Politik

Schüsse in Washington: Wollte der Täter zu Trump?

Schon wieder Schüsse rund um Donald Trump: Ein bewaffneter Mann soll mit einer Schrotflinte einen Galaabend in Washington ins Visier genommen haben – doch kurz vor dem Zugriff wird er gestoppt.

26.04.2026, 07:49 Uhr

Schüsse beim Korrespondenten-Dinner in Washington

Ein Gala-Abend in der US-Hauptstadt ist in Chaos umgeschlagen: Beim White House Correspondents‘ Dinner in Washington versuchte ein schwer bewaffneter Mann am Samstagabend (Ortszeit), in den Veranstaltungssaal zu stürmen. Sicherheitskräfte stoppten und überwältigten den 31-Jährigen nach einem Schusswechsel. Unter den Gästen befanden sich US-Präsident Donald Trump, First Lady Melania Trump und zahlreiche Kabinettsmitglieder.

Nach bisherigen Angaben blieb das Publikum unverletzt. Ein Beamter des Secret Service wurde angeschossen, konnte das Krankenhaus aber später wieder verlassen. Trump wurde nach Angaben aus seinem Umfeld von seinen Personenschützern in Sicherheit gebracht.

Ermittler suchen nach Motiv und Ziel

Die Ermittler versuchen weiter, das Motiv und das konkrete Ziel des Verdächtigen zu klären. Nach ersten Erkenntnissen gehe man davon aus, dass der mutmaßliche Schütze Mitglieder der Regierung ins Visier genommen habe, sagte Justizminister Todd Blanche. Ob Trump selbst das eigentliche Ziel war, werde noch geprüft. Erschwert werden die Ermittlungen demnach dadurch, dass der Verdächtige nicht mit den Behörden kooperiert.

Regierungssprecherin Karoline Leavitt wertete den Vorfall als Mordversuch an Trump.

Verdächtiger soll am Montag vor Gericht erscheinen

Gegen den mutmaßlichen Angreifer laufen bereits Ermittlungen. Mehrere US-Medien berichten übereinstimmend, dass es sich um einen 31-Jährigen aus Südkalifornien handeln soll. Demnach soll der Mann laut einem ihm zugeschriebenen LinkedIn-Profil unter anderem als Lehrer und Entwickler von Videospielen gearbeitet haben.

In der Nacht zum Sonntag Ortszeit durchsuchte das FBI das Wohnhaus des Verdächtigen in Torrance, einem Vorort südwestlich von Los Angeles. Am Montag soll der Mann in Washington vor Gericht erscheinen.

Was bislang bekannt ist

Nach ersten Erkenntnissen stürmte der Angreifer durch eine Zugangsschleuse des Secret Service. Dabei fielen Schüsse. Der Mann war den Angaben zufolge mit einer Schrotflinte, einer Handfeuerwaffe und mehreren Messern ausgerüstet.

Ein Secret-Service-Beamter wurde laut Trump von mindestens einem Projektil getroffen. Seine Schutzweste verhinderte demnach schwerere Verletzungen. Bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus sagte Trump, er habe mit dem Beamten gesprochen, und es gehe ihm gut.

Der stellvertretende Direktor des Secret Service, Matthew Quinn, bezeichnete den Verdächtigen als Feigling, der versucht habe, eine „nationale Tragödie“ auszulösen. Zugleich sagte er, der Mann habe die Sicherheitsvorkehrungen des Secret Service unterschätzt. Unter Gästen gab es nach dem Vorfall allerdings auch Kritik an den Sicherheitsabläufen und die Frage, wie der Bewaffnete überhaupt so weit kommen konnte.

Der Verdächtige wurde festgenommen, ohne selbst von Kugeln getroffen worden zu sein. Trump nannte ihn später einen „Möchtegern-Attentäter“. Außerdem sprach er von einem „kranken Menschen“ und einem „sehr kranken Menschen“.

Trump spricht von Manifest mit antichristlichen Ansichten

Trump sagte später dem Sender Fox News, der Verdächtige habe ein Manifest mit antichristlichen Ansichten verfasst. „Wenn man sein Manifest liest, merkt man, dass er Christen hasst. Das steht fest, er hasst Christen“, sagte der Präsident. Weitere Details nannte Trump zunächst nicht.

Nach seinen Angaben hätten zudem Familienmitglieder wegen dieser Ansichten bereits Hinweise an Sicherheitsbehörden gegeben. Trump bezeichnete den Mann außerdem als „verrückten Typen“.

