Smart Meter in Deutschland weiter selten im Einsatz
In Deutschland wird der Stromverbrauch bislang nur an wenigen Anschlüssen mit intelligenten Messsystemen erfasst. Nach Angaben der Bundesnetzagentur waren Ende Juni an 5,9 Prozent der mehr als 54 Millionen Messstellen sogenannte Smart Meter installiert. Im Verlauf des ersten Halbjahres kamen rund 765.000 Geräte hinzu.
Die Bundesnetzagentur hatte bereits im Frühjahr gegen Strom-Verteilnetzbetreiber vorgegangen, die die gesetzlich vorgeschriebenen Ausbauziele verfehlen. Behördenchef Klaus Müller erklärte, nach dem Start dieser Aufsichtsverfahren sei inzwischen bundesweit erkennbar, dass der Einbau schneller vorankomme.
Verbrauchsdaten im 15-Minuten-Takt
Ein Smart Meter setzt sich aus einem digitalen Stromzähler und einer Kommunikationseinheit zusammen. Das System erfasst den Stromverbrauch eines Haushalts alle 15 Minuten und übermittelt die Werte an Netzbetreiber und Energieversorger.
Für Verbraucher hat das den Vorteil, dass sie ihren Stromverbrauch deutlich genauer nachvollziehen können. Wer einen entsprechenden Tarif nutzt, kann etwa Waschmaschine oder Elektroauto gezielt dann einsetzen, wenn viel Wind- oder Solarstrom verfügbar ist und die Preise niedriger sind. Gleichzeitig helfen die Daten den Netzbetreibern dabei, ihre Netze effizienter zu steuern.
Deutschland im europäischen Vergleich weit zurück
Bislang müssen Netzbetreiber private Haushalte nur in bestimmten Fällen mit den intelligenten Zählern ausstatten, zum Beispiel wenn dort eine Wärmepumpe oder eine größere Photovoltaikanlage betrieben wird. Deshalb liegt Deutschland beim Ausbau im europäischen Vergleich deutlich zurück.
Nach einer Auswertung der EU-Agentur Acer verfügten Ende 2025 in der EU und in Norwegen im Schnitt rund 66 Prozent der erfassten Haushaltskunden über einen intelligenten Stromzähler.
Viele Länder liegen bei über 80 Prozent
In den meisten EU-Staaten liegt der Anteil laut Acer bereits oberhalb von 80 Prozent. In einigen Ländern beträgt er allerdings weniger als 20 Prozent. Die Agentur weist darauf hin, dass Verbraucher dadurch nur eingeschränkt in der Lage sind, ihren Stromverbrauch flexibel und zeitnah anzupassen.
Aus der Übersicht geht hervor, dass Deutschland Ende 2025 unter den berücksichtigten Ländern das Schlusslicht bildete. Tschechien kam auf 8,0 Prozent, Ungarn auf 9,5 Prozent. Für Rumänien, Bulgarien und Griechenland lagen keine Daten vor.
Eine Quote von 99 Prozent oder mehr erreichten demnach Dänemark, Finnland, Italien, Estland, Lettland, Luxemburg, Portugal, Schweden, Slowenien und Spanien.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber