Tadej Pogacar und sein Teamkollege Isaac del Toro erreichten nach der Montjuic-Etappe in Barcelona gemeinsam das Ziel. Der Slowene überließ dem 22 Jahre alten Mexikaner bei dessen Tour-Debüt den Sieg auf dem zweiten Tagesabschnitt der 113. Tour de France. Für del Toro war es der erste Etappenerfolg bei der Frankreich-Rundfahrt. Danach sagte er: „Es bedeutet mir alles“.
Pogacar verzichtete damit auf den eigenen Tagessieg und hielt sich auch mit schärferen Attacken zurück. So konnte er Jonas Vingegaard nach dessen kleinem Vorsprung vom Vortag nicht entscheidend distanzieren. Der Däne, der tags zuvor das Teamzeitfahren gewonnen hatte, verteidigte als Vierter das Gelbe Trikot.
Die kurzen Rampen am Montjuic boten allerdings nur wenig Raum für ganz große Attacken. Vor einer riesigen Zuschauerkulisse durfte Vingegaard dennoch zufrieden sein, auch am nächsten Tag in Gelb zu starten. „Es sind nicht meine Lieblingsanstiege“, sagte der Däne. „Aber im Gelben Trikot zu bleiben, darüber bin ich sehr froh.“ Im Ziel gratulierten sich die beiden Topfavoriten gegenseitig.
Evenepoel Dritter, Pogacar halbiert Rückstand
Hinter del Toro und Pogacar belegte Remco Evenepoel Rang drei. Der belgische Doppel-Olympiasieger gehörte damit ebenfalls zu den stärksten Fahrern des Tages.
Im Gesamtklassement liegt Vingegaard weiter vor Pogacar. Durch Bonussekunden verkürzte der Titelverteidiger seinen Rückstand jedoch von zwölf auf sechs Sekunden. Evenepoel, der im Red-Bull-Team fährt und dort Mannschaftskollege des Deutschen Florian Lipowitz ist, bleibt Gesamtdritter.
Lipowitz hadert mit Hitze und Positionierung
Für Florian Lipowitz verlief der Tag dagegen schwieriger. Deutschlands Rad-Star streifte sich nach dem Rennen eine Kühlweste über, um die Hitze in Barcelona loszuwerden. Der 25-Jährige belegte auf der Etappe Rang 16 und verlor im Gesamtklassement weitere zehn Sekunden. Er ist damit Achter und liegt 45 Sekunden hinter Spitzenreiter Vingegaard.
„Ich glaube, es hatten viele heute auch Probleme mit der Hitze. Es war ja super warm“, sagte Lipowitz. Trotz des Zeitverlusts zeigte er sich nicht unzufrieden: „Ich verliere ein paar Sekunden, aber grundsätzlich kann ich doch heute zufrieden sein.“ Seine Beine hätten sich besser angefühlt als am Vortag, allerdings habe er Probleme mit der Positionierung gehabt. „Dann ging leider am Schluss die Lücke auf“, sagte er. Der Rundkurs mit den kurzen Anstiegen am Montjuic habe ihm nicht besonders gelegen.
Hektik auf dem Montjuic
Zu Beginn der ersten Überfahrt über den Montjuic positionierten sich Vingegaard und Pogacar wie erwartet ganz vorne. Das Rennen blieb hektisch: Der Franzose Quentin Pacher geriet mit seinem Rad in eine auf der Straße liegende Fan-Flagge. Auf dem Anstieg fuhren Vingegaard und Pogacar in der aufgeheizten Atmosphäre fast ständig nebeneinander.
Del Toro musste unterwegs sogar einen Defekt verkraften, setzte sich am Ende aber dennoch ganz vorne fest und durfte über seinen ersten Tour-Etappensieg jubeln.
Vingegaard startet mit Mundschutz
Vor dem Start fiel Vingegaard mit einem Mundschutz auf. Nach eigener Aussage sei er nicht krank, wolle aber vorsichtig sein, nachdem er bei den vergangenen beiden Austragungen gesundheitlich angeschlagen gewesen war. Das Gelbe Trikot trägt er erstmals seit seinem bislang letzten Toursieg vor drei Jahren wieder.
Bei seiner Mission, Pogacar erneut zu schlagen, will der Däne jedes Risiko vermeiden. Schon auf der ersten Etappe hatten sich die beiden Stars ein enges Duell geliefert. Vingegaard, zuletzt Giro-Sieger, unterstrich dabei seine starke Verfassung und holte den Tagessieg. Pogacar, der die Tour in den vergangenen beiden Jahren gewonnen hatte, lag damals zwölf Sekunden hinter ihm.
Engelhardt in der Fluchtgruppe
Pogacar nahm den kleinen Rückstand gelassen. Vor dem Start zur zweiten Etappe hatte er betont, hochmotiviert zu sein. Wenn sich eine Gelegenheit ergebe, wolle er sie nutzen. Vorrang habe aber, sicher durchzukommen und die Anstiege gut zu überstehen.
Kurz nach dem Start in Tarragona südlich von Barcelona kam es zunächst zu einem Sturz, in den mehrere Fahrer verwickelt waren. Auch Top-Sprinter Biniam Girmay war betroffen, konnte das Rennen aber ohne große Verzögerung fortsetzen.
Später zeigte sich der deutsche Meister Felix Engelhardt in der Offensive. Der Tour-Debütant setzte sich zusammen mit zwei weiteren Fahrern ab, und das Trio erarbeitete sich zeitweise fast vier Minuten Vorsprung. Etwa 30 Kilometer vor dem Ziel war der Ausreißversuch jedoch beendet.
Wechsel nach Frankreich – Etappe unter Vorbehalt
Am Montag verlassen die Teams Barcelona und reisen weiter nach Frankreich in Richtung Pyrenäen. Allerdings werfen Waldbrände im Süden Frankreichs einen Schatten auf die dritte Etappe. Laut dem Präfekten des Départements Pyrénées-Orientales, Pierre Regnault de la Mothe, soll bis zum Abend entschieden werden, ob der Abschnitt wie geplant stattfinden kann.
Geplant ist ein Start im spanischen Granollers mit Ziel im Wintersportort Les Angles. Auf Vingegaard und die übrigen Profis warten knapp 200 Kilometer sowie 3850 Höhenmeter. Vor dem Abschied aus Spanien steht dabei noch der Col de Toses an – ein Anstieg der ersten Kategorie.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber