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Vom Quali-Hit ins Finale: Chwalinska vor Tennis-Wunder

Nicht mal Top 100 – und jetzt im French-Open-Finale! Schafft Chwalinska gegen Andrejewa nach dem brisanten Halbfinale die Sensation?

04.06.2026, 19:23 Uhr

Chwalinska setzt ihr Paris-Märchen fort und steht im Finale

Maja Chwalinska hat bei den French Open ihren sensationellen Lauf fortgesetzt und erstmals das Endspiel eines Grand-Slam-Turniers erreicht. Die 24 Jahre alte Polin besiegte im Halbfinale die Russin Diana Schnaider mit 7:6 (7:4), 6:4 und ist damit erst die zweite Qualifikantin überhaupt in einem Grand-Slam-Finale. Zuvor war das nur Emma Raducanu bei den US Open 2021 gelungen, die damals sogar den Titel holte.

Nach dem Match ließ sich Chwalinska rücklings auf den roten Sand fallen, hielt sich die Hände vors Gesicht und wirkte völlig überwältigt. "Es ist wie ein Traum. Ehrlich, ich weiß nicht, was los ist", sagte sie anschließend. Auf die Frage, ob sie nun noch mehr wolle, meinte sie mit einem Seufzer zunächst, sie wolle diesen Moment erst einmal genießen. Klar sei aber auch: "Ich werde alles geben. Es ist ein Grand-Slam-Finale."

Tennis-Idol Boris Becker zeigte sich bei Eurosport beeindruckt und sagte über die Polin: "A star is born – aber diesmal aus Polen."

Finale gegen Favoritin Andrejewa

Im Finale am Samstag wartet nun allerdings die wohl schwerstmögliche Aufgabe auf Chwalinska. Die Weltranglisten-114. trifft auf Mirra Andrejewa, die als klare Favoritin ins Endspiel geht. Die 19 Jahre alte Russin gewann zuvor ihr Halbfinale gegen die Ukrainerin Marta Kostjuk mit 6:1, 6:3 und steht ebenfalls zum ersten Mal in ihrer Karriere in einem Grand-Slam-Finale.

Rückschläge prägten Chwalinskas Weg

In ihrer Juniorinnenzeit spielte Chwalinska im Doppel noch an der Seite von Iga Swiatek, heute eine der prägenden Figuren im Damentennis mit sechs Grand-Slam-Titeln. Chwalinskas Karriere verlief jedoch deutlich holpriger: Immer wieder warf sie Verletzungspech zurück, zudem durchlebte sie eine Phase mit Depressionen.

Gegen Schnaider überzeugte die Polin mit Geduld, kluger Taktik und vielen Variationen. So brachte sie auch ihre Gegnerin, die vom Deutschen Sascha Bajin trainiert wird, immer wieder aus dem Rhythmus. Eurosport-Expertin Barbara Rittner lobte genau diese unangenehme Spielweise. Viele Bälle wirkten verlockend zum Attackieren, führten dann aber regelmäßig zu Enttäuschung, weil Chwalinska ihre Gegnerinnen damit geschickt in Fehler zwinge.

Kein Handschlag nach Andrejewas Sieg gegen Kostjuk

Nach dem zweiten Halbfinale blieb der übliche Handschlag am Netz aus. Kostjuk verweigerte Andrejewa wie erwartet die Geste. Ukrainische Spielerinnen setzen damit seit Beginn des russischen Angriffskriegs ein Zeichen des Protests.

Im Anschluss sagte Kostjuk, sie werde niemandem glauben, der auf der großen Bühne des Sports stehe und behaupte, keinerlei Einfluss zu haben. Andrejewa, die an Nummer acht gesetzt ist und von der früheren spanischen Spitzenspielerin Conchita Martínez trainiert wird, zeigte erneut eine starke Leistung und geht deshalb mit klaren Vorteilen ins Finale.

Kostjuk im Halbfinale fehleranfällig

Für Kostjuk war es das erste Halbfinale bei einem Grand-Slam-Turnier, doch die 23-Jährige wirkte nervös. Nach zuvor 16 Siegen in Serie auf der Tour musste sie wieder eine Niederlage hinnehmen. Ausschlaggebend waren unter anderem 34 unerzwungene Fehler. Zeitweise schien sie zudem Probleme mit dem Wind zu haben, ehe das Dach geschlossen wurde.

Das Publikum unterstützte überwiegend die Ukrainerin, doch auch das änderte nichts am klaren Ausgang der Partie.

Kostjuk hatte bereits nach ihrem Auftaktsieg in Paris berichtet, dass rund hundert Meter vom Elternhaus eine Rakete ein Gebäude zerstört habe. Auf einer Pressekonferenz zeigte sie dazu ein Foto auf ihrem Handy, das die Schäden dokumentieren soll. Sie versuche, wann immer möglich, an die Schrecken des Alltagslebens der Menschen in ihrer Heimat zu erinnern, erklärte Kostjuk.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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