Schalke feiert die Rückkehr in die Bundesliga
Kurz nach Mitternacht war die Botschaft von Moussa Sylla eindeutig: Jetzt wird gefeiert. Gemeinsam mit seinen Teamkollegen zog der Schalke-Stürmer in kurzer Hose, Badelatschen, Sonnenbrille und Aufstiegsshirt in den VIP-Bereich der Arena. Nach drei Jahren Zweitklassigkeit ließ der FC Schalke 04 seiner Freude freien Lauf.
Schon zuvor hatte Ron Schallenberg die Fans per Stadionmikrofon zum Mitfeiern aufgefordert. Die Mannschaft setzte das direkt um. Sportdirektor Youri Mulder berichtete am Sonntag im Sport1-"Doppelpass", dass die Feierlichkeiten in der Arena bis etwa halb sechs Uhr morgens andauerten.
Emotionen direkt nach dem Abpfiff
Unmittelbar nach Spielende feierten die Schalker auf dem Rasen mit ihren Familien. Ein befürchteter Platzsturm blieb aus, stattdessen standen Freude, Erleichterung und große Emotionen im Mittelpunkt. Es floss reichlich Bier, und auch Tränen waren zu sehen.
Torschütze Kenan Karaman zeigte sich im TV-Interview tief bewegt. Man habe lange auf diesen Moment hingearbeitet, sagte er sinngemäß – nicht nur die Mannschaft, sondern der gesamte Verein und die ganze Stadt.
Gelsenkirchen im Ausnahmezustand
Nicht nur im Stadion wurde gefeiert. Rund um die Arena und in der Stadt waren Zehntausende Anhänger unterwegs. Zeitweise kam der Verkehr in Gelsenkirchen nahezu zum Stillstand, sogar der Straßenbahnverkehr musste vorübergehend eingestellt werden. Laut Polizei blieb die Stimmung bis tief in die Nacht hinein ausgelassen, aber friedlich.
Sportlich ein verdienter Aufstieg
Auch aus sportlicher Sicht ist die Bundesliga-Rückkehr verdient. Schalke sammelte bereits 20 Ligasiege, stand seit dem 13. Spieltag fast durchgängig an der Spitze und verlor im Jahr 2026 bislang nur ein einziges Pflichtspiel.
Torwart Loris Karius sprach von einem der größten Momente seiner Karriere und stellte klar, dass dieser Aufstieg für ihn alles überrage. Trainer Miron Muslic zeigte sich ebenfalls hoch emotional. Bei der Pressekonferenz bekam er von seinen Spielern die obligatorische Bierdusche verpasst.
Traditionsclub mit großer Anziehungskraft
Mit mehr als 200.000 Mitgliedern weltweit zählt Schalke 04 zu den größten Vereinen überhaupt und ist der sechstgrößte Club. Über viele Jahre gehörten die Königsblauen zum festen Inventar der Bundesliga. Doch der hoch verschuldete Verein geriet sportlich immer weiter ins Straucheln, nach dem Abstieg 2023 drohte zwischenzeitlich sogar der Fall in die 3. Liga.
Kapitän Karaman erinnerte daran, wie schwierig die vergangenen beiden Jahre gewesen seien. Umso größer ist nun die Erleichterung auf Schalke.
Auch die Bundesliga kann sich auf die Rückkehr eines großen Traditionsvereins freuen. Borussia Dortmund gratulierte dem Reviernachbarn in den sozialen Medien allerdings mit einem gewohnt spöttischen Unterton: Auf einem Foto zog ein Kleinflugzeug ein Banner mit der Aufschrift: "Fast hätten wir euch vermisst!"
Muslic als Schlüsselfigur
Großen Anteil am Erfolg hat Trainer Miron Muslic. Sein Vertrag verlängerte sich durch den Aufstieg automatisch bis 2028. Der 43-Jährige war erst im vergangenen Sommer verpflichtet worden und formte aus einer verunsicherten Mannschaft ein Aufstiegsteam.
Verteidiger Timo Becker lobte besonders, dass Muslic dem Verein wieder ein klares Gesicht und eine erkennbare Identität gegeben habe.
Baumann stellte die Weichen
Entdeckt wurde Muslic von Sportvorstand Frank Baumann. Auch Baumann ist noch nicht lange im Amt, stellte aber mit mehreren guten Entscheidungen die Grundlage für den Aufschwung. Dass Schalke nun tatsächlich aufgestiegen ist, kam für den früheren Nationalspieler nicht völlig überraschend.
Er verwies darauf, dass die 2. Bundesliga sehr ausgeglichen sei. Wer in einen positiven Lauf komme und in entscheidenden Momenten die richtigen Entscheidungen treffe, könne ganz oben mitspielen und am Ende aufsteigen.
Die Herausforderungen bleiben groß
Trotz aller Euphorie wird die kommende Bundesliga-Saison für Schalke schwierig. Die wirtschaftliche Situation des Clubs bleibt angespannt, mögliche Abgänge stehen im Raum, und für große Transfers fehlt weiterhin das Geld.
Offen ist zudem die Zukunft von Stürmer Edin Dzeko. Der Vertrag des 40-Jährigen läuft aus. Timo Becker hatte dazu nach dem Spiel eine humorvolle Idee: Mit viel Bier und vielleicht auch ein paar Sliwowitz wolle er schon noch versuchen, den Angreifer zum Bleiben zu überreden.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion