Bayern

Krise oder Comeback? Was droht dem Erhard-Gipfel jetzt?

Jahrelang inszenierte sich der Erhard-Gipfel am Tegernsee als deutsches Davos – dann kam der Bruch. Jetzt steht das Comeback bevor. Doch diesmal ist dort kaum noch etwas wie früher.

26.04.2026, 05:00 Uhr

Anfang Mai 2025 schien der Ludwig-Erhard-Gipfel seinem bislang größten Prestigeerfolg nahezukommen. Nach der Wahl des langjährigen Gipfelgasts Friedrich Merz zum Bundeskanzler keimte die Erwartung, dass erstmals ein amtierender Regierungschef der Bundesrepublik am Tegernsee auftreten könnte. Dazu kam es jedoch nicht: Merz absolvierte zunächst seine verpflichtenden Antrittsbesuche in Paris, Warschau und Brüssel. Ende April 2026 spielt ein Kanzlerbesuch daher keine Rolle mehr. Stattdessen wirkt der Gipfel nach turbulenten Monaten wie eine Veranstaltung im Neuaufbau.

Kritik nach Weimers Wechsel in die Bundesregierung

Auslöser der Unruhe war der Wechsel des früheren Verlegers und Mitinitiators Wolfram Weimer in die Bundesregierung. Nachdem er das Amt des Kulturstaatsministers übernommen hatte, geriet der Gipfel stark unter öffentliche Beobachtung. Medienberichte thematisierten unter anderem das Veranstaltungskonzept sowie den Eindruck, beim Ticketverkauf würden Zugänge zu politischen Entscheidern in Aussicht gestellt. In der Folge sagten zahlreiche Spitzenpolitiker ihre Teilnahme ab. Den Anfang machte Schirmherr Markus Söder, danach zogen Vertreter verschiedener Parteien nach.

Gastgeberin und Verlegerin Christiane Goetz-Weimer weist die Vorwürfe zurück. Zu keinem Zeitpunkt seien Kontakte zu Politikerinnen oder Politikern verkauft worden. Wer sich bei der Konferenz mit wem austausche, entscheide jeder selbst. Die Weimer Media Group arbeite dabei nach eigenen Angaben ähnlich wie andere große Netzwerktreffen, Medienhäuser, Verlage oder Stiftungen.

Wenig Regierung, mehr zweite Reihe

In diesem Jahr ist mit Philipp Amthor lediglich ein aktiver Vertreter der Bundesregierung angekündigt. Der CDU-Staatssekretär soll am 28. April, dem ersten Konferenztag, über die Modernisierung Deutschlands sprechen. Der Gipfel läuft bis zum 30. April.

Im übrigen, lange unter Verschluss gehaltenen Programm finden sich vor allem Politikerinnen und Politiker aus der zweiten Reihe. Genannt werden unter anderem der frühere CDU-Vorsitzende Armin Laschet, seine Amtsvorgängerin Annegret Kramp-Karrenbauer sowie Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger. Er ist zugleich der einzige noch verbliebene Vertreter der bayerischen Staatsregierung. Hinzu kommen Österreichs Ex-Kanzler Wolfgang Schüssel und die Staatsrechtlerin Frauke Brosius-Gersdorf.

Christiane Goetz-Weimer betont dennoch, der Gipfel habe nichts von seiner Anziehungskraft eingebüßt. Nach ihren Angaben liegen mehr als 130 Zusagen von Rednerinnen und Rednern aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Medien vor. Sie spricht von einer Mischung aus erfahrenen Unternehmern, jungen Gründerinnen und Gründern, bekannten Sportlern, Wissenschaftlern und Chefredakteuren und verweist auf den Anspruch, einen Beitrag zur demokratischen Debatte zu leisten.

Wirtschaft rückt ins Zentrum

Inhaltlich setzen die Veranstalter nun stärker auf ökonomische Themen. Laut Goetz-Weimer ist das angesichts der aktuellen Herausforderungen konsequent. Der diesjährige Titel lautet: „Zurück an die Weltspitze: Wie gelingt Deutschland der wirtschaftliche Aufschwung?“ Dieser Schwerpunkt sei bewusst gewählt worden, weil die Wirtschaftslage derzeit das bestimmende Thema sei und zudem gut zum Namensgeber Ludwig Erhard passe.

Gleichzeitig ist offensichtlich, dass frühere Gipfel auch von der Präsenz prominenter Bundespolitiker lebten. In den vergangenen Jahren waren neben Friedrich Merz unter anderem auch der heutige Vizekanzler Lars Klingbeil, Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und Markus Söder regelmäßig am Tegernsee vertreten.

Wunsch nach Rückkehr zur inhaltlichen Debatte

Nach den kritischen Schlagzeilen hoffen die Organisatoren vor allem darauf, die Aufmerksamkeit wieder auf Sachthemen zu lenken. Goetz-Weimer beklagt, die Debatte über den Gipfel sei in den vergangenen Monaten stark politisiert und häufig unfair geführt worden. Nun solle es wieder stärker um die großen Fragen des Landes gehen.

Dazu zählt in diesem Jahr auch die Verleihung des „Freiheitspreises der Medien“ an den früheren Bundesfinanzminister Theo Waigel. Der CSU-Politiker soll für sein politisches Lebenswerk geehrt werden, dessen Bedeutung heute besonders deutlich werde. Waigel gehört seit Jahren zu den bekannten Gästen des Gipfels.

Wolfram Weimer wohl erneut nicht dabei

Wie schon im Vorjahr dürfte Wolfram Weimer auch diesmal nicht am Tegernsee erscheinen. Im Februar hatte er eigene Versäumnisse eingeräumt. Rückblickend hätte er manches früher und klarer regeln müssen, sagte er damals. Gemeint war die Kritik, sein Regierungsamt und seine privatwirtschaftlichen Interessen im Verlag nicht sauber genug voneinander getrennt zu haben.

Hoffnung auf einen Kanzler bleibt

Sobald der diesjährige Gipfel beendet ist, dürften hinter den Kulissen bereits die Vorbereitungen für 2027 anlaufen. Und wohl auch dann wird im Hintergrund erneut die Hoffnung mitschwingen, irgendwann doch noch einen amtierenden deutschen Kanzler am Tegernsee begrüßen zu können.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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