Nordrhein-Westfalen

Schock für Bonn: Nordbrücke bleibt dicht

Schock für Pendler: Bonns Nordbrücke bleibt vorerst dicht – warum die wichtige Rheinquerung weiter gesperrt ist.

19.06.2026, 10:43 Uhr

Die Bonner Nordbrücke bleibt auf absehbare Zeit vollständig gesperrt. Nach einer weiteren Sitzung des Lenkungskreises von Bund, Land und Kommunen erklärte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU), dass der beschädigte Teil der Brücke nun abgerissen und neu gebaut werden soll – und zwar so schnell wie möglich.

Die Autobahnbrücke der A565 über den Rhein war bereits Anfang Juni wegen schwerer Schäden komplett geschlossen worden. Inzwischen ist klar: Der Schaden an der linksrheinischen Vorlandbrücke ist noch gravierender als zunächst angenommen. Eine Wiederöffnung für Autos oder Lastwagen kommt nach Angaben des Ministers nicht mehr infrage.

Neue Brücke soll spätestens Ende 2028 fertig sein

Laut Schnieder startet das Vergabeverfahren umgehend. Ziel ist, möglichst schon im Sommer mit dem Abriss zu beginnen. Noch in diesem Jahr soll zudem der Auftrag für den Neubau vergeben werden. Der Ersatzneubau soll innerhalb von zwei Jahren entstehen, damit die Brücke spätestens Ende 2028 wieder für den Verkehr freigegeben werden kann.

Die Bonner Nordbrücke gilt als wichtigste Ost-West-Verbindung der Region. Das Bauwerk aus den 1960er Jahren ist seit längerem marode. Bereits seit Februar durften Lastwagen mit mehr als 7,5 Tonnen die Brücke nicht mehr befahren. Anfang Juni folgte dann die komplette Sperrung.

Tragfähigkeit einzelner Bauteile nicht mehr gesichert

Nach weiteren Untersuchungen durch die Autobahn GmbH hat sich das Schadensbild nochmals verschärft. Nach Angaben des technischen Geschäftsführers Dirk Brandenburger befindet sich das Bauwerk bei einzelnen Bauteilen bereits im Grenzbereich der Tragfähigkeit. Die vorhandene, teils beschädigte Bewehrung reiche nicht mehr aus, um ein Versagen einzelner Bauteile sicher auszuschließen. Eine technische Sanierung sei daher nicht mehr möglich.

NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) sprach von einer schweren Nachricht für die Region und für Nordrhein-Westfalen. Zugleich wertete er den geplanten sofortigen Abriss als wichtiges Signal, dass nun gehandelt werde. Als Beispiel für schnelles Bauen verwies er auf die Erfahrungen mit der Rahmede-Talbrücke.

OB Déus spricht von schlimmer Botschaft

Bonns Oberbürgermeister Guido Déus bezeichnete die Entwicklung als schlimme Botschaft für Bonn und die gesamte Region. Einen kleinen Lichtblick gebe es aber: Radfahrer und Fußgänger könnten die Brücke voraussichtlich ab Spätsommer wieder nutzen.

Sperrung belastet Verkehr und Wirtschaft weiter massiv

Die Folgen der Sperrung sind in Bonn und darüber hinaus deutlich spürbar. Der Verkehr hat sich seit der plötzlichen Schließung merklich verdichtet, auch Ausweichstrecken in Richtung Köln sind stärker belastet.

Die Stadt Bonn hatte zur Entlastung unter anderem einen vorübergehend kostenlosen öffentlichen Nahverkehr eingeführt. Diese Regelung gilt zunächst bis Ende Juni. Nach Angaben von Oberbürgermeister Déus kann sie wegen der angespannten Haushaltslage ohne externe Unterstützung nicht dauerhaft fortgesetzt werden.

Auch die Wirtschaft warnt vor erheblichen Schäden. Die IHK Bonn/Rhein-Sieg sprach von einem enormen wirtschaftlichen Belastungsfaktor. Die angestrebte Freigabe im Jahr 2028 sei immerhin ein Silberstreif am Horizont. Aus dem Handwerk kam zudem die Forderung, befristete Entlastungen zu prüfen – etwa eine Erstattung von Mautkosten bei nachweisbaren Umwegen.

Planungen für spätere Strombrücke laufen weiter

Unabhängig vom nun beschlossenen Neubau der Vorlandbrücke werden laut Schnieder auch die Planungen für den späteren Neubau der eigentlichen Strombrücke fortgesetzt. Dieser war ohnehin bereits vorgesehen und soll frühestens in den 2030er Jahren beginnen. Nach Angaben des Ministers bedeutet das aber nicht zwangsläufig eine erneute Vollsperrung der gesamten Verbindung.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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