Unabhängig davon bleibt das Motiv offiziell weiter unklar.

Trump ruft zu Mäßigung auf

Sichtlich mitgenommen wandte sich Trump nach dem Zwischenfall an die Öffentlichkeit. Er appellierte an die Amerikaner, politische und gesellschaftliche Konflikte friedlich zu lösen.

„Angesichts der Ereignisse dieses Abends rufe ich alle Amerikaner dazu auf, sich von Herzen dafür einzusetzen, unsere Differenzen friedlich beizulegen. Wir müssen unsere Differenzen beilegen.“

Schüsse während der Vorspeise

Das traditionsreiche Dinner hatte gerade erst begonnen. Den Gästen war nach Berichten vor Ort gerade Burrata mit jungen Erbsen als Vorspeise serviert worden, als plötzlich Unruhe im Saal ausbrach. Eine dpa-Reporterin berichtete, sie habe Rufe wie „Runter! Runter!“ gehört; einige Anwesende seien ziemlich panisch gewesen.

Viele Gäste warfen sich auf den Boden oder suchten Schutz unter den Tischen. Minutenlang harrten sie dort aus, einige sichtlich unter Schock.

Als sich die Lage etwas beruhigte, war der Ehrentisch bereits geräumt. Dort hatten kurz zuvor unter anderem Donald und Melania Trump, Vizepräsident JD Vance und Sprecherin Karoline Leavitt gesessen. Schwer bewaffnete Sicherheitskräfte sicherten den Raum. Reporter in der Nähe der Saaltüren berichteten von mehreren lauten Schussgeräuschen.

Gala wurde nicht fortgesetzt

Mehrfach war zunächst angekündigt worden, das Abendprogramm bald wieder aufzunehmen. Auch Trump sprach sich in einem Post kurz nach dem Angriff dafür aus. Letztlich wurde die Veranstaltung jedoch nicht fortgesetzt. Trump und die Organisatoren drängten darauf, die Gala zu einem späteren Zeitpunkt neu anzusetzen.

Stattdessen kamen Trump, mehrere Kabinettsmitglieder und zahlreiche Journalisten wenig später im Briefing-Raum des Weißen Hauses zusammen – viele von ihnen noch in Abendgarderobe.

Nach Angaben der Sicherheitsbehörden war der Verdächtige Gast im Hilton Hotel, in dem die Veranstaltung stattfand. Für den Zugang zum Hotel selbst mussten Besucher demnach noch keine Sicherheitsschleuse passieren. Erst vor dem Ballsaal wurden Taschen kontrolliert und die Gäste durch Metalldetektoren geleitet.

Besuch von König Charles soll dennoch stattfinden

Der Schusswechsel hat auch diplomatische Folgen. Nach Angaben des Buckingham-Palasts, über die die britische Nachrichtenagentur PA berichtete, wurden die Pläne für den Staatsbesuch von König Charles III. und Königin Camilla in den USA zwar überprüft. Der Besuch soll dennoch wie geplant stattfinden. Das Königspaar wird ab Montag zu einem mehrtägigen Staatsbesuch erwartet.

Trump verweist auf geplanten Ballsaal im Weißen Haus

Trump nutzte den Vorfall zudem, um erneut für den umstrittenen Bau eines neuen Ballsaals am Weißen Haus zu werben. Nach seiner Darstellung wäre ein solcher, besonders gesicherter Veranstaltungsort besser zu schützen gewesen. Trump erklärte, mit dem „derzeit am Weißen Haus im Bau befindlichen, militärisch streng geheimen Ballsaal“ wäre dieses Ereignis niemals passiert.

Das Dinner der Hauptstadtspresse ist allerdings keine Veranstaltung des Präsidenten oder des Weißen Hauses, sondern ein Termin der Medien und findet daher traditionell an einem anderen Ort statt.

Erinnerungen an frühere Attentate

Der Vorfall im Hilton ruft Erinnerungen an ein schweres Attentat wach: Vor 45 Jahren wurde in demselben Hotel ein Anschlag auf den damaligen Präsidenten Ronald Reagan verübt, den dieser schwer verletzt überlebte.

Auch Trump selbst war bereits mehrfach Ziel von Attentatsversuchen. Im Sommer 2024 wurde er bei einer Wahlkampfveranstaltung in Butler, Pennsylvania, durch einen Schuss leicht am Ohr verletzt. Ein Besucher starb, zwei weitere Menschen wurden verletzt. Der Täter wurde damals von Sicherheitskräften getötet.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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