Djokovic scheitert nach körperlichem Drama gleich zum US-Open-Start
Novak Djokovic ist bei den US Open überraschend schon in der ersten Runde ausgeschieden. Der serbische Tennisstar verlor gegen den argentinischen Außenseiter Mariano Navone nach 4:36 Stunden in einem dramatischen Fünfsatzmatch mit 6:7 (5:7), 7:5, 6:4, 2:6, 1:6. Während der Partie musste sich Djokovic mehrfach auf dem Platz übergeben, wirkte zunehmend erschöpft und hatte zeitweise Tränen in den Augen. Beim Verlassen des Courts formte er mit den Händen noch ein Herz für die Fans.
Für den 39-Jährigen war es bei seiner 20. Teilnahme am Grand-Slam-Turnier in New York das erste Aus in Runde eins. Schon früh war zu erkennen, dass es ihm körperlich nicht gut ging. Bei zunächst etwa 25 Grad und schwüler Witterung rang er immer wieder nach Luft, stützte nach langen Ballwechseln die Hände auf die Knie und suchte mehrfach den Rand des Platzes auf, um sich zu übergeben.
Djokovic spricht von „wirklich ernstem Problem“
Nach der Partie schilderte Djokovic seine Beschwerden ungewöhnlich offen. „Ich habe jeden Moment auf dem Platz gehasst“, sagte er vor der Umkleidekabine im Arthur-Ashe-Stadion. Es habe sich für ihn „furchtbar“ angefühlt. Zudem sprach er von tiefergehenden körperlichen Problemen: Erbrechen, Übelkeit und ein „wirklich ernstes Problem“ würden ihn in diesem Jahr fast in jedem Match begleiten. Irgendwann beginne dann der ganze Körper zusammenzubrechen, mit Krämpfen und Schmerzen. Am Ende hätten sein Rücken und später auch die Schulter aufgegeben.
Bereits beim frühen Aus in Cincinnati hatte Djokovic über gesundheitliche Probleme geklagt. Nun räumte er auch ein, während des Matches in New York ernsthaft über eine Aufgabe nachgedacht zu haben. Nach den gewonnenen Sätzen zwei und drei habe er aber wieder an eine Wende geglaubt.
Traum vom 25. Major-Titel rückt weiter weg
Damit muss Djokovic weiter auf seinen 25. Grand-Slam-Erfolg warten. Angesichts seines Alters werden die Gelegenheiten auf einen weiteren Triumph bei einem der vier größten Turniere im Tennis nicht mehr zahlreicher. Hinzu kommen nun anhaltende gesundheitliche Fragezeichen, die auch seine weitere Karriereplanung überschatten. Seinen bislang letzten Major-Sieg hatte der Rekordchampion vor drei Jahren gefeiert.
Zunächst begann Djokovic stark und führte im ersten Satz rasch mit 3:0. Danach verlor er jedoch den Rhythmus. Navone, die Nummer 49 der Welt, übernahm zunehmend die Kontrolle und entschied viele lange Rallyes für sich. Nach 73 Minuten ging der erste Satz im Tiebreak an den Außenseiter. Als Djokovic auf dem Weg zum Netz seine Schweißbänder abstreifte, rechneten manche Beobachter bereits mit einer Aufgabe.
Große Sorgen auf der Tribüne
Doch der Serbe kämpfte sich zunächst zurück und stellte auf 1:1 nach Sätzen. Auch im dritten Durchgang biss er sich trotz erneuter Übelkeit durch und sicherte sich den Satz, obwohl er kurz zuvor wieder einen Behälter am Spielfeldrand aufsuchen musste. Auf der Tribüne verfolgte seine Ehefrau Jelena die Begegnung mit besorgtem Blick, während die Kinder Stefan und Tara ihn bei gewonnenen Punkten lautstark unterstützten.
Im weiteren Verlauf kamen zu den Kreislaufproblemen offenbar auch muskuläre Beschwerden hinzu. Djokovic griff zu Tabletten, Spray und Pulver und nahm zudem eine medizinische Auszeit wegen Rückenproblemen. Am Ende half jedoch nichts mehr: Im fünften Satz fehlte ihm die Kraft zur Gegenwehr, Navone nutzte das konsequent aus und brachte den größten Sieg seiner Karriere ins Ziel.
„Es war sehr schwer für mich“, sagte Navone nach dem Erfolg über sein Idol. Gegen den „Größten aller Zeiten“ auf diesem Platz zu spielen, sei das Beste gewesen, was er bisher auf dem Court erlebt habe.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber