Meryl Streep ist nach eigenen Worten erst mit dem Start der Dreharbeiten zu „Der Teufel trägt Prada 2“ klar geworden, wie lange der erste Film schon zurückliegt. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in London sagte die dreifache Oscar-Preisträgerin, sie habe zunächst gedacht, der Dreh des Originals sei vielleicht fünf oder sechs Jahre her. Erst ihre Kinder hätten sie daran erinnert, dass seitdem bereits 20 Jahre vergangen sind. Ihre Reaktion: „Oh mein Gott!“
Hohe Erwartung? Streep wusste zunächst nichts davon
Der Film von 2006 hat längst Kultstatus erreicht. Entsprechend groß ist die Aufmerksamkeit für die Fortsetzung. Erwartungsdruck habe sie aber zunächst nicht gespürt, sagte Streep. Sie habe gar nicht geahnt, wie groß die aufgestaute Vorfreude tatsächlich sei. Mit sozialen Netzwerken habe sie wenig zu tun: Sie sei weder auf Instagram noch auf Tiktok unterwegs – und, wie sie sagte, sie lese lieber andere Dinge.
Erst am ersten Drehtag in New York, als die Fortsetzung längst kein Geheimnis mehr war, habe sie die enorme Begeisterung für ihre Figur Miranda Priestly wirklich wahrgenommen. Die Resonanz sei wie ein regelrechter Überfall an Zuneigung gewesen, erzählte Streep – überrascht habe sie das dennoch, weil sie zuvor keine Ahnung von dieser großen Fangemeinde gehabt habe.
Regisseur David Frankel hatte lange Zweifel an Teil zwei
Regisseur David Frankel begegnete einer Fortsetzung über viele Jahre mit Skepsis. Im dpa-Interview sagte er, er habe im Grunde zwei Jahrzehnte lang Bedenken gehabt. Der erste Film sei etwas Besonderes gewesen, und niemand habe die schönen Erinnerungen daran beschädigen oder riskieren wollen, die Erwartungen mit einem schwächeren Nachfolger zu enttäuschen.
Das Team des Originals ist wieder vereint
Für „Der Teufel trägt Prada 2“ wurde das bewährte Team erneut zusammengebracht. Neben Meryl Streep und David Frankel kehren auch Anne Hathaway, Stanley Tucci und Emily Blunt zurück. Auch einige vertraute Nebenfiguren sind wieder dabei – wer ganz genau hinsieht, entdeckt sogar kurz die Zwillinge.
Neu im Cast sind unter anderem Kenneth Branagh, Simone Ashley, Lucy Liu, Justin Theroux, Caleb Hearon und Patrick Brammall. Außerdem hat Lady Gaga einen Gastauftritt und singt den Titelsong.
Neue Handlung ohne Romanvorlage
Anders als der erste Film basiert das neue Drehbuch nicht auf einem Roman von Lauren Weisberger. Im Mittelpunkt steht erneut Andy (Anne Hathaway), die inzwischen eine angesehene Journalistin ist und bei einer Gala ausgezeichnet werden soll. Doch kurz bevor sie ihren Preis entgegennimmt, erreicht sie per Textnachricht die Nachricht von ihrer betriebsbedingten Entlassung.
Zur gleichen Zeit steckt das Modemagazin „Runway“ in Schwierigkeiten. Ein Skandal setzt Chefredakteurin Miranda Priestly massiv unter Druck. Besitzer Irv, erneut gespielt von Tibor Feldman, weiß von Andys Kündigung und holt sie als neue Feature-Redakteurin zu „Runway“, um dem Blatt wieder Glaubwürdigkeit zu verschaffen. Das Problem: Miranda ist darüber zunächst nicht informiert – und reagiert alles andere als begeistert.
Journalismus im Umbruch
Besonders reizvoll findet Streep den veränderten medialen Rahmen. 2006 seien soziale Medien noch kein dominantes Thema gewesen, das iPhone sei sogar erst ein Jahr später auf den Markt gekommen. Gerade deshalb habe sie die Idee spannend gefunden, diese bekannten Figuren in eine Realität zu versetzen, die plötzlich von Digitalisierung und medialem Wandel erschüttert wird.
Andy muss sich bei „Runway“ erneut gegenüber Miranda behaupten und zudem erst mit vielen neuen Kollegen warm werden. Verlässlich an ihrer Seite scheint zunächst vor allem Nigel (Stanley Tucci) zu sein. Schon bei einem ihrer ersten Termine trifft Andy auf ihre frühere Kollegin Emily (Emily Blunt), die inzwischen bei Dior das Sagen hat. Das Wiedersehen fällt eher kühl aus.
Auch Miranda gerät ins Wanken
Während Andy versucht, sich ihren Platz zurückzuerobern, merkt sie zunehmend, dass hinter Mirandas harter Fassade inzwischen auch Unsicherheit steckt. Die früher so unerschütterlich wirkende Chefredakteurin hadert mit beruflichen und gesellschaftlichen Veränderungen. Als dann auch noch ein größerer Umbruch im Verlagshaus droht, steht nicht nur die Zukunft von „Runway“, sondern auch Mirandas Position auf dem Spiel.
Vertraute Figuren, neue Regeln
Es dauert nur wenige Minuten, dann ist man wieder mitten im Kosmos von „Runway“. Die Fortsetzung wirkt wie ein Wiedersehen mit alten Bekannten und knüpft trotz der langen Pause erstaunlich direkt an den ersten Film an. Dazu kommen mehrere subtile Verweise auf den Vorgänger.
Meryl Streep, inzwischen 76 Jahre alt, überzeugt erneut als skrupellose Miranda Priestly – jene Rolle, die ihr einst eine von insgesamt 21 Oscar-Nominierungen einbrachte. Gut möglich, dass diesmal die nächste folgen könnte. Für zusätzlichen Witz sorgen Emily Blunt mit ihrer trocken-hochnäsigen Art und Justin Theroux als Emilys Liebhaber Benji Barnes, dessen peinliche Auftritte besonders unangenehme, aber sehr komische Momente liefern.
Miranda muss sich einer neuen Zeit anpassen
Auch Miranda selbst ist nicht mehr völlig frei in ihrem Auftreten. Manche Bemerkung könne sie sich heute nicht mehr leisten, ohne Ärger mit der Personalabteilung zu bekommen, erklärt Regisseur David Frankel. Sie sei zwar immer noch eindeutig Miranda, müsse sich aber innerhalb neuer Spielregeln bewegen. Sogar ihren Mantel müsse die Chefredakteurin inzwischen selbst aufhängen.
Temporeiche Fortsetzung mit aktuellem Blick
Dass Frankel lange Bedenken gegenüber einem zweiten Teil hatte, ist nachvollziehbar. Umso bemerkenswerter ist, dass „Der Teufel trägt Prada 2“ diese Sorgen laut dpa nicht bestätigt. Die Fortsetzung präsentiert sich als temporeicher, kurzweiliger und sehr unterhaltsamer Film, der dem Charme des Originals erstaunlich nahekommt.
Dazu tragen vor allem das spielfreudige Ensemble, das zeitgemäße Drehbuch von Aline Brosh McKenna und die pointierten Dialoge bei. Der Film greift die Stärken des ersten Teils auf und überträgt sie in eine neue, von Digitalisierung geprägte Gegenwart.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion