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Neue Angriffsdrohnen für die Bundeswehr: Warum Rheinmetalls Deal jetzt für Aufsehen sorgt

Der Drohnenkrieg in der Ukraine verändert auch die Bundeswehr rasant: Während diese Waffen an der Front immer entscheidender werden, stockt Deutschland seine Bestände deutlich auf. Nach Deals mit Helsing und Stark kommt jetzt auch Rheinmetall zum Zug – und das könnte erst der Anfang sein.

22.04.2026, 15:24 Uhr

Rheinmetall erhält Bundeswehr-Auftrag für neue Kamikaze-Drohnen

Rheinmetall wird die Bundeswehr künftig mit sogenannter Loitering Munition ausstatten. Wie der Düsseldorfer Rüstungskonzern mitteilte, wurde beim Beschaffungsamt der Bundeswehr in Koblenz ein Auftrag im Wert von 300 Millionen Euro unterzeichnet. Die genaue Stückzahl der bestellten Systeme bleibt geheim. Die Auslieferung soll im ersten Halbjahr 2027 anlaufen, produziert werden die Flugkörper in Neuss.

Die Bestellung betrifft das Modell FV-014 und erfolgt im Rahmen eines umfassenderen Vertrags. Nach Informationen aus Branchenkreisen umfasst dieser ein Gesamtvolumen von rund einer Milliarde Euro und sieht die Beschaffung einer fünfstelligen Zahl solcher Systeme vor. Auch andere Anbieter wie Stark und Helsing verfügen über ähnliche Rahmenvereinbarungen und haben bereits Bestellungen erhalten. Rheinmetall stieg später in dieses Segment ein, da das Unternehmen das System zunächst neu entwickeln musste.

Die Flugkörper dienen sowohl der Aufklärung als auch dem Angriff. Sie kreisen über einem Einsatzgebiet, können dort Ziele beobachten und sich anschließend eigenständig auf ein Ziel stürzen.

Bis zu 100 Kilometer Reichweite

Rheinmetall-Chef Armin Papperger bewertete den Auftrag positiv. Mit der FV-014 erhalte die Bundeswehr ein weiteres Waffensystem, das zum Schutz eigener Truppen beitragen und gegnerische Ziele schnell sowie präzise bekämpfen könne. Nach Unternehmensangaben soll die Fertigung schon in absehbarer Zeit in großer Stückzahl im industriellen Maßstab erfolgen.

Laut Rheinmetall erreicht die FV-014 eine Distanz von bis zu 100 Kilometern. Der Gefechtskopf bringt einschließlich Zünder rund vier Kilogramm auf die Waage. Die maximale Flugdauer liegt bei etwa 70 Minuten. Produziert werde das System vollständig innerhalb der Europäischen Union.

Aus Sicht der Bundeswehr liegt ein Vorteil dieser Waffe in der schnellen Reaktionsfähigkeit und der hohen Treffgenauigkeit. Zudem übertrifft ihre Reichweite die klassischer Artilleriemunition.

Einweg-System mit laufenden Software-Updates

Streng genommen handelt es sich bei der Loitering Munition nicht um klassische Drohnen, sondern um Munition zum einmaligen Einsatz. Die Systeme werden aus einem Container gestartet, steigen mithilfe einer Startvorrichtung auf, entfalten sich in der Luft und fliegen dann ins Zielgebiet. Eine Rückkehr oder Wiederverwendung ist nicht vorgesehen. Wird innerhalb der Einsatzzeit kein Ziel identifiziert, wird der Flugkörper laut Rheinmetall kontrolliert zum Absturz gebracht.

Besonders wichtig ist bei dieser Waffenart die Software. Sie muss fortlaufend angepasst und weiterentwickelt werden, um wirksam zu bleiben. Nach Angaben der Bundeswehr enthalten die Verträge mit den Herstellern deshalb spezielle Innovationsklauseln. Diese verpflichten die Anbieter, ihre Systeme technisch aktuell zu halten. Ohne solche Regelungen könnten heute beschaffte Systeme schon nach wenigen Monaten an Wirkung verlieren, wenn Gegner passende Gegenmaßnahmen entwickeln.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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