Deutschland könnte nach Einschätzung der Speicherbranche bei einem sehr strengen Winter in Schwierigkeiten bei der Gasversorgung geraten. Der Verband Initiative Energien Speichern (Ines) warnt, dass bei Temperaturen wie im extrem kalten Jahr 2010 in den Monaten Januar bis März 2027 Engpässe möglich wären. Als Gründe nennt Ines vor allem hohe Gaspreise und veränderte Marktbedingungen infolge des Iran-Krieges, die derzeit für erhebliche Unsicherheit mit Blick auf den Winter 2026/27 sorgen.
Bereits in den vergangenen Monaten sei wegen des kräftigen Preisanstiegs weniger Gas eingespeichert worden als normalerweise. Zum 1. Mai waren die deutschen Gasspeicher laut Verband lediglich zu 26 Prozent gefüllt.
Speicherung für Händler derzeit oft unattraktiv
Zwar haben Gashändler und andere Marktteilnehmer für den 1. November Speicherkapazitäten in Höhe von 76 Prozent reserviert. Ob diese Kapazitäten bis zum Winter tatsächlich auch in diesem Umfang genutzt werden, ist aus Sicht von Ines jedoch offen. Hintergrund ist, dass Gas für den kommenden Winter derzeit günstiger gehandelt wird als für den Sommer. Damit fehlen laut Verband momentan wirtschaftliche Anreize, Gas jetzt einzuspeichern.
Ines-Geschäftsführer Sebastian Heinermann betonte, dass für die Vorbereitung auf einen sehr kalten Winter nicht nur ausreichend Kapazitäten gebucht, sondern die Speicher auch tatsächlich gefüllt sein müssten. Schon die Erfahrungen aus dem vergangenen Winter hätten gezeigt, dass ein Niveau von 76 Prozent nur dann ausreiche, wenn die Temperaturen mild bleiben.
Sehr kalter Winter könnte zu Versorgungslücken führen
In einem Szenario mit Witterungsbedingungen wie 2010 könnte es im ersten Quartal 2027 zu einem Fehlbetrag von insgesamt 20 Terawattstunden Gas kommen. Nach den Modellrechnungen des Verbands könnten an einzelnen Tagen sogar mehr als 35 Prozent des Gasbedarfs ungedeckt bleiben.
Um solche Risiken zu begrenzen, empfiehlt Ines ein europaweites Monitoring von Speicherständen, Verbrauch und Gasimporten. Außerdem spricht sich der Verband für den weiteren Ausbau der Gas- und Wasserstoffinfrastruktur aus. Bei extrem niedrigen Temperaturen im Winter sollten Verbraucher zudem gezielt zum Gassparen aufgerufen werden.
Gasverbrauch spürbar gestiegen
Für 2025 meldeten die Speicherbetreiber einen Gasverbrauch von 910 Terawattstunden. Das entspricht einem Anstieg von 6,9 Prozent gegenüber 2024. Der kalte Januar habe zusätzlich dazu beigetragen, dass sich die Speicher stärker leerten. Wegen der hohen Preise infolge der Blockade der Straße von Hormus werde das verbrauchte Gas derzeit jedoch langsamer als üblich wieder eingespeichert.
Nach eigenen Angaben vertritt Ines die Interessen von 17 Unternehmen, die zusammen rund 90 Prozent der deutschen Gasspeicherkapazität betreiben.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion