Der FC Bayern hat beim engagierten Aufsteiger FC Schalke 04 überraschend Punkte liegen lassen. In Gelsenkirchen kamen die Münchner nicht über ein 0:0 hinaus und verpassten damit den erhofften elften Bundesliga-Sieg in Serie gegen die Königsblauen. Auch die Rückkehr von Nationalspieler Jamal Musiala änderte nichts am kleinen Dämpfer für den Rekordmeister.
Nach dem Abpfiff war der Frust bei den Gästen spürbar. Harry Kane beschwerte sich wegen des schnellen Schlusspfiffs bei Schiedsrichter Robert Schröder, während die Schalker Fans den Punktgewinn in der ausverkauften Veltins-Arena frenetisch feierten. Sprechchöre gegen die Bayern unterstrichen, wie groß die Freude über das Remis war.
Trotz klarer statistischer Überlegenheit mit 74 Prozent Ballbesitz und 11:0 Ecken fanden die Münchner keinen Weg durch die leidenschaftlich verteidigende Schalker Mannschaft. Die Gastgeber warfen sich in Schüsse und Zweikämpfe und hielten das torlose Unentschieden mit großem Einsatz fest.
Neuer im Fokus vor dem Anpfiff
Schon vor dem Spiel stand beim FC Bayern vor allem Manuel Neuer im Mittelpunkt. Der Torhüter, der auf Schalke ausgebildet wurde, wurde bei seinem womöglich letzten Auftritt in seiner alten sportlichen Heimat bereits beim Warmmachen mit Pfiffen und Sprechchören empfangen. Zuvor hatte der Weltmeister von 2014 noch betont, dass er sich auf die Rückkehr in die Veltins-Arena freue.
Nach der Partie zeigte sich Neuer trotz des verpassten Sieges bewegt. Er sprach davon, die Rückkehr genossen zu haben, verwies auf seine 20 Jahre bei Schalke und darauf, dass auch seine Familie im Stadion war. Entscheidend für das Remis sei aus seiner Sicht Schalkes Torhüter Loris Karius gewesen, der drei große Chancen entschärft habe.
Zusätzlich kehrte Musiala nach zwei Zusammenbrüchen in der Saisonvorbereitung wieder in den Kader zurück und kam ab der 57. Minute zum Einsatz. Allerdings mussten Neuer, Musiala und ihre Teamkollegen beim ersten Bundesliga-Auswärtsspiel der Saison mit eingeschränkter Unterstützung aus dem eigenen Lager auskommen. Die aktive Fanszene der Münchner blieb der Partie fern. Berichten zufolge war es vor dem Anpfiff zu einem Zwischenfall mit Schalker Anhängern gekommen.
Bayern dominiert zunächst
Die Münchner, die zunächst ohne Harry Kane und Michael Olise in der Anfangsformation aufliefen, bestimmten die ersten Minuten klar. Mit viel Ballbesitz suchte die Mannschaft geduldig nach Räumen gegen die tief stehende Schalker Defensive. Der erste Abschluss gehörte Lennart Karl, dessen Distanzschuss in der 2. Minute jedoch kein Problem für Loris Karius darstellte.
Es blieb nicht bei diesem einen Versuch: Vor allem in der Anfangsviertelstunde drängte Bayern auf die Führung. Eine scharf getretene Hereingabe von Alphonso Davies in der 8. Minute wurde beinahe selbst gefährlich und strich knapp am Tor vorbei. Kurz darauf scheiterte Nathaniel Brown nach Vorlage von Aleksandar Pavlović aus kurzer Distanz ebenfalls am stark reagierenden Karius.
Schalke findet besser ins Spiel
Nach der druckvollen Anfangsphase gelang es den Schalkern immer besser, sich zu befreien und das Geschehen weiter vom eigenen Strafraum fernzuhalten. Das Team von Trainer Miron Muslic stellte den Bayern mit seiner intensiven Spielweise zunehmend Probleme. Zweimal reklamierten die Gastgeber in der 24. Minute Elfmeter – einmal nach einem möglichen Handspiel von Dayot Upamecano, dann nach einem Zweikampf zwischen Davies und Dina Ebimbe. Schiedsrichter Robert Schröder ließ jedoch in beiden Fällen weiterspielen. Einen Freistoß von Adil Aouchiche aus aussichtsreicher Position entschärfte Neuer in der 35. Minute.
Auf Schalker Seite wurde der Auftritt nach dem Spiel entsprechend gewürdigt. Robin Gosens lobte die Laufbereitschaft und den Aufwand seiner Mannschaft, die aus seiner Sicht in jeder Szene den Extra-Meter gegangen sei. Auch Karius stellte weniger seine Paraden als die Arbeit seiner Vorderleute heraus, die den Bayern mit großem Kampf viele Möglichkeiten genommen hätten.
Kompany wechselt nach der Pause offensiv
Zu Beginn der zweiten Halbzeit reagierte Bayern-Coach Vincent Kompany und brachte mit Harry Kane, Michael Olise und Jamal Musiala gleich drei Offensivkräfte. Dadurch verlagerte sich das Spiel wieder stärker in Richtung Schalker Tor. Dennoch fand Bayern auch mit dem neuen Personal kaum Lücken gegen die kompakte Abwehr der Gastgeber.
Große Chancen blieben selten. Konrad Laimer traf in der 63. Minute aus spitzem Winkel nur das Außennetz, wenig später wurde ein flacher Abschluss von Luiz Diaz aus kurzer Distanz noch geblockt.
Karius hält den Punkt fest
In der Schlussphase erhöhte Bayern noch einmal den Druck, doch Schalke verteidigte mit großem Einsatz und warf sich in jeden Zweikampf. Kurz vor dem Ende bewahrte Loris Karius seine Mannschaft mit einer starken Parade gegen einen Distanzschuss von Kane in der 86. Minute endgültig vor dem Gegentor. So blieb es beim torlosen Remis, das sich für Schalke wie ein Sieg anfühlte.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber