Zverev genießt den Laver Cup – und hat die Weltranglistenspitze im Blick
Bevor für Alexander Zverev die heiße Phase der Saison mit dem möglichen Sprung an die Spitze der Weltrangliste beginnt, steht in London zunächst der Teamgedanke im Mittelpunkt. Beim Laver Cup trifft Europas Auswahl auf eine Mannschaft aus dem Rest der Welt – ein Wettbewerb mit viel Prestige, aber auch mit besonderem Unterhaltungswert.
Zverev betonte in London, dass ihm das Event jedes Jahr besonders viel bedeute. Gerade das Zusammenspiel mit Spielern, gegen die er sonst auf der Tour antritt, mache den Reiz aus. Auch die Stimmung rund um das Turnier sei außergewöhnlich, sagte der Hamburger.
Schon beim offiziellen Mannschaftsfoto in Greenwich zeigte sich Zverev bestens gelaunt. Im historischen Old Naval College an der Themse alberte er mit Kollegen wie Carlos Alcaraz und Flavio Cobolli herum – also mit Spielern, die normalerweise auf der anderen Netzseite stehen.
Der Deutsche hob hervor, wie angenehm es sei, die Konkurrenten einmal als Mitspieler zu erleben. Es mache Spaß, ihnen beim Training zuzusehen, ihre Matchvorbereitung aus nächster Nähe mitzuerleben und gemeinsam das Beste für das Team herauszuholen. Das Format erinnert an den Ryder Cup im Golf und lebt stark vom besonderen Mannschaftscharakter.
Dichtes Programm bis zum Jahresende
Nach dem Laver Cup wartet auf Zverev allerdings ein vollgepackter Kalender. Zunächst stehen die Asien-Turniere in Peking und Shanghai an. Danach folgen Stationen in Wien und Paris-Bercy, ehe mit den ATP Finals und der Davis-Cup-Endrunde in Italien zwei weitere Höhepunkte anstehen.

Zverev machte deutlich, dass der Fokus nun komplett auf den kommenden Aufgaben liege. Die starke Grand-Slam-Saison sei zwar ein wichtiger Schritt gewesen, nun gehe es aber darum, die verbleibenden Chancen konsequent zu nutzen und bei den nächsten großen Turnieren weiter anzugreifen.
Der Traum von Platz eins lebt
Noch zu Beginn des Jahres hätte kaum jemand damit gerechnet, dass Zverev zum Saisonende realistische Chancen auf Rang eins haben würde. Sein Jahr 2025 verlief zunächst wechselhaft, während Jannik Sinner und Carlos Alcaraz lange den Ton angaben. Doch nachdem beide wegen körperlicher Probleme ausgebremst wurden und längere Pausen einlegen mussten, nutzte Zverev seine Gelegenheit.
In Paris erfüllte er sich mit dem Gewinn seines ersten Grand-Slam-Titels einen großen Traum. Anschließend erreichte er in Wimbledon das Finale und krönte sich vor knapp zwei Wochen auch bei den US Open in New York zum Champion. Dadurch ist der Rückstand auf Weltranglistenführer Sinner auf nur noch 1810 Punkte geschrumpft.
Vorteil im Saisonfinale
Für Sinner könnte das Rennen um die Nummer eins noch kompliziert werden. Der Italiener, der wegen Knieproblemen bei den US Open fehlte, muss bis Jahresende gleich 3550 Punkte verteidigen – aus Erfolgen in Peking, Wien, Paris-Bercy und bei den ATP Finals im Vorjahr. Zverev hat im selben Zeitraum lediglich 1080 Punkte zu verteidigen.
Der Deutsche kündigte an, bis zum Ende der Saison hochkonzentriert zu bleiben und alles dafür zu tun, sich die Chance auf Platz eins zu erarbeiten. Zuletzt hatte er außerdem am vergangenen Wochenende die deutsche Davis-Cup-Mannschaft mit zwei Erfolgen in die Finalrunde nach Bologna geführt.
Auch Becker traut ihm den Sprung zu
Bislang hat bei den deutschen Männern nur Boris Becker den Sprung an die Spitze der Weltrangliste geschafft. Der dreimalige Wimbledon-Sieger stand insgesamt zwölf Wochen auf Rang eins. Für Becker ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis Zverev dieses Ziel ebenfalls erreicht.
Zverev selbst äußerte sich zuletzt differenziert zu seiner aktuellen Stellung im Welttennis. Mit Blick auf die derzeitige Verletzungssituation seiner Konkurrenz sei er im Moment womöglich der beste Spieler. Gleichzeitig betonte er, dass Sinner in Bestbesetzung weiterhin vor ihm liege. Vor dessen Pause habe er mehrfach gegen den Italiener verloren.
Europa will sich den Titel zurückholen
Beim Laver Cup ist Sinner erneut nicht dabei, Alcaraz dagegen spielt an Zverevs Seite für Team Europa. Während der Vorbereitung wirkten beide entspannt und gut aufgelegt, ab Freitag soll das nun auch sportlich sichtbar werden. Nach der Niederlage im vergangenen Jahr will Europa den Pokal unbedingt zurückholen.
Neben Zverev und Alcaraz gehören auch Flavio Cobolli, Rafael Jodar, Jakub Mensik und Casper Ruud zum europäischen Team. Betreut wird die Auswahl von Kapitän Yannick Noah. Für Team Welt, das von Andre Agassi geführt wird, schlagen Taylor Fritz, Alex de Minaur, Brandon Nakashima, Alexander Bublik, Learner Tien und Francisco Cerúndolo auf.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber