Schüsse beim Korrespondenten-Dinner in Washington
Ein festlicher Abend in der US-Hauptstadt ist am Sonntag in Chaos umgeschlagen: Beim White House Correspondents‘ Dinner in Washington versuchte ein schwer bewaffneter Mann, in den Veranstaltungssaal zu gelangen. Sicherheitskräfte stoppten ihn nach einem Schusswechsel. Unter den Gästen befanden sich US-Präsident Donald Trump, First Lady Melania Trump und zahlreiche Kabinettsmitglieder.
Nach bisherigen Angaben blieb das Publikum unverletzt. Ein Beamter des Secret Service wurde angeschossen, konnte das Krankenhaus inzwischen aber wieder verlassen.
Was bislang bekannt ist
Nach ersten Erkenntnissen stürmte der Angreifer gegen 20.30 Uhr durch eine Zugangsschleuse des Secret Service. Dabei fielen Schüsse. Trump veröffentlichte später in sozialen Netzwerken ein Video, das den mutmaßlichen Täter zeigen soll, wie er an Beamten vorbeirennt, bevor diese das Feuer eröffnen.
Der Mann war den Angaben zufolge mit einer Schrotflinte, einer Handfeuerwaffe und mehreren Messern ausgerüstet. Ein Secret-Service-Beamter wurde laut Trump von mindestens einem Projektil getroffen. Seine Schutzweste verhinderte demnach schwerere Verletzungen. Bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus sagte Trump, er habe mit dem Beamten gesprochen, und es gehe ihm gut.
Der stellvertretende Direktor des Secret Service, Matthew Quinn, bezeichnete den Verdächtigen als Feigling, der versucht habe, eine „nationale Tragödie“ auszulösen. Zugleich sagte er, der Mann habe die Sicherheitsvorkehrungen des Secret Service unterschätzt. Unter Gästen gab es nach dem Vorfall allerdings auch Kritik an den Sicherheitsabläufen und die Frage, wie der Bewaffnete überhaupt so weit kommen konnte.
Der Verdächtige wurde festgenommen, ohne selbst von Kugeln getroffen worden zu sein. Auf Bildern war zu sehen, wie bewaffnete Einsatzkräfte einen am Boden liegenden Mann umstellten. Trump erklärte, der Festgenommene stamme aus Kalifornien. Er nannte ihn später einen „Möchtegern-Attentäter“ und sagte, es handle sich um einen „sehr kranken Menschen“. Mehrere US-Medien berichten, der Mann sei 31 Jahre alt. Offizielle Angaben zu seiner Identität lagen zunächst nicht vor.
Sowohl Trump als auch die Sicherheitsbehörden gehen derzeit von einem Einzeltäter aus. Das Motiv ist weiterhin unklar. Auf die Frage, ob es einen Zusammenhang mit dem Iran-Krieg geben könnte, sagte Trump, er halte das nicht für wahrscheinlich, ausschließen lasse sich aber nichts.
Der mutmaßliche Täter kam nach dem Vorfall zur Untersuchung in ein Krankenhaus, wurde inzwischen vernommen und soll am Montag einem Richter vorgeführt werden.
Trump ruft zu Mäßigung auf
Sichtlich mitgenommen wandte sich Trump nach dem Zwischenfall an die Öffentlichkeit. Er appellierte an die Amerikaner, politische und gesellschaftliche Konflikte friedlich zu lösen.
„Angesichts der Ereignisse dieses Abends rufe ich alle Amerikaner dazu auf, sich von Herzen dafür einzusetzen, unsere Differenzen friedlich beizulegen. Wir müssen unsere Differenzen beilegen.“
Schüsse während der Vorspeise
Das traditionsreiche Dinner hatte gerade erst begonnen. Den Gästen war nach Berichten vor Ort gerade die Vorspeise serviert worden, als plötzlich Unruhe im Saal ausbrach. Eine dpa-Reporterin berichtete, sie habe Rufe wie „Runter! Runter!“ gehört; einige Anwesende seien ziemlich panisch gewesen.
Viele Gäste warfen sich auf den Boden oder suchten Schutz unter den Tischen. Minutenlang harrten sie dort aus, einige sichtlich unter Schock.
Als sich die Lage etwas beruhigte, war der Ehrentisch bereits geräumt. Dort hatten kurz zuvor unter anderem Donald und Melania Trump, Vizepräsident JD Vance und Sprecherin Karoline Leavitt gesessen. Schwer bewaffnete Sicherheitskräfte sicherten den Raum. Reporter in der Nähe der Saaltüren berichteten von mehreren lauten Schussgeräuschen.
Gala wurde nicht fortgesetzt
Mehrfach war zunächst angekündigt worden, das Abendprogramm bald wieder aufzunehmen. Auch Trump sprach sich in einem Post kurz nach dem Angriff dafür aus. Letztlich wurde die Veranstaltung jedoch nicht fortgesetzt.
Stattdessen teilte die Vorsitzende der Korrespondenten-Vereinigung, Weijia Jiang, mit, Trump werde innerhalb von 30 Minuten im Weißen Haus vor die Presse treten. „Das ist kein Scherz“, sagte sie unter Gelächter im Saal. Kurz darauf versammelten sich Trump, mehrere Kabinettsmitglieder und zahlreiche Journalisten im Briefing-Raum des Weißen Hauses – viele von ihnen noch in Abendgarderobe.
Nach Angaben der Sicherheitsbehörden war der Verdächtige Gast im Hilton Hotel, in dem die Veranstaltung stattfand. Für den Zugang zum Hotel selbst mussten Besucher demnach noch keine Sicherheitsschleuse passieren. Erst vor dem Ballsaal wurden Taschen kontrolliert und die Gäste durch Metalldetektoren geleitet.
Erinnerungen an frühere Attentate
Der Vorfall im Hilton ruft Erinnerungen an ein schweres Attentat wach: Vor 45 Jahren wurde in demselben Hotel ein Anschlag auf den damaligen Präsidenten Ronald Reagan verübt, den dieser schwer verletzt überlebte.
Auch Trump selbst war bereits mehrfach Ziel von Attentatsversuchen. Im Sommer 2024 wurde er bei einer Wahlkampfveranstaltung in Butler, Pennsylvania, durch einen Schuss leicht am Ohr verletzt. Ein Besucher starb, zwei weitere Menschen wurden verletzt. Der Täter wurde damals von Sicherheitskräften getötet.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion