Politik

Jetzt startet der Prozess zum Swift-Konzert-Anschlag

Taylor Swifts Wien-Konzerte 2024 wurden in letzter Minute von mutmaßlichen Anschlagsplänen überschattet – nun soll ein Prozess ans Licht bringen, was hinter dem Schock um die abgesagten Mega-Auftritte wirklich steckte.

28.04.2026, 05:00 Uhr

Hauptangeklagter gesteht Terrorpläne im Prozess um abgesagte Taylor-Swift-Konzerte in Wien

Knapp zwei Jahre nach der Absage der Taylor-Swift-Konzerte in Wien hat unter strengen Sicherheitsvorkehrungen der Prozess gegen zwei mutmaßliche Mitglieder einer Terrorzelle am Landesgericht Wiener Neustadt begonnen. Zum Auftakt bekannte sich der 21-jährige Hauptangeklagte Beran A. in Bezug auf die Anschlagspläne schuldig.

Vor Gericht stehen Beran A. und der gleichaltrige Arda K. Im Fall einer Verurteilung drohen ihnen langjährige Haftstrafen, im schwersten Fall bis zu 20 Jahre.

Hauptangeklagter räumt Anschlagspläne ein

Der 21 Jahre alte Beran A. sagte vor Gericht, dass er sich hinsichtlich der Terrorpläne schuldig bekenne. Seine Verteidigung hatte bereits zu Prozessbeginn angekündigt, dass ihr Mandant den geplanten Anschlag rund um die Konzerte einräumen werde.

Nicht schuldig bekennen will er sich nach Angaben seiner Verteidigerin jedoch in jenem Punkt der Anklage, der die mutmaßliche Beteiligung an einer Terrorzelle und mögliche Verbindungen zur Messerattacke in Mekka betrifft. Mit der Tat in Saudi-Arabien habe ihr Mandant nichts zu tun, ließ die Verteidigung erklären.

Geplanter Anschlag am 9. August 2024

Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft plante der Österreicher mit nordmazedonischen Wurzeln ein Blutbad unter Swift-Fans vor dem Ernst-Happel-Stadion. Der Terrorakt sollte demnach am 9. August 2024 stattfinden, also am Tag des zweiten von drei geplanten Wien-Konzerten.

Laut Ermittlern dachte der Beschuldigte verschiedene Angriffsszenarien durch. Eine Variante soll gewesen sein, mit einem Auto in wartende Fans zu rasen und zusätzlich Sprengstoff sowie Hieb- und Stichwaffen einzusetzen.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 21-Jährige dafür bereits eine Schrapnell-Bombe fast fertiggestellt hatte. Ziel sollen die Menschen vor dem Konzertgelände gewesen sein. Ein Ticket für die Show soll er nicht besessen haben; nach früheren Ermittlungen galt sein Interesse nicht Taylor Swift selbst, sondern allein dem Anschlagsziel.

Aussage zur Radikalisierung

Vor Gericht sagte der Angeklagte, Religion habe für ihn lange keine herausragende Rolle gespielt. Spätestens Anfang 2024 habe sich das unter dem Einfluss von Islamisten rasch verändert.

Er gab außerdem an, sich mit dem islamistischen Anschlag in Wien im Jahr 2020 beschäftigt zu haben, bei dem vier Menschen getötet und viele weitere verletzt wurden. Die weltweite Aufmerksamkeit für diese Tat habe er damals als „krass“ empfunden, sagte er laut Gericht. Hinzu gekommen sei, dass der damalige Täter aus einem Nachbardorf seiner Familie in Nordmazedonien stammte.

Nach eigener Darstellung bereut der 21-Jährige seine Radikalisierung inzwischen ebenso wie den Schaden, den er seiner Familie dadurch zugefügt habe.

Was kurz vor den Konzerten geschah

Ausgangspunkt der Ermittlungen war laut Behörden ein Hinweis eines US-Geheimdienstes. Beran A. wurde am 7. August 2024 an seinem Wohnort in Ternitz in Niederösterreich festgenommen.

Nach Angaben der Polizei hatte er bereits am 25. Juli 2024 seinen Arbeitsplatz gekündigt und dabei gesagt, dass er „noch Großes“ vorhabe. Spätestens danach begannen aus Sicht der Justiz die konkreten Vorbereitungen für den Anschlag. Die Bedrohungslage wurde damals als „sehr ernst“ eingestuft. Der Veranstalter sagte daraufhin alle drei Konzerte vorsorglich ab. Erwartet wurden rund 200.000 Besucherinnen und Besucher.

Rolle des zweiten Angeklagten

Mit auf der Anklagebank sitzt der gleichaltrige Arda K. Der Slowake wird nach Angaben der Justiz kein direkter Bezug zu den konkreten Anschlagsplänen auf das Swift-Konzert vorgeworfen.

Allerdings geht es bei ihm – ebenso wie beim Hauptangeklagten – um den Verdacht der Bildung einer Terrorzelle.

Verdacht auf eine einsatzbereite Terrorzelle

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die beiden Angeklagten zusammen mit einem weiteren mutmaßlichen Islamisten, der derzeit in Saudi-Arabien in Haft sitzt, eine anschlagsbereite Terrorzelle gebildet haben.

Nach Überzeugung der Ermittler kannten sich die drei Verdächtigen noch aus der Schulzeit und standen der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) nahe. Im März 2024 sollen sie jeweils allein zu möglichen Anschlagszielen nach Istanbul, Dubai und Mekka gereist sein.

Der in Saudi-Arabien festgenommene Verdächtige soll in Mekka mehrere Sicherheitsbeamte mit einem Messer niedergestochen haben. Beran A. und Arda K. kehrten aus Istanbul beziehungsweise Dubai dagegen ohne Tat zurück. Kurz darauf soll der Plan für einen Anschlag auf ein Konzert der „Eras Tour“ in Wien entstanden sein.

Warum der Vorwurf so schwer wiegt

Für das Strafmaß ist nach Angaben der Justiz entscheidend, ob die beiden Angeklagten den mutmaßlichen Komplizen zu dessen Tat in Saudi-Arabien ermutigt oder unterstützt haben. Diese Tat wird juristisch als versuchter Mord gewertet.

Sollte sich dieser Vorwurf bestätigen, drohen den Angeklagten bis zu 20 Jahre Haft. Für die bloße Vorbereitung eines Terrorakts wie im Zusammenhang mit dem Swift-Konzert wäre die mögliche Strafe deutlich niedriger.

Die abgesagten Konzerte in Wien

Geplant waren drei Auftritte von Taylor Swift am 8., 9. und 10. August 2024 im Wiener Ernst-Happel-Stadion. Insgesamt wurden rund 200.000 Besucherinnen und Besucher erwartet.

Die „Eras Tour“ war Swifts sechste große Konzertreise. Sie begann im März 2023 in den USA und endete im Dezember 2024 im kanadischen Vancouver. Mit der Tour wollte die Sängerin alle bis dahin erschienenen Alben und ihre verschiedenen musikalischen Epochen feiern. Im Sommer 2024 trat sie damit auch in mehreren europäischen Ländern auf, darunter Großbritannien, Italien, Polen und Deutschland.

Reaktion der Fans nach der Absage

Trotz der Absage kamen damals viele Tausend Swift-Fans in die Wiener Innenstadt. Dort wurde spontan gefeiert: Es wurde gesungen, getanzt, es wurden Freundschaftsarmbänder getauscht und unzählige Selfies gemacht. Einige Lokale spendierten den meist jungen Besucherinnen und Besuchern als Trost sogar kostenlose Getränke.

So äußerte sich Taylor Swift später

Taylor Swift selbst reagierte erst rund zwei Wochen nach den Absagen öffentlich. In dieser Zeit spielte sie zunächst fünf ausverkaufte Konzerte in London.

Auf Instagram schrieb sie später, sie habe aus Vorsicht zunächst geschwiegen, bis die Auftritte in London vorbei seien. Die Absagen hätten bei ihr ein neues Gefühl von Angst und große Schuldgefühle ausgelöst, weil so viele Menschen ihre Reise nach Wien geplant hätten. Zugleich dankte sie den Sicherheitsbehörden: Dank ihres Eingreifens müsse man um Konzerte trauern und nicht um Menschenleben.

Konzerte als mögliches Ziel von Terroristen

Dass Musikveranstaltungen im Fokus islamistischer Täter stehen können, zeigte bereits der Anschlag von Manchester im Jahr 2017. Damals zündete ein 22-jähriger islamistischer Selbstmordattentäter nach einem Konzert von Ariana Grande einen Sprengsatz. 22 Menschen wurden getötet, darunter viele Jugendliche; rund 800 weitere wurden verletzt oder traumatisiert. Der IS reklamierte die Tat für sich.

Dauer des Verfahrens

Für den Prozess in Wiener Neustadt sind inzwischen fünf Verhandlungstage anberaumt. Ein Urteil könnte am 28. Mai fallen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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