Bürokratie das häufigste Problem ist, zeigt sich laut Ifo in sämtlichen Wirtschaftsbereichen. Im Bau und bei den Dienstleistern wird sie mit 45 beziehungsweise 46 Prozent etwas seltener genannt, in der Industrie dagegen mit 55 Prozent besonders häufig.

Allerdings unterscheiden sich die weiteren Problemfelder je nach Branche. In der Industrie folgen die Energiekosten mit 39 Prozent auf Rang zwei. Auch im Bau stehen die Energiekosten an zweiter Stelle, dort jedoch nur mit 24 Prozent. Bei den Dienstleistern gibt es keinen klaren zweiten Platz: Hier werden die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen mit 17 Prozent nur knapp am zweithäufigsten genannt. Im Handel wiederum liegen Nachfrage und die allgemeine Wirtschaftslage mit 25 Prozent auf Rang zwei und damit vor Energie- und Arbeitskosten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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