Hauptangeklagter gesteht Terrorpläne im Prozess um abgesagte Taylor-Swift-Konzerte
Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen hat knapp zwei Jahre nach der Absage der Taylor-Swift-Konzerte in Wien der Prozess gegen zwei mutmaßliche Mitglieder einer Terrorzelle am Landesgericht Wiener Neustadt begonnen. Der Auftakt war zunächst wegen eines Technikproblems kurz unterbrochen worden.
Vor Gericht stehen der 21-jährige Beran A. und der gleichaltrige Arda K. Beide müssen sich wegen schwerer Terrorvorwürfe verantworten. Im Fall einer Verurteilung drohen ihnen langjährige Freiheitsstrafen.
Hauptangeklagter räumt Anschlagspläne ein
Der 21 Jahre alte Hauptangeklagte hat die Terrorpläne rund um die abgesagten Swift-Konzerte vor Gericht gestanden. Auf die Frage, ob er sich in diesem Punkt schuldig bekenne, antwortete er mit „Ja“.
Bereits zum Prozessauftakt hatte seine Verteidigung angekündigt, dass ihr Mandant sich in Bezug auf den geplanten Anschlag rund um die Konzerte schuldig bekennen werde. Seine Anwältin erklärte, der 21-Jährige habe Fehler gemacht und müsse mit einer Strafe rechnen.
Nicht schuldig bekennen will er sich nach Angaben seiner Verteidigerin jedoch in jenem Anklagepunkt, der die mutmaßliche Beteiligung an einer Terrorzelle und mögliche Verbindungen zu der Messerattacke in Mekka betrifft. Mit der Tat in Saudi-Arabien habe ihr Mandant nichts zu tun, sagte sie.
Aussage zur Radikalisierung
In seiner Vernehmung sagte der Angeklagte, dass er bis Mitte 2023 nach eigener Darstellung gar kein radikaler Muslim gewesen sei. Spätestens im Januar 2024 habe sich das durch Kontakte zu Islamisten innerhalb kurzer Zeit geändert.
Was dem Hauptangeklagten vorgeworfen wird
Die Staatsanwaltschaft wirft dem 21-jährigen Hauptangeklagten, einem Österreicher mit nordmazedonischen Wurzeln, vor, im August 2024 ein Blutbad unter Fans von Taylor Swift vor dem Ernst-Happel-Stadion geplant zu haben. Nach bisherigen Ermittlungen soll er verschiedene Angriffsszenarien durchdacht haben, darunter eine Attacke mit einem Auto auf wartende Menschen sowie den Einsatz von Sprengstoff und Hieb- und Stichwaffen.
Laut Staatsanwaltschaft hatte der 21-Jährige dafür bereits eine Schrapnell-Bombe weitgehend fertiggestellt. Nach Darstellung des Staatsanwalts hätte er den Sprengsatz nur noch zusammensetzen müssen. Ziel des Anschlags sollen Fans vor dem Konzertgelände gewesen sein.
Ein Ticket für die Konzerte soll der Beschuldigte nicht besessen haben. Nach Angaben der Anklage galt sein Interesse auch nicht Taylor Swift als Person, sondern ausschließlich dem Anschlagsziel. Die Justiz geht davon aus, dass er Anhänger der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) war und sich den Ermittlungen zufolge mehrfach zum IS bekannt hatte.
Rolle des zweiten Angeklagten
Arda K. wird kein unmittelbarer Bezug zu den konkreten Attentatsplänen gegen das Konzert in Wien vorgeworfen. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft soll er jedoch zusammen mit dem Hauptangeklagten und einem dritten Verdächtigen eine jederzeit einsatzbereite Terrorzelle gebildet haben.
Dieser dritte mutmaßliche Islamist sitzt derzeit in Saudi-Arabien in Haft. Ihm wird vorgeworfen, im März 2024 in Mekka einen Sicherheitsbeamten niedergestochen und mehrere weitere Menschen verletzt zu haben.
Warum der Vorwurf der Terrorzelle so schwer wiegt
Nach Angaben der Justiz ist für das Strafmaß entscheidend, ob die beiden Angeklagten den in Saudi-Arabien inhaftierten Verdächtigen bei dessen Tat ermutigt, motiviert oder unterstützt haben. Juristisch besonders schwer wiegt dabei der mögliche Beitrag zu einem versuchten Mord als Anstifter. In diesem Fall drohen ihnen 10 bis 20 Jahre Haft.
Für die bloße Vorbereitung eines Terrorakts wie im Zusammenhang mit dem Swift-Konzert wäre die mögliche Strafe deutlich niedriger.
Verdacht auf ein größeres Netzwerk
Die Ermittler gehen davon aus, dass sich die drei Verdächtigen noch aus der Schulzeit kannten und dem IS nahestanden. Im März 2024 sollen sie einzeln zu möglichen Anschlagszielen nach Istanbul, Dubai und Mekka gereist sein.
Nach Darstellung der Anklage soll das Trio gemeinsam Anschläge in diesen Städten geplant haben. Während der in Saudi-Arabien festgenommene Verdächtige in Mekka tatsächlich mehrere Sicherheitskräfte mit einem Messer attackiert haben soll, kehrten Beran A. und Arda K. aus Istanbul und Dubai ohne Tat zurück. Kurz darauf soll der Plan für einen Anschlag auf ein Konzert der „Eras Tour“ in Wien entstanden sein.
Warum die Konzerte abgesagt wurden
Beran A. war kurz vor dem ersten geplanten Konzert an seinem Wohnort in Ternitz in Niederösterreich festgenommen worden. Ausgangspunkt der Ermittlungen war laut Behörden ein Hinweis eines US-Geheimdienstes.
Nach Darstellung der Polizei hatte er bereits am 25. Juli 2024 seinen Arbeitsplatz gekündigt und angekündigt, dass er „noch Großes“ vorhabe. Aus Sicht der Ermittler begannen spätestens zu dieser Zeit die konkreten Vorbereitungen für den geplanten Anschlag.
Die österreichischen Behörden stuften die Gefahr als akut ein. Der Veranstalter sagte daraufhin vorsorglich alle drei Konzerte ab.
Die geplanten Wien-Konzerte der „Eras Tour“
Die drei Auftritte von Taylor Swift waren für den 8., 9. und 10. August 2024 im Wiener Ernst-Happel-Stadion vorgesehen. Insgesamt wurden rund 200.000 Besucherinnen und Besucher erwartet.
Swift war damals mit ihrer sechsten großen Tournee unterwegs. Mit der „Eras Tour“ wollte die 36-jährige US-Sängerin alle bis dahin veröffentlichten Alben und ihre verschiedenen musikalischen Epochen feiern. Im Sommer 2024 trat sie damit auch in mehreren europäischen Ländern auf, darunter Großbritannien, Italien, Polen und Deutschland.
Reaktion der Fans in Wien
Trotz der Absage kamen damals viele Swift-Fans in die Wiener Innenstadt. Dort wurde spontan gefeiert: Es wurde gesungen und getanzt, Freundschaftsarmbänder wurden getauscht und Erinnerungsfotos gemacht. Einige Lokale spendierten den meist jungen Besucherinnen und Besuchern sogar kostenlose Getränke.
So äußerte sich Taylor Swift später
Taylor Swift selbst äußerte sich erst rund zwei Wochen nach den Absagen öffentlich. Zuvor hatte sie fünf ausverkaufte Konzerte in London absolviert. Auf Instagram erklärte sie anschließend, sie habe aus Vorsicht zunächst geschwiegen, bis diese Auftritte beendet seien.
Die Absagen hätten bei ihr ein neues Gefühl von Angst ausgelöst, schrieb sie damals, ebenso wie Schuldgefühle gegenüber den vielen Menschen, die ihre Reise nach Wien geplant hatten. Zugleich dankte sie den Sicherheitsbehörden. Dank ihres Eingreifens müsse man um abgesagte Konzerte trauern und nicht um Menschenleben.
Terrorgefahr bei Konzerten
Dass Musikveranstaltungen im Fokus islamistischer Täter stehen können, zeigte bereits der Anschlag von Manchester im Jahr 2017. Damals zündete ein islamistischer Selbstmordattentäter nach einem Konzert von Ariana Grande einen Sprengsatz. 22 Menschen wurden getötet, viele davon Jugendliche. Hunderte weitere wurden verletzt oder traumatisiert. Der IS reklamierte die Tat für sich.
Dauer des Verfahrens
Für den Prozess in Wiener Neustadt sind bislang vier Verhandlungstage vorgesehen. Ein Urteil könnte am 21. Mai fallen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion