Fußball

Bellingham und Kane lassen England staunen

7:0! Tuchels England zerlegt Kroatien – Bellingham glänzt, Kane jagt den nächsten Rekord. Was steckt hinter der Gala?

04.10.2026, 11:38 Uhr

England zerlegt Kroatien: Tuchel begeistert, Kane vor Rekord

Schon vor dem Abpfiff nahm Thomas Tuchel seinen Kollegen Slaven Bilic in den Arm. Das klare 7:0 Englands gegen Kroatien in der Nations League war ein eindrucksvolles Statement. Nach dem bemerkenswerten Abend in Rijeka sprach der englische Nationaltrainer von einer "fantastischen" Vorstellung seiner Mannschaft. Besonders im Mittelpunkt standen Jude Bellingham sowie Doppelpacker Harry Kane. Für den Stürmer des FC Bayern könnte schon in den kommenden Tagen der nächste Meilenstein folgen.

Kane vor historischem Einsatz

Kane bezeichnete den Auftritt als "unglaublich". England habe diesmal genau das gezeigt, was zuletzt oft gefordert worden sei: eine überzeugende Leistung über die gesamten 90 Minuten. Der Kapitän brachte die Three Lions bereits in der 8. Minute in Führung und legte nach der Pause seinen zweiten Treffer nach. Im kommenden Spiel gegen Tschechien könnte Kane sein 125. Länderspiel absolvieren und damit mit Rekordnationalspieler Peter Shilton gleichziehen. "Das wäre natürlich schön", sagte der Münchner.

Steht vor einem historischen Einsatz: Englands Kapitän Harry Kane.

Nach Kanes Auswechslung in der 70. Minute übernahm Bellingham die Kapitänsbinde. Der Profi von Real Madrid war einer der prägenden Spieler des Abends: ein Tor, drei Vorlagen und großer Einfluss auf das Spiel. ITV-Experte Roy Keane fand deutliche Worte und sagte, es habe gewirkt, "als spiele ein erwachsener Mann gegen kleine Kinder". Der frühere Star von Manchester United traut Bellingham sogar zu, einmal zu den größten Spielern überhaupt zu zählen.

Kroatien - England
Steht vor einem historischen Einsatz: Englands Kapitän Harry Kane. Quelle: Darko Bandic/AP/dpa

Auf die Frage, ob Bellingham gerade die nächste Entwicklungsstufe erreiche, antwortete Tuchel: "Ja, im Moment sieht es so aus." Im Spitzenfußball müsse man sich ständig weiterentwickeln, sonst zögen andere Mannschaften vorbei.

Die WM-Narbe bleibt

Kane als Vollstrecker, Bellingham als Taktgeber, Tuchel als Stratege – so wünschen sich die Engländer ihr Nationalteam. Nach dem spektakulären 2:3 gegen Weltmeister Spanien und dem eher nüchternen 2:0 in Tschechien setzte das Team des deutschen Coaches nun ein besonders deutliches Zeichen.

Mit einem weiteren Sieg gegen Tschechien würde England klar Kurs auf das Viertelfinale der Nations League nehmen. Zugleich könnten die Fragen rund um das Halbfinal-Aus bei der Weltmeisterschaft im Sommer etwas leiser werden. Die 1:2-Niederlage gegen Argentinien mit einer völlig missratenen Schlussphase Mitte Juli beschäftigt Tuchel und seine Mannschaft weiterhin.

Der Bundestrainer sprach davon, dass Schmerz und Enttäuschung zur "Natur des Sports" gehörten. "Diese Narbe werden wir immer tragen", sagte Tuchel. Er räumte ein, dass der Start in dieses Trainingslager nicht einfach gewesen sei. Dennoch habe seine Mannschaft weitergearbeitet. Die "exzellente" Leistung gegen Spanien sei am Ende nicht belohnt worden. In Tschechien habe sein Team dann die richtige Reaktion gezeigt – und in Kroatien auch unter besonderen Umständen überzeugt.

Sah eine überragende englische Mannschaft: Trainer Thomas Tuchel.

Ungewöhnliche Atmosphäre nach Zuschauer-Ausschluss

Die Rahmenbedingungen in Rijeka waren speziell. Nach rassistischen Vorfällen kroatischer Anhänger im Nations-League-Viertelfinale gegen Frankreich im März 2025 hatte die UEFA ein Geisterspiel angeordnet. Der kroatische Verband durfte jedoch mehrere tausend Kinder und Jugendliche ins Stadion einladen, da das Regelwerk dies ausdrücklich zulässt. Zudem waren etwa 100 englische Fans vor Ort.

Tuchel beschrieb die Atmosphäre als "komisch". Zugleich freute er sich darüber, dass die Kinder ihre Idole, darunter auch Kroatiens Routinier Luka Modric, live erleben konnten. Insgesamt sei das Umfeld aber "sehr, sehr ungewöhnlich" gewesen. Seine Mannschaft ließ sich davon allerdings nicht aus dem Konzept bringen, nutzte die gravierenden Defensivprobleme der Kroaten gnadenlos aus und dominierte die Partie von Beginn an. Bilic blieb am Ende nur die Rolle des bemitleidenswerten Verlierers – und Tuchel spendete ihm noch vor dem Schlusspfiff Trost.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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