Sport

Letzter Hawaii-Akt: Das kommt auf Deutsche zu

Kona bebt: Frauen und Männer wieder gemeinsam im Ironman-Showdown – auf Hawaii geht’s um Legendenstatus und Mega-Preisgeld.

08.10.2026, 08:43 Uhr

Patrick Lange stellt sich auf einen emotionalen Abschied auf dem berühmten Ali’i Drive ein. Zehn Jahre nach seinem Debüt beim deutschen Dreifach-Erfolg verabschiedet sich der dreimalige Ironman-Weltmeister von seiner Lieblingsinsel.

„Am wichtigsten ist, das Rennen zu genießen und dieser Insel Danke zu sagen, weil sie mein Leben komplett verändert hat“, sagt der 40-Jährige. Kona habe ihn immer gut behandelt. 2017, 2018 und 2024 gewann Lange auf Big Island und schrieb damit selbst Ironman-Geschichte.

Welche Bedeutung der WM-Titel auf Hawaii hat

3,86 Kilometer Schwimmen im warmen, aber anspruchsvollen Pazifik, 180,2 Kilometer Radfahren gegen Wind und durch Lava-Landschaften und danach ein Marathon über 42,195 Kilometer in der Hitze: Der Ironman auf Hawaii verlangt Athletinnen und Athleten körperlich wie mental alles ab. Erstmals seit 2019 kämpfen Frauen und Männer wieder am selben Tag auf Big Island um die WM-Titel.

Nach der Corona-Zeit war die Weltmeisterschaft zwischen Nizza und Hawaii aufgeteilt worden. Laura Philipp, eine der deutschen Mitfavoritinnen, betont allerdings, dass ein Titel in Kona nicht automatisch höher zu bewerten sei als ihr WM-Sieg in Nizza vor zwei Jahren. Dennoch habe Hawaii mit seiner Geschichte und Tradition eine besondere Ausstrahlung. Im vergangenen Jahr wurde die Heidelbergerin in Kona nach einem dramatischen Finale Dritte.

Auf der Suche nach der magischen Formel

Auf Hawaii begann 1978 die Geschichte des Ironman. Seitdem entstanden dort zahlreiche Legenden des Ausdauersports. Auch deutsche Athletinnen und Athleten prägten den Wettkampf immer wieder mit. Trotz modernster Technik bei Rädern, Anzügen und extrem leichten Laufschuhen bleibt der Ironman vor allem auch ein Rennen für den Kopf.

Philipp sagt, sie habe die „magische Formel“ für Hawaii noch nicht gefunden. Sie wisse aber, dass sie alles mitbringe, was nötig sei. Am Ende brauche es dennoch einen perfekten Tag. Entscheidend sei, auf den eigenen Körper zu hören, den eigenen Stärken zu vertrauen und zugleich im Rennen auf Attacken der Konkurrenz reagieren zu können.

Gerade mental sei das Rennen eine enorme Herausforderung. Auch wenn eine Lücke zwischenzeitlich groß werde, müsse man daran glauben, am Ende trotzdem noch gewinnen zu können, erklärt Philipp.

Für sie geht es diesmal nicht nur um den WM-Titel, sondern auch um viel Geld. Obwohl sie in der ersten Saisonhälfte von einer Erkrankung gebremst wurde, deren Ursache weiterhin unklar ist, führt sie die Ironman Pro Series bei den Frauen vor der norwegischen Titelverteidigerin Solveig Løvseth an. Sollte Philipp die Gesamtwertung gewinnen, wäre ihr eine Prämie von 200.000 US-Dollar sicher. Für den WM-Sieg kämen weitere 125.000 US-Dollar hinzu.

Allerdings ist die Konkurrenz stark. Zu den aussichtsreichsten Rivalinnen zählen die Amerikanerin Taylor Knibb und die Britin Lucy Charles-Barclay. Beide mussten im vergangenen Jahr auf der Laufstrecke aufgeben und dürften entsprechend zusätzlich motiviert an den Start gehen.

Der Wettkampf der Profi-Frauen beginnt um 6.30 Uhr Ortszeit, also 18.30 Uhr MESZ. Die Männer starten zehn Minuten früher mit dem traditionellen Kanonenschuss. Zu sehen ist die WM im ZDF-Livestream, später ab 0.25 Uhr auch im ZDF sowie auf YouTube beim Kanal von IRONMAN Triathlon.

Wer bei den Männern vorne erwartet wird

Bei den Männern reist Kristian Blummenfelt als einer der Topfavoriten nach Hawaii. Der Norweger, Olympiasieger im Triathlon und Ironman-Weltmeister der während der Corona-Zeit nachgeholten WM in St. George, führt zwar die Pro Series an, misst diesem Zwischenstand aber keine entscheidende Bedeutung bei. Für ihn zählt vor allem, sich in die Geschichte von Kona einzuschreiben.

Trotz des Ausfalls seines Landsmanns und Titelverteidigers Casper Stornes nach einem Unfall ist das Feld dicht besetzt. Auch Jonas Schomburg gehört dazu. Der Deutsche gibt sein Hawaii-Debüt und glaubt nicht an einen einzelnen klaren Favoriten. Aus seiner Sicht gibt es inzwischen viele ernsthafte Siegkandidaten. Auch Schomburg hat noch Chancen auf den Bonus der Pro Series.

Mit Sam Laidlow ist zudem der Weltmeister von Nizza 2023 am Start. Der Franzose kündigte an, sein Preisgeld aus Kona an 23 Nachwuchsathletinnen und -athleten zu spenden. Sollte er selbst kein Preisgeld gewinnen, will er Kindern und Jugendlichen im Alter von zehn bis 16 Jahren jeweils 1.000 Euro aus eigener Tasche überweisen.

Das besondere Comeback von Normann Stadler

Wie viel der Hawaii-Titel bedeutet, zeigt auch die Rückkehr von Normann Stadler. Der zweimalige Sieger von 2004 und 2006 startet viele Jahre nach seinen Erfolgen noch einmal bei der WM. Mittlerweile ist er 53 Jahre alt und vor allem dankbar, überhaupt noch am Leben zu sein.

2011 musste Stadler wegen eines Aortenaneurysmas und einer defekten Aortenklappe schwer am Herzen operiert werden. Nun kehrt er nach Kona zurück und weiß genau, was ihn dort erwartet: ein Rennen zwischen Faszination, Härte und Leid. Genau das macht die Ironman-WM auf Hawaii seit jeher aus.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen