Allgemein

Dieser Transportkahn soll den Buckelwal retten

Seit mehr als 50 Tagen sitzt der Buckelwal in der Ostsee fest – und jeder Rettungsversuch scheiterte bislang. Jetzt soll ausgerechnet ein Transportkahn die überraschende Wende bringen.

26.04.2026, 03:59 Uhr

Der für den Transport des vor der Insel Poel festsitzenden Buckelwals vorgesehene Lastkahn ist inzwischen im Nord-Ostsee-Kanal unterwegs. Die sogenannte Barge wurde am Sonntagabend vom Schubboot „Hans“ an Hohenhörn vorbeigeschoben. Das bestätigte Constanze von der Meden von der privaten Rettungsinitiative. Der Kahn soll den Wal samt Wasser aufnehmen und anschließend Richtung Nordsee geschleppt werden.

Am grundsätzlichen Plan hat sich damit nichts geändert: Der Transport des geschwächten Tieres ist nach aktuellem Stand frühestens für Dienstag vorgesehen. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltministerium hat das Konzept gebilligt, duldet den Einsatz aber nur. Die Verantwortung bleibt bei der privaten Initiative.

Minister erneut direkt am Wal

Ruhe hatte der Walbulle am Wochenende kaum. Immer wieder hielten sich tagsüber Menschen unmittelbar am Tier auf, darunter auch Umweltminister Till Backhaus. Er fuhr am Sonntagmorgen mit dem Boot hinaus und berührte den Wal nach eigenen Angaben.

Anschließend sagte Backhaus, man habe sich entschieden, noch einmal zu dem Tier hinauszufahren. Den Kontakt bezeichnete er als „hochinteressant“. Bereits zuvor hatte er erklärt, direkt am Wal gewesen zu sein.

Tierärztin: Wal hat deutlich abgenommen

Nach Angaben der an der Initiative beteiligten Kleintierärztin Kirsten Tönnies soll dem Buckelwal Blut abgenommen werden. Außerdem wollen die Helfer ihm Wasser geben, möglicherweise auch Nahrungsergänzungsmittel und Vitamine.

Das Tier, das anfangs auf rund zwölf Tonnen geschätzt wurde, hat nach Einschätzung der Beteiligten deutlich an Gewicht verloren. Trotzdem wird es von der Initiative weiterhin als transportfähig eingestuft. Backhaus sagte dazu, der Wal werde „von heute auf morgen jedenfalls nicht sterben“.

Zusätzlich schaute das Team nach eigener Aussage am Sonntag auch in das Maul des Tieres. Dabei sei zumindest augenscheinlich kein Netz in den Barten des Wals zu erkennen gewesen.

Lastkahn fast einsatzbereit

Die Barge sollte nach Angaben aus dem Team in der Nacht zum Montag oder am Montagmorgen ankommen. Größere Umbauten seien nicht mehr nötig, sagte der beteiligte Tauchunternehmer Fred Babbel. Diese Arbeiten seien bereits zuvor in einer Werft erledigt worden, dort sei Tag und Nacht gearbeitet worden. In Wismar müsse nun nur noch ein Schott gewechselt werden; in die Werft müsse der Kahn dafür nicht.

Geplant ist, den rund zwölf Meter langen Buckelwal in einer stählernen Wanne, also in einer Art großem Becken, tagelang in die mehr als 400 Kilometer entfernte Nordsee oder sogar weiter in den Atlantik zu transportieren.

Wal soll durch gebaggerte Rinne auf den Kahn gelangen

Vor Poel laufen weiter Arbeiten, um die Zufahrt vom Wal bis in die tiefere Fahrrinne zu verbreitern. Nach Angaben der Helfer wird dort weiter gespült und gesaugt. Der Wal soll anschließend durch eine mehr als 100 Meter lange ausgebaggerte Rinne auf den absenkbaren Kahn schwimmen.

Tönnies nannte das Becken für ein Wildtier im Rahmen der Möglichkeiten vergleichsweise komfortabel. Backhaus hatte das Go für das Vorhaben am Samstag öffentlich gemacht und zugleich betont, dass das Land die Aktion nur dulde.

Tracker bleibt ein Problem

Falls der Wal doch noch von selbst losschwimmt oder sich nicht auf den Kahn lotsen lässt, soll ein bereits befestigter Tracker später Hinweise auf seinen Aufenthaltsort geben. Das Gerät hat jedoch einen entscheidenden Nachteil: Unter Wasser sendet es nicht.

Taucht der Wal also ab oder sinkt er auf den Grund, wäre er darüber nicht mehr zu orten. Laut Backhaus wird deshalb an einer anderen technischen Lösung gearbeitet.

Kritik an Trubel und direktem Eingreifen

Seit Tagen sind immer wieder Menschen, Boote und technisches Gerät in unmittelbarer Nähe des Tieres. Fachleute warnen, dass der Eindruck von Ruhe täuschen könne.

Die Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation betonte erneut, dass Kontakt mit Menschen für Wildtiere grundsätzlich Stress bedeute. Direkte Eingriffe am Tier sollten nur in Ausnahmesituationen, mit möglichst wenig Personal und nur kurz erfolgen.

Der Meeresbiologe Boris Culik kritisierte, vor Ort fehle ein klar verantwortliches und erfahrenes Team. Stattdessen gebe es eine „Kakophonie aus wechselnden vermeintlichen Experten“. Greenpeace-Experte Thilo Maack sprach von einem Vorgehen, das an die Grenze des Würdelosen gehe.

Seit mehr als 50 Tagen in der Ostsee

Der Buckelwal war Anfang März erstmals in der Ostsee gesichtet worden. Am 3. März tauchte er im Hafen von Wismar auf, später saß er weiter westlich vor Timmendorfer Strand fest. Nach Angaben von Backhaus ist der Walbulle etwa vier bis sechs Jahre alt.

Inzwischen blieb das Tier in der Ostsee bereits fünfmal in flachem Wasser liegen. Experten halten es für möglich, dass der schwer erkrankte Wal diese Zonen gezielt aufsuchte, um dort Ruhe zu finden.

Wie schon bei einem kurzen Losschwimmen in der vergangenen Woche stiegen auch am Sonntag die Wasserstände. Diesmal blieb der Wal jedoch liegen – möglicherweise, weil ihm dafür inzwischen die Kraft fehlt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen