Alexander Zverev reckte nach seinem Erfolg den Schläger in den Himmel und lächelte zufrieden. Der deutsche Tennisstar hat dem großen Titeldruck bei den French Open im Achtelfinale standgehalten und ist nur noch drei Siege von seinem ersten Grand-Slam-Titel entfernt. Der 29-Jährige setzte sich nach einem holprigen Beginn gegen den Niederländer Jesper de Jong mit 7:6 (7:3), 6:4, 6:1 durch.
Jetzt gegen Spaniens Jungstar Jódar
In Paris steht Zverev damit bereits zum sechsten Mal nacheinander im Viertelfinale. Dort trifft der Hamburger auf den spanischen Jungstar Rafael Jódar. Der 19-Jährige drehte gegen seinen Landsmann Pablo Carreño Busta nach einem 0:2-Satzrückstand noch die Partie und gewann 4:6, 4:6, 6:1, 6:2, 6:2.
Zverev sprach nach seinem Achtelfinal-Erfolg von einem anfangs schwierigen Start, zeigte sich mit seiner Entwicklung im Match aber zufrieden. „Ich fühle, dass mein Spiel da ist“, sagte er. Über Jódar meinte die deutsche Nummer eins: „Er ist ein sehr junger Spieler, unglaublich talentiert. Es wird eine schwere Herausforderung, aber ich muss mir selbst vertrauen und ich werde dafür bereit sein.“
Zverev gilt als großer Titelfavorit
In Roland Garros ist Zverev inzwischen der große Favorit auf den Titel. Weltranglistenerster Jannik Sinner und Grand-Slam-Rekordsieger Novak Djokovic sind bereits früh ausgeschieden, Titelverteidiger Carlos Alcaraz fehlt verletzt. Auf seine nun besonders großen Titelchancen angesprochen, blieb Zverev jedoch zurückhaltend. „Ich werde mich auf das Match konzentrieren, das vor mir liegt“, sagte er. „Das ist die einzige Sache, die ich kontrollieren kann.“
Für den erhofften ersten Triumph auf Grand-Slam-Niveau wird sich Zverev allerdings noch steigern müssen. Gegen den Weltranglisten-106. de Jong, der in der Qualifikation gescheitert war und nur als Lucky Loser ins Hauptfeld gerutscht war, zeigte der Olympiasieger von 2021 zunächst nicht sein bestes Tennis.
Fans feiern de Jong zum Geburtstag, Zverev startet nervös
Kurz vor dem ersten Aufschlag sangen die Zuschauer auf dem Court Philippe Chatrier ein Geburtstagsständchen für de Jong, der an seinem 26. Geburtstag auf dem Center Court stand. Zverev verteilte anfangs auf dem Platz fast selbst Geschenke: Vor allem mit der Vorhand unterliefen ihm einige Fehler, schnell lag er 0:3 zurück.
Der Deutsche steigerte sich leicht und rettete sich in den Tiebreak. Dort geriet er nach drei vermeidbaren Fehlern erneut mit 0:3 ins Hintertreffen, legte dann aber den Schalter um, gewann sieben Punkte in Folge und sicherte sich noch den ersten Satz.
Becker sieht mentale Wende im Match
Mit der Satzführung gewann Zverev deutlich an Sicherheit. „Die Psyche hat sich beruhigt, die bösen Dämonen haben sich jetzt erstmal verabschiedet“, sagte Boris Becker bei Eurosport.
Auch die Bedingungen hatten sich verändert: Im Vergleich zur ersten Turnierwoche war es rund zehn Grad kälter, die Sonne fehlte, im Tiebreak des ersten Satzes setzte sogar leichter Regen ein. Zverev, dessen druckvoller Aufschlag eher von Wärme profitiert, stellte sich im Verlauf der Partie besser darauf ein und holte sich den zweiten Satz dank eines Breaks zum 6:4.
Im dritten Durchgang nahm er de Jong früh den Aufschlag zum 2:0 ab, danach war der Widerstand des Niederländers weitgehend gebrochen. Nach 2:14 Stunden verwandelte Zverev seinen ersten Matchball.
Letzter deutscher Profi im Turnier
Zverev ist damit der letzte verbliebene deutsche Tennisprofi im Hauptfeld von Paris. Alle anderen acht deutschen Starterinnen und Starter sind bereits ausgeschieden. Becker sprach deshalb erneut von einer besonderen Last für den Olympiasieger und sagte: „Der letzte Mohikaner – das ist auch immer eine Bürde für ihn, dass er hier die deutsche Flagge weit bis in die zweite Runde tragen muss.“
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion