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Verstappen im Chaos-Sieg: Ist die WM jetzt durch?

Regen, Startchaos, streikende Autos – und nur einer behält die Nerven: Verstappen. Dazu kippt der WM-Kampf dramatisch.

04.10.2026, 12:23 Uhr

Verstappen trotzt Sepang-Chaos und holt ersten Saisonsieg – FIA prüft Software-Panne

Max Verstappen hat beim turbulenten Formel-1-Comeback in Malaysia seine lange Wartezeit beendet und erstmals in dieser Saison wieder gewonnen. Wolkenbrüche, Gewitter, technische Probleme vor dem Start und eine Verzögerung von anderthalb Stunden konnten den viermaligen Weltmeister in Sepang nicht stoppen. Nach dem Rennen überwog beim Red-Bull-Piloten die Erleichterung – sogar mit Galgenhumor: Die bizarre Panne vor dem Start habe sich "wie beim Lego-Rennen" angefühlt, sagte Verstappen lachend. "Das war der Wahnsinn."

Schon 2017 hatte Verstappen das bis dahin letzte Formel-1-Rennen auf dem Sepang International Circuit gewonnen. Damals war es sein zweiter Erfolg in der Königsklasse, nun folgte Sieg Nummer 72 – und der erste seit dem 7. Dezember 2025.

Antonelli macht den nächsten großen Schritt im Titelkampf

Vier Tage nach seinem 29. Geburtstag setzte sich Verstappen im Red Bull gegen WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli im Mercedes durch, der Zweiter wurde. Für den 20 Jahre alten Italiener war Rang zwei ein weiterer großer Schritt Richtung Titel, weil sein Teamkollege und direkter Rivale George Russell wenige Runden vor Schluss mit einem Motorschaden ausfiel und ohne Punkte blieb. In der Gesamtwertung liegt der Brite damit nun 84 Zähler hinter Antonelli, seine WM-Hoffnungen erhielten wohl den entscheidenden Dämpfer.

Russell verließ das Fahrerlager später sichtlich frustriert. Sinngemäß machte er klar, dass seine Enttäuschung kaum noch in Worte zu fassen sei. Mercedes-Teamchef Toto Wolff sprach ebenfalls von einem schweren Rückschlag – sowohl im Kampf um die Fahrer-WM als auch in der Konstrukteurswertung. Das jüngste Update-Paket habe nicht funktioniert, nun müsse das Team prüfen, ob es wieder einen Schritt zurückgeht.

Lewis Hamilton fuhr auf Rang drei und begeisterte die Zuschauer mit einer starken Aufholjagd. Eine fragwürdige Ferrari-Strategie auf anfangs nasser Strecke hatte ihn trotz Startplatz zwei zunächst weit zurückgeworfen. Später berichtete der Rekordweltmeister von "großer Panik" in der Formationsphase, als mehrere Autos kaum Leistung hatten. Er selbst musste den Wagen auf der Strecke anhalten, den Motor abschalten und neu starten – ein Vorgang, den er nach eigenen Worten in seiner Karriere noch nie erlebt habe.

Nico Hülkenberg verpasste im Audi als Elfter knapp die Punkteränge.

Sepang liefert das erwartete Wetterchaos

Pünktlich zum Rennhöhepunkt zeigte sich Sepang von seiner typischen Seite. In den Trainings und im Qualifying war es noch trocken geblieben, entsprechend fehlten wichtige Daten für ein mögliches Regenrennen. Zudem hatte es mit der neuen Fahrzeuggeneration in dieser Saison bislang noch keinen klassischen Grand Prix im Nassen gegeben.

Dann öffnete der Himmel die Schleusen. Auf der Startaufstellung drängten sich Fahrer, Teammitglieder und Schirme, während die Mechaniker hektisch an den Autos arbeiteten, um sie auf die extrem schwierigen Bedingungen vorzubereiten. Heftiger Regen, Blitz und Donner verschärften die Lage zusätzlich.

Warum das Rennen als Bahrain-Grand-Prix zählt

Solche Bedingungen sind in Malaysia nichts Ungewöhnliches. 2009 wurde der Grand Prix dort sogar nach 31 Runden abgebrochen. Zwischen 1999 und 2017 gehörten Regenschlachten in Sepang immer wieder zum Programm. Diesmal wurde das Rennen als Nachhol-Grand-Prix für Bahrain ausgetragen, nachdem der Lauf dort im April wegen des Iran-Kriegs abgesagt worden war.

Zunächst war vor allem Geduld gefragt. Verstappen saß mit seinem Vater Jos auf einem Klappstuhl in der Garage, während die Fans auf den Wiesen unter großen Regenschirmen ausharrten. Streckenhelfer versuchten derweil mit Besen, das Wasser von der Fahrbahn zu schieben.

