Verkehrssysteme müssen klimaresistenter werden
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder warnt vor wachsenden Belastungen für Straßen, Schienen und Fahrzeuge durch den Klimawandel. In einem Videogespräch mit der Deutschen Presse-Agentur erklärte der CDU-Politiker, dass sowohl Hitzeperioden als auch starke Niederschläge und andere Wetterextreme in Zukunft häufiger und intensiver auftreten würden.
Nach seinen Worten betrifft das die gesamte Verkehrsinfrastruktur: Straßen, Bahnstrecken und auch Fahrzeuge wie Züge. Deutschland müsse sich darauf einstellen, sagte Schnieder. Maßnahmen zur besseren Widerstandsfähigkeit liefen bereits.
Während der jüngsten Hitzewelle kam es in Deutschland wegen temperaturbedingter Schäden zu mehreren Sperrungen auf Autobahnen. Nach Angaben des ADAC waren verschiedene Strecken betroffen, teils wurden auch Tempolimits verhängt. Ursache sind unter anderem Aufwölbungen der Fahrbahn, die Fachleute als sogenannte „Blow-ups“ bezeichnen.
Gefahr durch aufbrechende Betonfahrbahnen
Schnieder zufolge treten diese Schäden vor allem auf Autobahnen mit Betonfahrbahnen auf. Beton dehne sich bei großer Hitze aus und könne dabei aufbrechen. Das sei besonders riskant, weil Autofahrer plötzlich auf mehrere Zentimeter hochstehende Betonteile treffen könnten. In solchen Fällen seien Sperrungen und schnelle Reparaturen notwendig.
Der Minister betonte, dass in den vergangenen Jahren viel in die Sanierung älterer Betonfahrbahnen investiert worden sei. Vor allem moderne Bauweisen und Materialien hätten die Hitzebeständigkeit verbessert. Bei neueren Fahrbahnen komme es deutlich seltener zu solchen Schäden.

Aus Sicht Schnieders ist ein moderner technischer Standard der wirksamste Schutz gegen Hitzeschäden. Die Zahl der Blow-ups sei deshalb in den vergangenen Jahren spürbar gesunken, selbst bei hohen Temperaturen. Ganz ausschließen lasse sich das Problem bei extremer Hitze jedoch nicht. Auch Asphaltstraßen könnten betroffen sein, da sich der Belag bei großer Wärme erweiche.
Bahn rüstet sich ebenfalls gegen Hitze
Auch die Deutsche Bahn bereitet sich nach Angaben des Ministers zunehmend auf hohe Temperaturen vor. Besonders bei der Klimatisierung der Züge sei in den vergangenen Jahren viel verbessert worden. Die Anlagen seien leistungsfähiger gemacht worden, und neue Zugmodelle seien weniger störanfällig. Bei extremer Hitze könne es dennoch vereinzelt weiterhin Probleme geben.
Um schneller reagieren zu können, setze die Bahn zudem mobile Einsatzteams ein, die bei Störungen rasch vor Ort sein und Reparaturen übernehmen könnten.
Schwachpunkt bleibt die Infrastruktur
Als große Herausforderung bezeichnete Schnieder weiterhin das Schienennetz selbst. Vor allem Weichen und Schienen seien bei extremer Hitze anfällig. Im Zuge der Erneuerung des Netzes werde deshalb versucht, möglichst hitzeresistente Standards umzusetzen, damit die Bahnstrecken künftig robuster gegenüber hohen Temperaturen werden.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber