Ukraine

Kiew im Visier: Putins Attacken

Selenskyj warnte – kurz darauf bebte Kiew: In der Nacht waren überall Explosionen zu hören. Was steckt hinter dem Angriff?

07.10.2026, 03:29 Uhr

Russlands kombinierter Herbstangriff auf die Ukraine: mindestens 25 Tote, Pryluky besonders schwer getroffen

Russland hat die Ukraine in diesem Herbst erstmals mit einem groß angelegten kombinierten Angriff aus ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Kampfdrohnen überzogen. In mehreren Regionen gab es Tote, mehr als 100 Verletzte und schwere Schäden. Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach am Abend von mindestens 25 Toten.

Viele Explosionen in Kiew

Ein Schwerpunkt der Angriffe war nach Behördenangaben und Medienberichten die ukrainische Hauptstadt Kiew. Das Portal Kyiv Independent berichtete von zahlreichen Explosionen in den frühen Morgenstunden. Ein Reporter schilderte, eine Rakete sei nach der anderen eingeschlagen; er habe mindestens zehn bis zwölf Detonationen gezählt. Vor allem im Zentrum sei der Lärm erheblich gewesen.

Bürgermeister Vitali Klitschko sprach zunächst von mindestens zwei Toten. Sie seien in den Trümmern von Garagen im östlichen Stadtteil Darnyzja entdeckt worden. Zwei weitere Menschen seien dort lebend gerettet worden. Im Bezirk Obolon wurden nach seinen Angaben Gebäude getroffen, die nicht als Wohnhäuser genutzt werden. Im Stadtteil Podil wurden Lagerhallen beschädigt. Am Nachmittag kam bei einem weiteren russischen Angriff noch ein weiterer Mensch ums Leben.

Mindestens 19 Tote in Pryluky

Besonders schwer traf es die Stadt Pryluky im Gebiet Tschernihiw, rund 120 Kilometer östlich von Kiew. Nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj kamen dort mindestens 19 Menschen ums Leben, 55 weitere wurden verletzt. Unter den Toten seien auch fünf Kinder, fünf weitere Kinder seien verletzt worden.

Getroffen wurde ein fünfstöckiger Wohnblock. Unter den Trümmern wurden weiterhin Verschüttete vermutet.

Auch aus Krementschuk wurden nach einem russischen Drohnenangriff 47 Verletzte gemeldet. In der zentralukrainischen Oblast Kirowohrad starben bei einem Angriff auf einen nicht näher bezeichneten Betrieb zwei Menschen, drei weitere wurden verletzt.

Auch die Industriestädte Dnipro und Saporischschja wurden nach ukrainischen Angaben massiv beschossen. Tote wurden zudem aus der zentralukrainischen Stadt Olexandrija gemeldet.

Selenskyj spricht von „Geburtstagsgeschenk für Putin“

Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete den Angriff als „Geburtstagsgeschenk für Putin“. Der russische Staatschef Wladimir Putin, der den Krieg gegen die Ukraine befohlen hatte, wurde am Mittwoch 74 Jahre alt. Das Datum fällt zugleich auf den 20. Todestag der kremlkritischen Journalistin Anna Politkowskaja, die 2006 in Moskau ermordet wurde.

Hauptziel der russischen Angriffe sei die ukrainische Energieinfrastruktur gewesen, schrieb Selenskyj auf X. In der Ukraine wächst die Sorge, dass Russland wie in den vergangenen Wintern erneut versuchen könnte, die Energieversorgung des Landes lahmzulegen.

Das russische Militär erklärte in Moskau, Produktionsstätten des Raketen- und Drohnenbauers Fire Point in Kiew und anderen Städten angegriffen zu haben.

70 Raketen und Marschflugkörper abgefeuert

Nach Angaben Selenskyjs setzten die russischen Streitkräfte 70 ballistische Raketen und Marschflugkörper verschiedener Typen ein. Die ukrainische Luftwaffe teilte mit, 39 davon seien abgefangen worden.

Selenskyj sprach zugleich von ukrainischen Gegenangriffen auf russische Ölanlagen und weitere Ziele in Perm, Samara und Astrachan. Zudem veröffentlichte er ein Video eines Öltankers auf dem Schwarzen Meer vor Sotschi, der am Vortag in Brand geraten war.

Die Ukraine wehrt sich seit über viereinhalb Jahren gegen die Invasion russischer Streitkräfte.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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