Software-Farce sorgt für viel Erklärungsbedarf

Mit mehr als 40 Minuten Verspätung ging es schließlich hinter dem Safety Car von Bernd Mayländer in zwei Formationsrunden. Doch dann meldete Verstappen Probleme über Funk: Er könne nicht beschleunigen. Auch Hamilton kam kaum voran. Mehrere Autos schlichen nur im Schritttempo über den nassen Asphalt oder blieben kurzzeitig stehen. Das Startprozedere wurde deshalb erneut abgebrochen.

Später folgte die neue Startzeit: 16.33 Uhr Ortszeit, also 1 Stunde und 33 Minuten später als ursprünglich geplant. Eigentlich hätten die Fahrer zu diesem Zeitpunkt fast schon im Ziel sein sollen. Zudem rückte der Sonnenuntergang in Sepang gegen 19 Uhr bedrohlich näher.

Nach dem Rennen stand weniger der Regen als vielmehr die Technikpanne im Mittelpunkt. FIA-Technikchef Nikolas Tombazis erklärte, dass mehrere Faktoren zusammenkamen und die Software durcheinanderbrachten. Aus Sicherheitsgründen seien wegen des starken Regens Anpassungen an den Antriebseinstellungen vorgenommen worden. In dieser Saison stammt jeweils die Hälfte der Leistung vom Verbrennungsmotor und von der Batterie. Genau diese veränderten Einstellungen hätten unter den ungewohnten Nässebedingungen Probleme verursacht. Die FIA kündigte eine eingehende Untersuchung an.

Die Vorgänge sorgten im Fahrerlager und in den Medien für heftige Kritik. Dass Formel-1-Autos unter solchen Bedingungen praktisch keine Leistung abrufen konnten, passte kaum zum Selbstbild der Serie als "Gipfel des Motorsports". Schon am kommenden Wochenende steht im benachbarten Singapur das nächste Rennen an.

Antonelli startet stark, Hamilton hadert mit der Reifenwahl

Verstappen, Antonelli und Russell gingen zunächst auf Intermediates ins Rennen, Hamilton setzte auf weiche Slicks. Schon kurz nach dem Start klagte der Ferrari-Pilot über die Bedingungen. Nach dem Rennen stellte er klar: Das sei die falsche Entscheidung gewesen.

Antonelli erwischte einen Blitzstart, zog von Platz drei an Verstappen und Hamilton vorbei und übernahm die Führung. Russell blieb direkt dahinter im Windschatten. Hamilton fiel auf seinen Slicks weit zurück und hatte schon nach wenigen Runden mehr als eine Minute Rückstand auf die Spitze. Verstappen fing sich nach seinem misslungenen Start dagegen schnell wieder und zog an Russell vorbei.

Safety Car spielt Verstappen in die Karten

Es zeichnete sich früh ab, dass die Fahrer auf Intermediates bald an die Box müssten, weil die Strecke immer schneller abtrocknete. Dann rutschte Valtteri Bottas im Cadillac ins Kiesbett, das Safety Car musste erneut auf die Strecke. Für die Piloten auf Mischreifen kam das zum perfekten Zeitpunkt: Sie konnten praktisch ohne Zeitverlust auf Slicks wechseln.

Nach dem Re-Start entwickelte sich zwischen Antonelli, Verstappen und Russell ein packender Dreikampf. Verstappen nutzte seine schnelleren weichen Reifen und überholte Antonelli, der wie Russell auf der mittleren Mischung unterwegs war. Russell attackierte den Italiener ebenfalls und ging zunächst vorbei, doch Antonelli konterte noch vor der Hälfte der Renndistanz und holte sich die Position zurück.

Als später Alexander Albon im Williams ausrollte und eine weitere Safety-Car-Phase auslöste, holte Verstappen noch einmal frische Reifen. Zwar fiel er dadurch kurz hinter Antonelli zurück, doch nach dessen Stopp war die alte Reihenfolge an der Spitze wieder hergestellt. Spätestens als Russell wenig später mit Defekt stehen blieb, war klar: Verstappen war der Sieg nicht mehr zu nehmen.

Erleichterung bei Red Bull, Frust bei Mercedes

Für Verstappen und Red Bull war der Erfolg auch deshalb so wichtig, weil das Team nach schwierigen ersten Saisonrennen einen Befreiungsschlag brauchte. Der Rennstall baut den Motor inzwischen selbst, der Start ins Jahr verlief aber holprig. Verstappen erinnerte daran, dass es an Wettbewerbsfähigkeit und an Konstanz gefehlt habe. Sein Vater Jos sprach nach dem Sieg sichtbar bewegt davon, dass es nun wieder deutlich bergauf gehe.

Dass sich der Erfolg angedeutet hatte, war bereits in den vorangegangenen Grand Prix zu sehen. In Sepang folgte nach der ersten Pole des Jahres nun der Sieg. Trotz eines katastrophalen Starts drehte Verstappen das Rennen und war danach an der Spitze nicht mehr zu halten. Red-Bull-Teamchef Laurent Mekies brachte es knapp auf den Punkt: Verstappen sei an diesem Tag "unantastbar" gewesen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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