Bayern

Waigel geehrt: Warum der Tegernsee jetzt jubelt

Nach Gorbatschow, Selenskyj und Gauck rückt 2026 erneut eine Schlüsselfigur ins Rampenlicht: Der Freiheitspreis der Medien geht an den Mann, der den Euro möglich machte. Warum ausgerechnet er jetzt geehrt wird?

26.04.2026, 04:00 Uhr

Der frühere Bundesfinanzminister Theo Waigel (CSU) wird in diesem Jahr mit dem „Freiheitspreis der Medien“ ausgezeichnet. Wie die Weimer Media Group mitteilte, würdigt der Preis sein politisches Lebenswerk, dessen Relevanz heute besonders deutlich werde. Die Verleihung ist beim Ludwig-Erhard-Gipfel in Gmund am Tegernsee geplant. Die Laudatio soll der frühere österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel halten.

Jury hebt Waigels Rolle für Europa hervor

In der Begründung der Jury heißt es, Waigel habe als Bundesfinanzminister von 1989 bis 1998 die wirtschaftliche und politische Einigung Europas maßgeblich mitgestaltet. Als einer der zentralen Wegbereiter der Wirtschafts- und Währungsunion habe er entscheidend zum Entstehen des Euro beigetragen. Dieser sei nicht nur als ökonomisches Vorhaben zu verstehen, sondern auch als historischer Schritt hin zu einem geeinten und friedlichen Europa.

Nach Auffassung der Jury steht der Gedanke der Freiheit im Mittelpunkt von Waigels politischem Wirken. Offene Grenzen innerhalb Europas hätten die Freiheit vieler Menschen spürbar erweitert.

Auch Verlegerin Christiane Goetz-Weimer würdigte Waigels Beitrag zur europäischen Einigung. Mit dem Euro habe er eine Entscheidung von großer historischer Tragweite geprägt, die für Zusammenhalt und politische Handlungsfähigkeit in Europa stehe. Gerade vor dem Hintergrund aktueller geopolitischer Spannungen werde die Bedeutung dieser Weichenstellung besonders sichtbar.

Ludwig-Erhard-Gipfel in diesem Jahr unter besonderer Beobachtung

Der Ludwig-Erhard-Gipfel, auch Tegernsee Summit genannt, findet in diesem Jahr vom 28. bis 30. April statt. Zuletzt war die Veranstaltung nach dem Wechsel des früheren Co-Verlegers Wolfram Weimer in die Bundesregierung in die Kritik geraten.

Im Raum stand unter anderem der Vorwurf, Unternehmen sei gegen Bezahlung ein exklusiver Zugang zu Bundesministern in Aussicht gestellt worden. Demnach warb die Veranstaltung auch mit dem Versprechen von „Einfluss auf die politischen Entscheidungsträger“. Die Weimer Media Group wies diese Vorwürfe stets zurück.

In den vergangenen Jahren nahmen regelmäßig Bundesminister und weitere Spitzenpolitiker an dem Treffen am Tegernsee teil. Wegen der anhaltenden Kritik verzichteten diesmal jedoch viele Politiker auf eine Teilnahme.

Zudem wurde Wolfram Weimer vorgeworfen, politische Verantwortung und private Wirtschaftsinteressen nicht klar genug voneinander zu trennen. Nach seinem Eintritt in die Bundesregierung hatte er zunächst nur seine Funktionen und Stimmrechte im Verlag niedergelegt. Später übertrug er seinen Unternehmensanteil von 50 Prozent an einen Treuhänder.

Preis mit prominenten bisherigen Empfängern

Der „Freiheitspreis der Medien“ wird jährlich an Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens verliehen, die sich in besonderer Weise für Meinungsfreiheit, demokratischen Austausch und den Dialog engagieren.

Im vergangenen Jahr ging die Auszeichnung an den früheren Bundespräsidenten Joachim Gauck. 2024 wurden der kurz zuvor verstorbene Kreml-Kritiker Alexej Nawalny und seine Frau Julia Nawalnaja geehrt. Zu den bisherigen Preisträgern zählen außerdem der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sowie der frühere sowjetische Präsident Michail Gorbatschow.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen