Wirtschaft

Klingbeil stellt Commerzbank-Deal harte Bedingungen

Wird die Commerzbank bald geschluckt? Nach Orcels Geheimtreffen im Berliner Regierungsviertel spitzt sich der Übernahmekampf zu.

14.09.2026, 18:57 Uhr

Klingbeil knüpft Bedingungen an mögliche Commerzbank-Übernahme

Im Streit um eine mögliche Übernahme der Commerzbank durch die italienische Großbank Unicredit hat Bundesfinanzminister Lars Klingbeil klare Erwartungen formuliert. Nach einem Treffen mit Unicredit-Chef Andrea Orcel in Berlin erklärte der SPD-Vorsitzende und Vizekanzler, die Commerzbank müsse eine börsennotierte Aktiengesellschaft mit Sitz in Frankfurt bleiben. Zudem solle sie ihr starkes Geschäft mit dem Mittelstand in Deutschland und im Ausland fortführen.

Klingbeil betonte außerdem, dass die Bank auch künftig eine zentrale Rolle bei der Finanzierung der deutschen Wirtschaft und mittelständischer Unternehmen spielen müsse. Zugleich stellte er klar, dass die Bundesregierung hinter den mehr als 40.000 Beschäftigten der Commerzbank stehe.

Orcel bewertete das Treffen als guten und konstruktiven Auftakt. Weitere Gespräche sollten zeitnah folgen. Nun müssten beide Seiten die ersten Ergebnisse auswerten, um eine Lösung zu finden, die den Interessen aller Beteiligten und Aktionäre möglichst gerecht werde, sagte der Unicredit-Chef.

Bund bleibt wichtiger Aktionär

Unicredit ist vor rund zwei Jahren bei der Commerzbank eingestiegen und bemüht sich seit Längerem um eine Übernahme des Frankfurter Dax-Konzerns. Inzwischen hat sich das Institut Zugriff auf fast die Hälfte der Anteile gesichert. Der Bund hält noch etwas mehr als 12 Prozent an der Commerzbank und ist damit der zweitgrößte Aktionär. Weil der Staat die Bank in der Finanzkrise mit Milliarden gestützt hatte, kommt der Bundesregierung in der Frage einer möglichen Übernahme besonderes Gewicht zu.

Orcel sieht in einem Zusammenschluss erhebliches Sparpotenzial in Milliardenhöhe, das auch mit dem Abbau von mehreren Tausend Arbeitsplätzen verbunden wäre. Darüber hinaus plant er, das internationale Filial- und Beteiligungsnetz der Commerzbank zu verkleinern. In Frankfurt wächst deshalb die Sorge vor tiefgreifenden Einschnitten. Dort wird auch befürchtet, dass die Commerzbank langfristig mit der HypoVereinsbank verschmolzen werden könnte, wodurch München als Konzernsitz stärker in den Fokus rücken würde.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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