Politik

Warum die Staatsregierung Mittelschulen jetzt umbaut

Mehr Förderung, mehr Praxis, mehr Chancen: Bayern will die Mittelschule stärken. Doch kann Stolz’ Plan wirklich reichen?

12.05.2026, 12:18 Uhr

Bayern will Mittelschulen mit mehr Freiraum und Praxisbezug stärken

Die bayerischen Mittelschulen sollen nach dem Willen der Staatsregierung attraktiver werden. Geplant sind mehr individuelle Förderung, flexiblere Stundentafeln sowie ein weiterer Ausbau von Projektarbeit und Berufsorientierung. Darauf verständigte sich das Kabinett in München. Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) stellte die Vorhaben anschließend vor.

Künftig sollen Mittelschulen mehr pädagogische Flexibilität erhalten, um Basiskompetenzen gezielt zu stärken. Auch jahrgangsübergreifendes Lernen soll ausgebaut werden. Zudem sollen die Schulen bei der Umsetzung der Stundentafel mehr Spielraum bekommen, damit Schülerinnen und Schüler vor allem in Deutsch, Mathematik und Englisch noch passgenauer unterstützt werden können.

Kein Fach soll wegfallen

Nach den Worten von Stolz können Schulen zusätzliche Zeit gezielt dort einsetzen, wo besonderer Förderbedarf besteht. Zugleich betonte sie, dass kein Fach gestrichen und keines abgewertet werde. Die Stundenanteile, aus denen Zeit verlagert werden kann, sollen vielmehr regelmäßig zwischen den Fächern wechseln.

Für die Jahrgangsstufen 7 bis 9 ist außerdem ein integrierter M-Zug als Modellversuch vorgesehen. Leistungsstarke Jugendliche sollen damit nach zehn Schuljahren den mittleren Schulabschluss erreichen können. Ziel ist es, zusätzliche Wege zu diesem Abschluss zu eröffnen und zugleich die Mittelschulstandorte zu stärken.

Mehr Praxisbezug und frühere Projektarbeit

Auch die Berufsorientierung soll weiter ausgebaut werden. Projektarbeit soll künftig bereits ab der 5. Klasse systematisch eingesetzt und stärker als Leistungsnachweis berücksichtigt werden. In ausgewählten Fächern sollen Abschlussprüfungen außerdem praxisnäher gestaltet werden. Zusätzliche Intensivpraktika sollen die Berufsorientierung ebenfalls stärken.

Stolz bezeichnete die Mittelschule als starke Schulart und als Rückgrat der beruflichen Bildung in Bayern. Nach ihren Angaben besucht etwa jeder vierte Schüler nach der Grundschule eine Mittelschule – das seien landesweit mehr als 200.000 Kinder und Jugendliche.

Zugleich kritisierte die Ministerin, Bildungserfolg werde noch zu oft mit dem Besuch eines Gymnasiums gleichgesetzt. Das werde der Bildungsrealität in Bayern nicht gerecht, sagte sie. Es brauche alle Schularten.

Ministerin verweist auf bestehende Herausforderungen

Stolz räumte zugleich Herausforderungen an den Mittelschulen ein. Sie verwies auf mehr herausforderndes Verhalten, eine immer heterogenere Schülerschaft und Rückgänge bei grundlegenden Kompetenzen wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Deshalb seien neue Impulse nötig, um die Schulart weiter zu stärken und zukunftsfest aufzustellen.

Trotz der Pläne gibt es Zweifel, ob die Maßnahmen ausreichen. Vor allem aus der Opposition kam zuletzt Kritik. Mehrere Fraktionen verwiesen auf fehlendes Personal an den Schulen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen