Fußball

WM-Wahnsinn: Trump, Infantino und der Wucher

Über zwei Millionen Euro für ein einziges Ticket im Unterrang? Was vor dieser ohnehin heftig diskutierten WM plötzlich möglich ist, lässt selbst hartgesottene Fans schlucken. Für viele könnte das Mega-Turnier vor allem eines werden: extrem teuer.

27.04.2026, 10:00 Uhr

Der Ton vor der Fußball-WM 2026 wird immer rauer. Der Boston Globe fällte schon vor dem Start des Turniers am 11. Juni ein vernichtendes Urteil über das Großereignis in den Gastgeberländern USA, Kanada und Mexiko. In einem Kommentar aus einem US-Spielort schrieb die Zeitung, die Weltmeisterschaft sei inzwischen „zu einem Verbrechen geworden“ – und warf FIFA sowie staatlichen Stellen vor, das Turnier wie eine „Lizenz zum Stehlen“ zu behandeln. Gemeint ist auch das Zusammenspiel in der Geldwelt von US-Präsident Donald Trump und FIFA-Chef Gianni Infantino.

Drei Gastgeber, enorme Wege, hohe Kosten

Schon vor dem ersten Anpfiff steht die Endrunde im Ruf, eine WM der extremen Preise zu werden. Im Fokus stehen teure Eintrittskarten, stark verteuerte Wege zu den Stadien und kostenpflichtige Angebote selbst rund um Fan-Festivals. Das Wall Street Journal sprach deshalb bereits von einer „WM der Schock-Preise“.

Dazu kommen die gigantischen Entfernungen. Erstmals nehmen 48 Nationalteams teil, gespielt wird in drei Ländern auf einer Fläche von rund 22 Millionen Quadratkilometern. Europa kommt im Vergleich auf etwa 10,5 Millionen Quadratkilometer. Zwischen Vancouver im Westen Kanadas und Miami im Südosten der USA liegen rund 4500 Kilometer. Selbst vom westlichsten Punkt des europäischen Festlands in Portugal bis nach Moskau ist es kürzer.

Für Normalverdiener offenbar nicht gedacht

Die Fan-Initiative Fairness United sieht das Turnier kritisch. Auf Anfrage erklärte die Vereinigung, ein WM-Besuch liege diesmal weder finanziell noch moralisch in einem Rahmen, wie man ihn von früheren Weltmeisterschaften kenne. Für Normalverdiener sei dieses Event offenkundig nicht die Zielgruppe.

Auf ihrer Website wirft die Gruppe der FIFA vor, die WM bewusst zu einem perfekt vermarktbaren Hochglanzprodukt umgebaut zu haben. Die hohen Preise sorgten aus ihrer Sicht zugleich dafür, dass in den TV-Bildern keine „prolligen, grölenden oder gar betrunkenen“ Fans auftauchten.

Große Wirtschaftsversprechen

Gemeinsam mit dem Sekretariat der Welthandelsorganisation veröffentlichte die FIFA eine Studie, die dem Turnier erhebliche wirtschaftliche Effekte zuschreibt. Demnach könnte die WM bis zu 40,9 Milliarden US-Dollar zum Bruttoinlandsprodukt beitragen und soziale Leistungen im Umfang von 8,28 Milliarden US-Dollar auslösen.

Für die USA allein wurde ein Bruttoproduktionswert von 30,5 Milliarden Dollar und ein Beitrag zum BIP von 17,2 Milliarden Dollar prognostiziert. Solche Zahlen dürften auch Donald Trump gefallen. Gleichzeitig könnte die harte politische Linie der USA manche internationale Fans eher abschrecken.

Prognosen treffen auf eine nüchternere Wirklichkeit

In dem Bericht ist von glänzenden Aussichten für den Tourismus die Rede. Hotels in den Austragungsorten würden sich demnach auf außergewöhnlich hohe Auslastungen einstellen, während Gastgewerbe, Verkehr und Einzelhandel von Milliardeneffekten profitieren könnten.

Doch die Realität wirkt mancherorts deutlich weniger euphorisch. Gegenüber Forbes sagte der Präsident der Hotelvereinigung von New York, Vijay Dandapani, rund zwei Monate vor dem Turnierstart, die tatsächliche Nachfrage liege bei weitem nicht auf dem Niveau des Hypes, der die WM-Ankündigung begleitet habe.

Nach seinen Angaben lagen die Hotelbuchungen für Juni und Juli in New York praktisch auf dem Niveau des Vorjahres. Zudem wurde berichtet, dass die FIFA selbst in größerem Umfang Hotelreservierungen storniert habe.

Finaltickets für mehr als zwei Millionen Dollar

Mit 104 Spielen ist das Turnier so groß wie nie. Entsprechend wird sich zeigen, wie gut die 16 Stadien tatsächlich gefüllt sein werden. Die neue Preisstrategie der FIFA dürfte jedenfalls viele Fans abschrecken.

Besonders viel Aufmerksamkeit erregte ein Angebot auf der offiziellen Wiederverkaufsplattform: Dort wurden vier Karten für das WM-Finale angeboten – für 2.299.998,85 Dollar pro Ticket. Es handelte sich nicht um exklusive Logenplätze, sondern um Sitze hinter dem Tor im Unterrang.

Auch die Anreise zum Finale wird zum Luxus

Wer sich solche Tickets leisten kann, dürfte sich wohl auch kaum über die stark gestiegenen Fahrtkosten nach East Rutherford in New Jersey beschweren. Für die Hin- und Rückfahrt zum Finalstadion nahe New York werden statt der üblichen 12,90 Dollar zeitweise 150 Dollar fällig – also fast das Zwölffache. In diesem Stadion spielt unter anderem auch Deutschland am 25. Juni gegen Ecuador.

New Jerseys Gouverneurin Mikie Sherrill stellte klar, sie wolle die Pendler ihres Bundesstaates nicht dauerhaft mit diesen Kosten belasten. Ihrer Ansicht nach müsse die FIFA die zusätzlichen Fahrten bezahlen. Andernfalls werde sie nicht akzeptieren, dass New Jersey auf den Ausgaben sitzenbleibt.

Die FIFA wiederum sieht sich beim Transport nicht in der Verantwortung. Auch auf die Preise im Ticket-Zweitmarkt habe der Verband nach eigener Darstellung keinen direkten Einfluss. Ganz außen vor ist er dennoch nicht: Beim Kauf fällt eine Gebühr von 15 Prozent für den Käufer an, beim Weiterverkauf weitere 15 Prozent für den Verkäufer.

Kritik aus der Politik

Die FIFA verteidigt ihr Modell mit variablen Preisen, die sich an der Nachfrage orientieren. Das entspreche gängigen Entwicklungen in verschiedenen Sportarten, heißt es vom Weltverband.

Scharfe Kritik kam zuletzt auch aus Deutschland. Die Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, Aydan Özoğuz (SPD), sagte der Rheinischen Post, bezahlbare Eintrittskarten seien kaum zu bekommen. Dadurch blieben vielen fußballbegeisterten Menschen aus aller Welt die Stadien verschlossen. Ihr Urteil fiel eindeutig aus: Die Ticketpolitik der FIFA sei absurd.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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