Bus mit Oberstufenschülern aus Schleswig-Holstein verunglückt in den Niederlanden – 16 Verletzte, Klassenfahrt abgebrochen
Für zwei Schulklassen aus Schleswig-Holstein ist die Fahrt nach Paris in den Niederlanden abrupt zu Ende gegangen. Ihr Reisebus mit österreichischem Kennzeichen stieß am frühen Morgen auf der A28 bei Wezep mit einem Kleintransporter zusammen.
Nach Angaben der Polizei kamen zunächst acht Menschen ins Krankenhaus, einige von ihnen schwer verletzt. Später wurden acht weitere Betroffene in Kliniken behandelt. Insgesamt wurden damit 16 Menschen verletzt. Lebensgefahr besteht demnach für niemanden. Die meisten Schülerinnen und Schüler erlitten laut Polizei Schnittverletzungen durch Glassplitter. Nach Angaben der Schule in Schönberg gab es zudem Prellungen und Knochenbrüche.
Die Oberstufenfahrt wurde nach Angaben der Schule abgebrochen. Fast alle Schülerinnen und Schüler machten sich demnach auf den Heimweg und wurden im Laufe des Abends zurück in Schönberg erwartet. Nach Angaben der niederländischen Behörden lagen am Abend noch fünf Verletzte im Krankenhaus. Wie viele von ihnen Schülerinnen oder Schüler sind, war zunächst unklar.
Bus prallte auf einen Kleintransporter
Der Unfall geschah kurz nach 4 Uhr auf der A28 bei Wezep, rund 100 Kilometer nordöstlich von Amsterdam. Im Bus saßen 54 Schülerinnen und Schüler sowie vier Lehrkräfte. Die Gruppe aus Schönberg in der Probstei war auf dem Weg ins rund 1.000 Kilometer entfernte Paris.
Nach bisherigen Erkenntnissen prallte der Reisebus auf einen Kleintransporter. Anschließend durchbrach der Bus die Leitplanke und kam erst etwa 200 Meter weiter in einer Böschung zum Stehen. Der Kleinlaster wurde bei dem Aufprall auseinandergerissen und blieb auf der Gegenfahrbahn liegen. Dessen Fahrer überlebte, wurde aber schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Auch der Busfahrer kam in eine Klinik.
Feuerwehr musste das Dach des Busses aufschneiden
Rettungskräfte waren schnell vor Ort. Die Feuerwehr musste das Dach des Busses aufschneiden, um die Fahrgäste aus dem Fahrzeug zu befreien. Viele Jugendliche konnten laut Polizei noch direkt an der Unfallstelle versorgt werden.
Anschließend kamen die unverletzten oder leicht verletzten Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrkräfte zunächst in einer Sporthalle in Wezep unter. Einige Eltern holten ihre Kinder dort bereits ab. Für die Heimreise der übrigen Betroffenen wollten die Behörden gemeinsam mit dem deutschen Konsulat sorgen.
Bürgermeisterin spricht von „vielen Schutzengeln“
Die Bürgermeisterin von Wezep, Tanja Haseloop-Amsing, schilderte den Schock unter den Jugendlichen nach einem Besuch in der Sporthalle als groß. Viele hätten beim Aufprall geschlafen, einige seien nur auf Socken aus dem Bus gekommen.
Nach ihren Angaben berichtete ein Schüler, dass er mit einem Hammer ein Dachfenster eingeschlagen habe. Die meisten Jugendlichen hätten Schnittwunden oder Prellungen erlitten. Bei dem Unfall habe es „sehr viele Schutzengel“ gegeben, sagte die Bürgermeisterin. „Das hätte viel schlimmer enden können.“
Günther: „Ein großer Schock“
Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) bezeichnete den Unfall als „einen großen Schock“. Seine Gedanken seien bei den Schülerinnen und Schülern, den Lehrkräften und ihren Familien. Zugleich zeigte er sich erleichtert, dass nach bisherigem Stand niemand lebensgefährlich verletzt worden sei. Er dankte den Rettungs- und Einsatzkräften und wünschte allen Verletzten eine schnelle Genesung.
Auch Bildungsministerin Dorit Stenke (CDU) erklärte, den verunglückten Schülerinnen und Schülern, ihren Eltern und den Lehrkräften gelte nun besondere Aufmerksamkeit und Unterstützung. Sie verwies darauf, dass Schulen in solch außergewöhnlich belastenden Situationen durch den schulpsychologischen Dienst begleitet werden. Dieses Angebot richte sich auch an Schülerinnen und Schüler, die mittelbar betroffen seien.
Ursache weiter unklar
Nach dem Unfall war die A28 stundenlang in beide Richtungen gesperrt. Wie es zu dem Zusammenstoß kam, ist weiterhin unklar. Die Ermittlungen der Polizei laufen nach Angaben der Behörden auf Hochtouren.
Zuletzt mehrere schwere Reisebusunfälle in Europa
In den vergangenen Wochen hatte es bereits mehrere schwere Unfälle mit Reisebussen gegeben. Mitte August starben in Ungarn zwölf Mitglieder einer Pilgergruppe aus Polen, nachdem ihr Bus von der Fahrbahn abgekommen und in einen Straßengraben gestürzt war. Nach Polizeiangaben war der Fahrer vermutlich eingeschlafen.
Anfang August kamen in Italien vier Businsassen und zwei weitere Menschen ums Leben, als nördlich von Rom ein Reisebus, ein Wohnmobil und drei Autos zusammenstießen. Das Wohnmobil war offenbar auf die Gegenfahrbahn geraten. Ende Juli wurden nahe Stuttgart bei einem Auffahrunfall mit einem Reisebus zwei Fahrgäste und der Busfahrer schwer verletzt, zwei weitere Menschen erlitten leichte Verletzungen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber