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Schwimmenlernen boomt – doch dieses Problem bleibt

Für viele Kinder wirkt das Schwimmenlernen wie eine echte Mutprobe: tiefes Wasser, der Beckenrand scheinbar unerreichbar. Umso überraschender, dass zuletzt so viele Menschen wie lange nicht mehr schwimmen gelernt haben. Doch hinter dem positiven Trend steckt ein entscheidender Haken.

26.04.2026, 05:29 Uhr

DLRG meldet ungewöhnlich viele Schwimmabzeichen – dennoch bleibt der Nachholbedarf groß

Für viele Kinder ist der Einstieg ins Wasser eine echte Hürde: die ersten Armzüge, der Sprung ins tiefe oder kalte Becken, die Angst vor dem Untertauchen. Trotzdem haben im vergangenen Jahr in Deutschland so viele Menschen wie lange nicht mehr Schwimmen gelernt – darunter auch zahlreiche Anfängerinnen und Anfänger.

Wie die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) mitteilte, wurden 2025 bundesweit 96.471 Prüfungen für die Schwimmabzeichen Bronze, Silber und Gold erfolgreich abgelegt. Damit liegt das Ergebnis leicht über dem Vorjahr mit 95.273 Abzeichen. DLRG-Präsidentin Ute Vogt sprach von einem der besten Werte der vergangenen zwei Jahrzehnte.

Mehr Silber- und Goldabzeichen

Als Nachweis für sicheres Schwimmen gilt aus Sicht der DLRG bereits das Bronzeabzeichen, vielen auch als Freischwimmer bekannt. Dieses wurde 2025 45.030-mal vergeben, nach 45.283 im Jahr zuvor – also nahezu auf gleichem Niveau.

Eine wichtige Voraussetzung für Bronze ist laut DLRG vor allem die Ausdauer im Wasser: Wer das Abzeichen machen will, muss unter anderem mindestens 15 Minuten ohne Pause schwimmen, ohne sich festzuhalten.

Bei den höheren Leistungsstufen gab es dagegen Zuwächse. Das Goldabzeichen erreichten 20.168 Menschen, nach 19.823 im Vorjahr. Für das Silberabzeichen bestanden 31.280 Schwimmerinnen und Schwimmer die Prüfung, 2024 waren es 30.167.

Nordrhein-Westfalen vorn, Niedersachsen mit Rückgang

In Niedersachsen absolvierten 2025 6.825 Menschen die Bronzeprüfung, im Jahr davor waren es 7.740. Das Silberabzeichen erhielten 4.660 Personen nach 4.831 im Vorjahr, Gold schafften 2.882 Schwimmerinnen und Schwimmer nach 2.962.

Die höchsten Zahlen verzeichnete erneut Nordrhein-Westfalen. Dort wurden 9.960 Bronze-, 7.126 Silber- und 5.395 Goldabzeichen vergeben. 2024 lagen die Werte noch bei 9.627, 6.901 und 5.049.

Viele Kinder können weiterhin nicht sicher schwimmen

Die DLRG bezeichnet sich selbst als größte freiwillige Wasserrettungsorganisation der Welt und hat nach eigenen Angaben mehr als 640.000 Mitglieder. In der Schwimmausbildung waren im vergangenen Jahr über 33.500 ehrenamtliche Schwimmlehrerinnen und Schwimmlehrer im Einsatz – rund 700 mehr als ein Jahr zuvor.

Wie wichtig diese Arbeit ist, zeigt auch der Blick auf die Zahl der Badetoten. Im vergangenen Jahr kamen bei Badeunfällen mindestens 393 Menschen ums Leben. Das waren zwar 18 weniger als im Vorjahr, dennoch bleibt die Zahl hoch.

Trotz der positiven Entwicklung bei den Abzeichen sieht die DLRG weiterhin ein ernstes Problem. Ute Vogt warnte, die guten Zahlen dürften nicht darüber hinwegtäuschen, dass noch immer zu viele Kinder nicht schwimmen lernen. Nach Einschätzung der Organisation können fast 60 Prozent der Schülerinnen und Schüler am Ende der vierten Klasse nicht sicher schwimmen.

Weniger Seepferdchen als im Vorjahr

Bevor Kinder ein Schwimmabzeichen wie Bronze erwerben, müssen sie grundlegende Fähigkeiten im Wasser beherrschen. Dazu zählen etwa Gleiten, sich über mindestens 25 Meter über Wasser halten, angstfreies Springen sowie Tauchen mit geöffneten Augen. Diese Grundlagen bescheinigt das Seepferdchen.

Allerdings betont die DLRG, dass das Seepferdchen noch kein Beleg für sicheres Schwimmen ist. Eltern sollten ihre Kinder deshalb am und im Wasser weiterhin immer aufmerksam beaufsichtigen.

2025 bekamen 53.660 Kinder das Seepferdchen. Im Jahr zuvor waren es noch 57.472. Trotz dieses Rückgangs liegt das Ergebnis laut DLRG weiterhin deutlich über dem Durchschnitt der vergangenen 20 Jahre, der bei rund 49.000 liegt.

Wartelisten für Anfängerkurse werden länger

Sorgen bereitet der DLRG vor allem, dass die Wartezeiten für Anfängerschwimmkurse noch einmal um etwa zehn Prozent gestiegen sind. Nach den Worten von Ute Vogt sind die vorhandenen Kapazitäten vielerorts längst ausgeschöpft.

Ein zentraler Grund dafür ist der Mangel an geeigneten Wasserflächen. Es fehlen weiterhin ausreichend Schwimmbäder, in denen Kinder das Schwimmen lernen können. Nach Ansicht der DLRG kommt die Sanierung und Modernisierung der Bäder nur sehr langsam voran.

Zwar hat der Bund in diesem Jahr erstmals ein Förderprogramm von 250 Millionen Euro für Schwimmbäder aufgelegt. Aus Sicht der DLRG fehlt jedoch weiterhin ein abgestimmtes Vorgehen von Bund, Ländern und Kommunen, das sich am tatsächlichen Bedarf orientiert.

Probleme auch beim Schwimmunterricht an Schulen

Die knappen Kapazitäten wirken sich nach Einschätzung der DLRG auch auf den Schwimmunterricht an Schulen aus. Zwar ist dieser an Grundschulen grundsätzlich vorgesehen, fällt jedoch häufig aus. Gründe seien fehlende Bäder in erreichbarer Nähe und auch ein Mangel an Lehrkräften, die Schwimmunterricht anbieten können.

Gleichzeitig hob Vogt hervor, dass viele Schulen mit großem Einsatz versuchten, möglichst allen Kindern das Schwimmen beizubringen.

Deutlich mehr Erwachsene in Kursen

Auffällig ist außerdem ein wachsendes Interesse von Erwachsenen. Insgesamt nahmen im vergangenen Jahr bundesweit rund 350.000 Menschen an Schwimmkursen der DLRG teil. Darunter waren knapp 26.000 Erwachsene. Im Vorjahr lag diese Zahl erst bei 18.448.

Damit zeigt sich: Die Schwimmausbildung in Deutschland legt zu – doch gerade bei Kindern bleibt der Handlungsbedarf weiterhin groß.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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