Neuer steigt ins DFB-Teamtraining ein – Nagelsmann setzt vor WM-Start auf seine „Aura“
Beim öffentlichen Training der deutschen Nationalmannschaft in Winston-Salem hat Manuel Neuer ein starkes Zeichen gesetzt. Sechs Tage vor dem WM-Auftakt gegen Curaçao absolvierte der 40 Jahre alte Torhüter wieder das komplette Mannschaftstraining.
Die Einheit im W. Dennie Spry Stadium war sportlich vor allem wegen Neuers Rückkehr bedeutsam. 23 Tage nach seiner erneuten Verletzung an der linken Wade trainierte der Bayern-Kapitän ohne erkennbare Einschränkungen mit Oliver Baumann, Alexander Nübel und Jonas Urbig. Dabei zeigte sich der Routinier voll belastbar, warf sich nach beiden Seiten, pflückte Flanken aus der Luft und schoss sogar mehrfach mit dem linken Fuß kraftvoll aufs Tor.
Comeback gegen Curaçao rückt näher
Damit scheint ein DFB-Comeback des langjährigen Nationalkeepers nach zwei Jahren ohne Länderspiel in Reichweite. Nagelsmann hatte bereits nach dem 2:1 im Test gegen die USA angekündigt, dass Neuer nach der Ankunft im WM-Quartier wieder ins Teamtraining einsteigen und gegen Curaçao spielen soll.
Für den Bundestrainer ist ein Kaltstart kein besonderes Risiko. Nagelsmann setzt auf die besondere Wirkung des Schlussmanns. „Manuel umgibt eine Aura. Er hat schon alles erlebt“, sagte der 38-Jährige. Zweifel wegen fehlender Spielpraxis oder möglicher Abstimmungsprobleme mit der Abwehr wies er zurück. Neuer brauche nicht viele Testspiele, um in den Rhythmus zu finden. WM-Neuling Curaçao gilt dabei als passender Gegner für den Wiedereinstieg.
Dennoch bleibt die linke Wade unter Beobachtung. Nach mehreren Rückschlägen in diesem Jahr muss die Problemstelle in den kommenden Tagen noch weiteren Belastungstests standhalten.
Auch alle anderen Spieler auf dem Platz
Neben Neuer waren bei der rund 45 Minuten langen Einheit auch alle weiteren verfügbaren Spieler dabei. Nach dem Ausfall von Lennart Karl stand dabei erstmals der nachnominierte Leipziger Assan Ouédraogo mit der Mannschaft auf dem Trainingsplatz.
Die erste Einheit nach der Anreise war insgesamt eher locker angelegt und diente auch dazu, sich den Fans zu zeigen. Beim Abschlussspiel trafen Kai Havertz und Deniz Undav, was den rund 3.000 Zuschauern zusätzlichen Grund zum Jubeln gab.
Langes Vier-Augen-Gespräch zwischen Nagelsmann und Kimmich
Auffällig war vor allem ein fast halbstündiges Gespräch zwischen Julian Nagelsmann und Joshua Kimmich. Während die übrigen Spieler längst zu den Fans gegangen waren, unterhielten sich Bundestrainer und Kapitän weiter auf dem Platz.
Worum es konkret ging, blieb offen. Das Gespräch wirkte jedoch vertraut, zwischenzeitlich wurde auch gelacht. Der Eindruck war eindeutig: Kimmich ist für Nagelsmann der wichtigste Ansprechpartner im Team und steht in der Hierarchie sehr weit oben. Der 31-Jährige führt die Nationalmannschaft bei seiner dritten WM-Teilnahme erstmals als Kapitän an.
Auch der zurückgekehrte Teamsenior Neuer ändert nichts daran, dass Kimmich intern eine zentrale Rolle einnimmt.
Nahbar für die Fans in Winston-Salem
Nach dem Training nahm sich die Mannschaft viel Zeit für Autogramme und Selfies. Die deutschen Nationalspieler erfüllten den Fans fast eine Stunde lang geduldig ihre Wünsche.
Schon bei der Ankunft in Winston-Salem war das Team begeistert empfangen worden. Nach der Landung auf dem Smith Reynolds Airport lief die DFB-Auswahl nach kurzer Busfahrt unter lautem Jubel durch ein Spalier von Mitarbeitern ins Teamhotel. Auf Plakaten standen unter anderem „Viel Erfolg“ und „Auf geht’s Deutschland“, Cheerleader mit schwarz-rot-goldenen Pompons sorgten für amerikanisches Flair. Neuer hielt die Szene mit dem Handy fest.
Die Sportanlagen auf dem Campus der Wake Forest University und das Teamhotel The Graylyn Estate sollen dem DFB-Tross im Idealfall für fast sechs Wochen als WM-Heimat dienen.
Neuendorf: Winston-Salem war die erste Wahl
Vor dem Trainingsauftakt begrüßte DFB-Präsident Bernd Neuendorf die Zuschauer auf Englisch und sprach von einem überwältigenden Empfang. Besonders großen Applaus erhielt er für die Aussage, Winston-Salem sei die Nummer-eins-Wahl als WM-Quartier gewesen.
Als entscheidend bezeichnete Neuendorf das Gesamtpaket aus Trainingsbedingungen und Unterkunft. Das kam beim Publikum gut an: Die 3.000 kostenlosen Eintrittskarten für die öffentliche Einheit waren innerhalb weniger Minuten vergriffen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion