Sport

Ukrainerin gegen Russin: Wie Politik den Sport sprengt

Kein Handschlag, harte Vorwürfe, viel Schweigen: Warum dieses French-Open-Duell zwischen Ukrainerin und Russin explosiv wurde.

30.05.2026, 16:59 Uhr

French Open: Konflikt zwischen Schnaider und Olijnykowa überschattet das Sportliche

Das Drittrunden-Match bei den French Open zwischen der Russin Diana Schnaider und der Ukrainerin Oleksandra Olijnykowa war weit mehr als ein Tennisspiel. Zwar gewann Schnaider mit 7:5, 6:1, doch im Mittelpunkt standen danach vor allem die Aussagen beider Spielerinnen abseits des Courts.

Olijnykowa nutzte ihre Pressekonferenz für einen eindringlichen Appell. Sie betonte, dass es ihr nicht um Politik gehe, sondern um grundlegende Menschlichkeit. Angesichts von Toten, getöteten Kindern und gerechtfertigter Gewalt dürfe man nicht so tun, als sei all das bedeutungslos. Wegsehen oder jene schützen, die solche Taten unterstützten oder entschuldigten, komme für sie nicht infrage.

Schwere Vorwürfe gegen Schnaider

Mit diesen Aussagen zielte Olijnykowa auch auf ihre russische Gegnerin. Die 25-Jährige wirft Schnaider vor, dem russischen Präsidenten Wladimir Putin nahestehend oder zumindest ihm gegenüber wohlwollend eingestellt zu sein. Russland führt unter Putin seit Jahren Krieg gegen die Ukraine.

Nach Darstellung der Ukrainerin soll Schnaider in sozialen Netzwerken Beiträge russischer Propagandisten mit "Gefällt mir" markiert haben. Für diese Vorwürfe, so sagte Olijnykowa, habe sie Belege. Zudem kritisierte sie Schnaiders Teilnahme an einem von Gazprom unterstützten Turnier. Aus ihrer Sicht bedeute das indirekte Unterstützung für ein Unternehmen, das zur Finanzierung von Kriegsverbrechen beitrage.

Schnaider wies die Anschuldigungen nicht direkt zurück, erklärte jedoch, sie habe von den Vorwürfen nichts gehört. Auf Fragen zu ihrem Verhalten in sozialen Medien reagierte sie ausweichend und sagte, sie wisse nicht, was Olijnykowa gefunden habe und wolle sich dazu nicht äußern.

Keine Aussage zum Krieg

Auch zu ihrer Haltung zum Krieg wollte Schnaider keine Stellung beziehen. Sie erklärte, sie sei in Paris, um über Tennis, ihr Spiel und das Erreichen der zweiten Woche bei den French Open zu sprechen. Ihre Teilnahme an dem von Gazprom unterstützten Showturnier begründete sie damit, dass sie nur selten Gelegenheit habe, in ihrer Heimat vor Familie und Freunden zu spielen.

Sicherheitskräfte beim Spiel

Beim Duell in Paris waren Sicherheitskräfte im Einsatz. Olijnykowa sagte allerdings, sie habe diese nicht gebraucht und auch niemanden bemerkt, der sich aggressiv verhalten habe. Zugleich zog sie einen drastischen Vergleich: Wenn sie nach Hause zurückkehre, werde sie dort von Drohnen und Raketen bedroht.

Ukrainische Spielerinnen setzen Zeichen

Auch Marta Kostjuk, eine der ukrainischen Mitfavoritinnen des Turniers, hatte bereits zu Beginn der French Open auf die Lage in ihrer Heimat aufmerksam gemacht. Nach ihrem Auftaktsieg berichtete sie, dass nur rund hundert Meter vom Haus ihrer Eltern entfernt eine Rakete ein Gebäude zerstört habe. In der Pressekonferenz zeigte sie dazu ein Bild auf ihrem Handy, das die Schäden dokumentieren soll.

Kostjuk erklärte, sie wolle jede Gelegenheit nutzen, um an den Schrecken des Alltags in der Ukraine zu erinnern. Olijnykowa formulierte ihre persönliche Betroffenheit noch deutlicher. Der Krieg bestimme ihr gesamtes Leben, sagte sie. Ihre Zukunft liege in der Ukraine, ihr Vater kehre zur Armee zurück, ihr Freund sei Soldat – alles in ihrem Leben werde von diesem Krieg geprägt.

Kein Handschlag mit russischen Profis

Wie andere ukrainische Tennisspielerinnen verzichtete auch Olijnykowa nach dem Match auf den sonst üblichen Handschlag am Netz. Ukrainische Profis halten an dieser Linie fest, wenn sie gegen Spielerinnen und Spieler aus Russland antreten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen