Politik

Bei Trump zu Gast: Warum Charles‘ Besuch heikel wird

Provokationen, Beleidigungen und unverhohlene Ansprüche: Donald Trump wirkt alles andere als ein britischer Gentleman. Jetzt soll ausgerechnet der König ihn in den USA treffen. Steuert das auf einen diplomatischen Eklat zu?

26.04.2026, 10:00 Uhr

Noch im September war Donald Trump bei seinem Staatsbesuch im Vereinigten Königreich mit großem Zeremoniell empfangen worden. König Charles III. und Premierminister Keir Starmer rollten dem US-Präsidenten den roten Teppich aus, begleitet von Militärparade und viel Pomp. Trump, der sich seit Jahren als Bewunderer der britischen Monarchie gibt, pries damals die enge Partnerschaft beider Länder, klopfte Starmer demonstrativ auf die Schulter und betonte, wie sehr er das Vereinigte Königreich liebe.

Wenige Monate später ist die Lage deutlich komplizierter. Ab Montag reisen Charles und Königin Camilla zu einem mehrtägigen Staatsbesuch in die USA. Trotz der Schüsse beim Korrespondentendinner in Washington hält der Buckingham-Palast an den Plänen fest, wie er am Sonntagabend mitteilte.

Inhaltlich ist das Umfeld des Besuchs ohnehin angespannt. Spätestens seit dem Krieg mit Iran, bei dem Trump Großbritannien und anderen westlichen Partnern zu wenig Unterstützung vorwirft, haben sich seine Beziehungen zu London und besonders zu Starmer merklich verschlechtert.

Trump griff den britischen Premier zuletzt wiederholt öffentlich an. Er kritisierte dessen Migrationspolitik, erklärte, die Beziehungen zu Großbritannien seien stets hervorragend gewesen – „bis Keir kam“ – und spottete, Starmer sei eben kein Winston Churchill. Auch kurz vor dem Besuch verschärfte Trump den Ton erneut. Damit stellt sich die Frage, ob Charles in den USA womöglich auch als stiller Vermittler gefragt sein könnte.

Sorge wegen des „Trump-Faktors“

Für den Verfassungsexperten und Monarchie-Kenner Craig Prescott von der Londoner Universität Royal Holloway ist die Reise „zweifellos ein schwieriger Staatsbesuch für den König“. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur sprach er von einem diplomatischen Spagat. Problematisch sei nicht nur das aktuell belastete Verhältnis zwischen Washington und London, sondern auch Trumps Unberechenbarkeit.

Normalerweise seien Staatsbesuche minutiös geplant, um peinliche oder heikle Situationen möglichst auszuschließen. Bei Trump funktioniere das jedoch nur eingeschränkt. Eine Stichelei oder ein provokanter Scherz könnten Charles rasch in eine unangenehme Lage bringen. Gerade das mache diesen Besuch aus Sicht Prescotts so ungewöhnlich.

Von Souveränitätsfragen bis zu Zolldrohungen

An Konfliktstoff mangelt es nicht. Kurz vor dem Besuch sorgte ein unbestätigter Medienbericht für Aufsehen, wonach im Pentagon erwogen worden sei, die traditionell probritische Haltung der USA im Streit um die Falklandinseln zu überdenken. Die britische Regierung betonte daraufhin, die Souveränität über die Inselgruppe liege beim Vereinigten Königreich.

Für zusätzliche Spannungen sorgte Trump am Donnerstag mit einer neuen Drohung im Handelsstreit. Sollte Großbritannien seine Digitalsteuer für US-Technologiekonzerne nicht abschaffen, könnten die Vereinigten Staaten hohe Zölle gegen das Land verhängen, warnte er.

Hinzu kommen der fortdauernde Streit über den Iran-Krieg und Trumps wiederkehrende Idee, Kanada zum „51. Bundesstaat“ der USA zu machen. Für Charles ist das besonders heikel, denn er ist auch König von Kanada und damit formell dessen Staatsoberhaupt. Prescott verweist darauf, dass der Monarch erst im vergangenen Jahr bei einem Besuch in Ottawa die kanadische Souveränität ausdrücklich hervorgehoben habe.

Bemerkenswert sei, dass die Rhetorik vom „51. Bundesstaat“ nach dieser Rede des Königs zunächst spürbar abgeflaut sei, sagt Prescott. Das nährt die Frage, ob Charles auch diesmal mit leiser Diplomatie mäßigend wirken könnte.

Trump lobt Charles

Ganz schlecht scheinen die Voraussetzungen dafür nicht zu sein. Trump äußerte sich in der Vergangenheit mehrfach wohlwollend über den britischen König. Noch vor dem Besuch sagte er der BBC, Charles sei ein „fantastischer Mann“, den er seit Jahren kenne. Der Besuch könne „auf jeden Fall“ dazu beitragen, die britisch-amerikanischen Beziehungen wieder etwas zu verbessern.

Ob Charles diese persönliche Sympathie tatsächlich nutzen kann, um Trump zu besänftigen, bleibt offen. Prescott betont, der US-Präsident ändere seine Positionen oft sehr schnell. Dass der König öffentlich scharfe Kritik üben werde, hält der Experte dennoch für unwahrscheinlich. Staatsbesuche seien schließlich von diplomatischen Höflichkeiten geprägt.

Rede im Kongress als mögliche Chance

Eine Gelegenheit könnte sich bei Charles‘ geplanter Rede im US-Kongress bieten. Dort könnte er die lange gemeinsame Geschichte beider Länder betonen. Nach Prescotts Einschätzung ist der bevorstehende 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit zugleich auch ein Jubiläum der Beziehungen zwischen den USA und Großbritannien.

Der König könnte versuchen, die aktuellen Spannungen in diesen größeren historischen Zusammenhang einzuordnen und hervorzuheben, dass beide Länder besonders effektiv sind, wenn sie zusammenarbeiten. Ob ihm damit ein diplomatischer Erfolg gelingt, dürfte sich während des Besuchs zeigen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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