Politik

US-Kreise: Zeigt Livestream eine Militärhinrichtung?

Live aus Texas: Die Hinrichtung eines Attentäters soll gestreamt werden – selbst das Pentagon bestätigt den brisanten Plan.

09.10.2026, 00:25 Uhr

Die für Anfang Dezember geplante Erschießung des zum Tode verurteilten Attentäters Nidal Hasan auf einem Militärstützpunkt im US-Bundesstaat Texas soll per Livestream übertragen werden. Das bestätigte ein Pentagon-Beamter der Deutschen Presse-Agentur.

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte zuvor erklärt, die von Präsident Donald Trump genehmigte Exekution des früheren Militärpsychiaters solle öffentlich stattfinden. Dem rechtskonservativen Sender Real America’s Voice sagte Hegseth, man werde sicherstellen, dass Menschen die Hinrichtung beobachten könnten. Aus seiner Sicht müssten solche Taten sichtbar harte Konsequenzen haben.

Die Exekution ist nach aktuellem Stand für den 3. Dezember auf dem Militärstützpunkt Fort Hood in Texas vorgesehen. Hasan hatte dort 2009 das Feuer eröffnet und 13 Menschen getötet sowie 32 weitere verletzt. Ein Militärgericht verurteilte ihn 2013 zum Tode.

Hinrichtungen in den USA erneut im Mittelpunkt

Trumps Zustimmung zu der Exekution erfolgte erst vor Kurzem – nur wenige Tage nach einem gescheiterten Hinrichtungsversuch im Bundesstaat Tennessee. Dort überlebte die wegen Mordes verurteilte Christa Pike nach Behördenangaben trotz zweier verabreichter Dosen Pentobarbital. Der Fall hat die Debatte über die Todesstrafe in den USA erneut angefacht.

Sollte das Urteil gegen Hasan vollstreckt werden, wäre es laut US-Medien zugleich die erste Hinrichtung auf Bundesebene seit Januar 2021. Damals wurden in den letzten Wochen von Trumps erster Amtszeit 13 Häftlinge exekutiert.

Erste Militärhinrichtung seit Jahrzehnten

Nach US-Medien wäre die Tötung Hasans die erste Militärhinrichtung in den USA seit mehr als 60 Jahren. Die letzte vom US-Militär vollstreckte Exekution eines Armeeangehörigen fand demnach 1961 statt. Die letzte Hinrichtung durch ein Erschießungskommando des US-Militärs liegt noch weiter zurück und datiert auf 1945.

Öffentliche Erschießungen wurden in den USA unter anderem während des Amerikanischen Bürgerkriegs im 19. Jahrhundert als Abschreckung eingesetzt. Die letzte allgemein öffentliche Hinrichtung in den Vereinigten Staaten liegt noch länger zurück: 1936 wurde in Kentucky ein Mann vor Tausenden Zuschauern gehängt.

Kritik an öffentlicher Vollstreckung

Falls die USA tatsächlich wieder eine öffentliche Hinrichtung durchführen, würde das das Land in die Nähe von Staaten rücken, deren Vorgehen Washington sonst oft kritisiert. Nach Angaben von Amnesty International gab es im vergangenen Jahr weltweit mindestens 17 öffentliche Hinrichtungen – sechs in Afghanistan und elf im Iran.

Eine per Livestream übertragene Exekution wirft zudem neue Fragen auf: etwa, welches Signal die Trump-Regierung damit senden will und ob es Beschränkungen geben wird, damit etwa Kinder keinen Zugang zu den Bildern erhalten.

Das Massaker von Fort Hood

Hasan war 2009 als Psychiater des US-Heeres auf dem Stützpunkt Fort Hood stationiert. Bei dem Angriff tötete er zwölf Soldaten und einen Zivilisten und verletzte Dutzende weitere Menschen, bevor er selbst angeschossen und festgenommen wurde.

US-Medien zufolge erklärte Hasan später, er habe die Tat im Namen des Dschihads begangen. Die Kriege in Afghanistan und im Irak habe er als illegal bezeichnet. Nach Berichten wurde Hasan in den USA als Sohn palästinensischer Eltern geboren und soll sich vor dem Anschlag zunehmend radikalisiert haben.

Für das Attentat wurde er 2013 von einem Militärgericht zum Tode verurteilt. Laut US-Medien zeigte er keine Reue und soll geäußert haben, lieber bei dem Anschlag selbst gestorben zu sein, um als Märtyrer zu gelten. Hasan ist demnach einer von vier Todeskandidaten im Militärjustizsystem.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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