Wirtschaft

AOK: Psyche lässt Krankentage explodieren

Alarm in Firmen: Immer mehr Beschäftigte fallen wegen Psyche aus – und ihre Auszeiten dauern erschreckend lang.

08.10.2026, 10:45 Uhr

Psychische Erkrankungen sorgen in Bayerns Betrieben für längere Ausfälle

Depressionen und andere seelische Leiden führen in bayerischen Unternehmen zu immer mehr Fehltagen. Das geht aus Daten der AOK Bayern hervor, der größten Krankenkasse im Freistaat. Demnach stieg die Zahl der Ausfalltage wegen psychischer Erkrankungen innerhalb von zehn Jahren von 248 auf 349 je 100 Versicherte. Das entspricht einem Plus von knapp 41 Prozent. Grundlage ist der vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) erstellte Fehlzeiten-Report.

Nach der Zahl der Krankschreibungen liegen psychische Erkrankungen allerdings nicht an der Spitze. Im Schnitt gab es 12,5 entsprechende Meldungen pro 100 AOK-Mitglieder. Deutlich häufiger waren im vergangenen Jahr Erkältungen und andere Atemwegsinfekte, die auf 77,1 AU-Tage je 100 Versicherte kamen. AU steht dabei für Arbeitsunfähigkeit.

Psychische Leiden führen oft zu langen Krankschreibungen

Auffällig ist vor allem die Dauer der Ausfälle: Beschäftigte mit einer psychischen Erkrankung fehlten im Durchschnitt fast 28 Tage. Bei Atemwegserkrankungen waren es dagegen nur 5,3 Tage. Besonders stark zugenommen haben Burnout-Diagnosen. Hier stiegen die Ausfalltage je 100 AOK-Mitglieder von 8,8 auf 16,1 – ein Anstieg um 83 Prozent.

Die längsten Fehlzeiten entfielen dem Bericht zufolge auf depressive Episoden und wiederkehrende Depressionen. Dahinter folgen Reaktionen auf schwere Belastungen sowie Anpassungsstörungen. Gemeint sind damit unter anderem psychische Probleme nach einschneidenden Ereignissen wie einer Trennung oder einem Todesfall im nahen Umfeld.

Insgesamt zuletzt etwas weniger Krankentage

Trotz dieser Entwicklung waren AOK-Versicherte im Jahr 2025 insgesamt etwas seltener krankgeschrieben als zuvor. Im Durchschnitt kamen sie auf 21,1 Fehltage pro Person. In der ersten Hälfte dieses Jahres setzte sich dieser Trend mit 20,8 AU-Tagen fort.

Die AOK weist allerdings darauf hin, dass ihre Fehlzeiten über den Durchschnittswerten liegen, die von den Statistikämtern erfasst werden. Nach Einschätzung von AOK-Bayern-Chefin Irmgard Stippler hängt der Anstieg der durchschnittlichen Fehlzeiten seit 2022 vor allem mit der Einführung der elektronischen Krankschreibung zusammen. Experten vermuten, dass früher viele Beschäftigte die in Arztpraxen ausgestellten Krankmeldungen nicht an ihre Krankenkassen weitergeleitet haben.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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