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Partylöwe, Pfadfinder, 80: So tickt Schwedens König

Vom schüchternen Prinzen zum Dauer-König: Wie Carl Gustaf Skandale überlebte – und Silvia zu seinem größten Halt wurde.

30.04.2026, 05:49 Uhr

Wenn ein schwarzer Volvo vor dem Stockholmer Schloss hält, könnte es gut sein, dass Schwedens König selbst am Lenkrad sitzt. Der Dokumentarfilm „Der König und ich“ aus dem Jahr 2023 zeichnet Carl XVI. Gustaf als eine Art Pendler: Gemeinsam mit Königin Silvia fährt er demnach seit Jahrzehnten von Drottningholm zu seinen Terminen in der Hauptstadt. Seit mehr als 50 Jahren ist er bereits auf dem schwedischen Thron – länger als jeder Monarch vor ihm.

Das Leben des Königs lässt sich mit einer Aussage aus dem Film treffend beschreiben: Um ihn herum tobt immer wieder Sturm, doch am Ende kommt er auf den Beinen wieder auf. Leicht war sein Weg allerdings nicht – weder in jungen Jahren noch später im Verhältnis zu seinem Volk.

Unerwartet vom Prinzen zum König

Schon früh erlebt Carl Gustaf einen schweren Verlust: Sein Vater stirbt bei einem Flugzeugunglück, als er noch ein Baby ist. Als später sein Großvater stirbt, wird er mit nur 27 Jahren König. Laut der Adelsexpertin Jenny Alexandersson von der Zeitung „Aftonbladet“ war das nie sein großer Wunsch. Statt für die Krone habe er sich eher für Autos, Bagger und Traktoren begeistert. Als Kind soll er seiner Schwester Christina sogar einmal wütend zugerufen haben, dass er auf keinen Fall König werden wolle.

Ein Grund dafür war auch seine Legasthenie. Öffentliche Auftritte und Reden vor vielen Menschen fielen ihm in jungen Jahren schwer. Alexandersson beschreibt ihn als schüchternen Jungen, der sich unwohl fühlte, wenn alle Blicke auf ihn gerichtet waren. In der Schule litt er darunter, dass ihm Lesen und Schreiben schwerer fielen als anderen. Wohler fühlte er sich draußen in der Natur – zunächst bei den Pfadfindern, später als Jäger und Landwirt. Auf dem Traktor, so heißt es, sei er ganz in seinem Element gewesen. Hätte er frei wählen können, wäre er wohl lieber Bauer geworden.

Silvia wird seine wichtigste Stütze

Dann aber hätte er vermutlich Silvia Sommerlath nie getroffen. Die Deutsche arbeitet 1972 bei den Olympischen Spielen in München als Chefhostess – dort begegnet sie dem schwedischen König. Zwischen beiden funkt es, vier Jahre später heiraten sie. Aus der Ehe gehen drei Kinder hervor: Kronprinzessin Victoria (48), Prinz Carl Philip (46) und Prinzessin Madeleine (43).

Für Carl XVI. Gustaf erwies sich Silvia als großer Halt. Besonders deutlich wurde das 2010, als das Buch „Der widerwillige Monarch“ erschien. Darin wurde der König als feierfreudiger Mann mit Affären und Kontakten ins Rotlichtmilieu dargestellt.

Die Veröffentlichung brachte das Königshaus in eine tiefe Vertrauenskrise. Wieder stand der Monarch im Zentrum heftiger Turbulenzen. Dass er politisch und persönlich nicht stärker ins Wanken geriet, lag nach Einschätzung von Beobachtern auch an Silvias Loyalität. Alexandersson berichtet, die Königin habe trotz der schwierigen Lage keinen einzigen Termin abgesagt und sich öffentlich mit keinem Wort zu dem Buch geäußert.

Vom umstrittenen Monarchen zum beliebten Staatsoberhaupt

Nach dieser Krise konnte Carl XVI. Gustaf sein Ansehen in Schweden wieder verbessern. Alexandersson führt das auch auf seinen moderneren Blick auf die Monarchie zurück. Der König wolle ein Königshaus, das für alle Menschen im Land da sei. So habe er die Schlösser stärker für die Öffentlichkeit geöffnet und schon zu Beginn seiner Regentschaft die tiefen Verbeugungen abgeschafft. Auch sein Einsatz für Umwelt- und Klimafragen wird positiv aufgenommen.

Viele Schweden kennen keinen anderen Monarchen als Carl XVI. Gustaf. Über die Jahrzehnte haben sie sein Leben und seine Entwicklung verfolgt – und er hat sich zugleich an sein Volk gewöhnt.

Heute gilt er in manchen Situationen sogar als Vorbild. Während der Corona-Pandemie ließ er sich bei seiner Impfung fotografieren, um Ängste in der Bevölkerung abzubauen. Mit dem Alter und seiner langen Erfahrung sei er sicherer geworden, sagt Alexandersson. Zudem habe er mit Königin Silvia stets eine starke Unterstützung an seiner Seite gehabt und seine Rolle nie allein ausfüllen müssen.

Feier zum 80. Geburtstag

An diesem Donnerstag, dem 30. April, feiert Carl XVI. Gustaf seinen 80. Geburtstag – natürlich gemeinsam mit Silvia. Zur Gala werden auch zahlreiche Verwandte und Freunde aus Europas Königshäusern erwartet, darunter das dänische und das norwegische Königspaar, Norwegens Kronprinz Haakon sowie die frühere dänische Königin Margrethe II., eine Cousine des schwedischen Monarchen.

Während Margrethe vor einigen Jahren abdankte und den Thron an ihren Sohn König Frederik X. übergab, ist ein solcher Schritt für Carl XVI. Gustaf nach Einschätzung von Alexandersson keine Option. Ihre Prognose: Er werde bis zu seinem Tod König bleiben.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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